Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1883. (17)

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Binnen  neun  Monaten  nach  der  Auflösung  darf  der  Lehrling  in  demselben
Gewerbe  von  einem  anderen  Arbeitgeber  ohne  Zustimmung  des  früheren  Lehrherrn
  nicht  beschäftigt  werden.

§.  132.

Erreicht  das  Lehrverhältniß  vor  Ablauf  der  verabredeten  Lehrzeit  sein  Ende,
so  kann  von  dem  Lehrherrn  oder  von  dem  Lehrling  ein  Anspruch  auf  Entschädigung
  nur  geltend  gemacht  werden,  wenn  der  Lehrvertrag  schriftlich  geschlossen
ist.  In  den  Fällen  des  §.  128  Absatz  1  und  4  kann  der  Anspruch  nur  geltend
gemacht  werden,  wenn  dieses  in  dem  Lehrvertrage  unter  Festsetzung  der  Art  und
Höhe  der  Entschädigung  vereinbart  ist.

Der  Anspruch  auf  Entschädigung  erlischt,  wenn  er  nicht  innerhalb  vier
Wochen  nach  Auflösung  des  Lehrverhältnisses  im  Wege  der  Klage  oder  Einrede
geltend  gemacht  ist.  

§  133.

Ist  von  dem  Lehrherrn  das  Lehrverhältniß  aufgelöst  worden,  weil  der
Lehrling  die  Lehre  unbefugt  verlassen  hat,  so  ist  die  von  dem  Lehrherrn  beanspruchte
  Entschädigung,  wenn  in  dem  Lehrvertrage  ein  Anderes  nicht  ausbedungen
ist,  auf  einen  Betrag  festzusetzen,  welcher  für  jeden  auf  den  Tag  des  Vertragsbruches
  folgenden  Tag  der  Lehrzeit,  höchstens  aber  für  sechs  Monate,  bis  auf
die  Hälfte  des  in  dem  Gewerbe  des  Lehrherrn  den  Gesellen  oder  Gehülfen  ortsüblich
  gezahlten  Lohnes  sich  belaufen  darf.

Für  die  Zahlung  der  Entschädigung  sind  als  Selbstschuldner  mitverhaftet
der  Vater  des  Lehrlings  sowie  derjenige  Arbeitgeber,  welcher  den  Lehrling  zum
Verlassen  der  Lehre  verleitet  oder  welcher  ihn  in  Arbeit  genommen  hat,  obwohl
er  wußte,  daß  der  Lehrling  zur  Fortsetzung  eines  Lehrverhältnisses  noch  verpflichtet
war.  Hat  der  Entschädigungsberechtigte  erst  nach  Auflösung  des  Lehrverhältnisses
von  der  Person  des  Arbeitgebers,  welcher  den  Lehrling  verleitet  oder  in  Arbeit
genommen  hat,  Kenntniß  erhalten,  so  erlischt  gegen  diese  der  Entschädigungsanspruch
  erst,  wenn  derselbe  nicht  innerhalb  vier  Wochen  nach  erhaltener  Kenntniß
geltend  gemacht  ist.

IV.  Verhältnisse  der  Fabrikarbeiter.

§.  134.

Auf  Fabrikarbeiter  finden  die  Bestimmungen  der  §§.  121  bis  125  oder,
wenn  die  Fabrikarbeiter  als  Lehrlinge  anzusehen  sind,  die  Bestimmungen  der
§§.  126  bis  133  Anwendung.

§.  135.

Kinder  unter  zwölf  Jahren  dürfen  in  Fabriken  nicht  beschäftigt  werden.
Die  Beschäftigung  von  Kindern  unter  vierzehn  Jahren  darf  die  Dauer
von  sechs  Stunden  täglich  nicht  überschreiten.