Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

ihrer  Aufgaben  dauernd  der  oon  der  Regierung  geschaffenen  Kriegsgesellschaften.
  Ihr  Grundgedanke  war  dleser:  sie  waren  Einrichtungen  kaufmännischer
  Art,  aber  mit  amtlichen  Befugnissen.  Sie  waren  Handeleunternehmungen,
basierend  auf  dem  Gedanken  prloaten  Verdienstes,  und  zugleich  Staatebehörden
bureaukratischen  Charakters.  Ihnen  war  die  Beschaffung  und  Dertellung  der
wichilgsten  Lebensmittel  und  Rohstoffe  übertragen.  Sie  hatten  das  Recht  der

.  Exi-E
  !1  Wu-  —
s—.—  6  *  57
.
"

Beschlagnahme,  das  alimähllch  auf  alle  Gegenstände  des  Bedarfs  für  Heer  und
Helmat  ausgedehnt  wurde.  Dieses  überkünstliche  Sostem  zeigte  alsbald  die
Nängel  einer  undurchdachten  Improvisation.  Seine  Folgen  waren  verheerend.
Willkürlichkeiten  und  Unzulänglichkeiten  bei  der  Herbelschaffung  wie  dei  der
Verteilung  der  Vorräte,  Mangel  an  allen  Enden  und  unter  selnem  Oruck  das
Entstehen  elnes  entsittlichenden  Schleichhandele  zu  Wucherprelsen  und  jeber
Art  der  Hinterzlehung  und  Umgehung  waren  selne  unauebleiblichen  und  verwüstenden
  Wirkungen.

J.

So  erreichten  die  Reformpläne  der  O.  H.  L.  auf  wirtschaftlichem  Gebiet
ihr  Ziel  der  Stelgerung  der  Versorgung  des  Heeres  milt  jeder  Art  von  Bedarf
zwar  annähernd  —  dlie  Verpflegung  und  Rohstoff#ersorgung  der  Heimat  aber
wurde  oollkommen  desorganislert,  die  Volksseele  vergistet,  die  Stimmung
untergraben.

Die  innerpolitischen  Folgen  solcher  von  oben  her  eingeleiteten  und  verschuldeten
  Zersetzung  konnten  nicht  ausbleiben.

Das  erste  Geblet  des  staatlichen  Lebens,  das  von  der  allgemeinen  Wirrnis
in  unoerkennbare  Mitleidenschaft  gezogen  wurde,  war  das  Verkehrewesen.
Die  deutschen  Eisenbahnoerwaltungen  haben  im  Krilege  elne  organisatorische
Leistung  zu  verzeichnen,  welche  höchste  Bewunderung  verdient.  Aber  verhängnievoll
  machte  es  sich  doch  bemerkbar,  daß  das  Eisenbahnwesen  nicht  dem
Reiche,  sondern  den  Bundeestaaten  unterstond.  Seine  Vereinheitllchung
war  versäumt  und  ist  im  Kriege  nicht  elnmal  angestrebt  worden.  Unendliche
Relbungen  waren  die  Folge.

24