Volltext : Realienbuch Nr. 3 (3)

90  Erdkunde.  II

lichen,  dem  Anti-  (d.  h.  Gegen-)libanon.  Sie  werden  durch  eine  tiefe  Senke  von
einander  getrennt.  In  diesem  Tale  strömt  der  Orontes  nach  Norden  dem  Mittelmeere
zu,  während  sich  der  Jordan  vom  Antilibanon  nach  Süden  wendet.  Der  Jordan
durchfließt  zunächst  den  flachen  und  sumpfigen  Merom-See,  darauf  den  fischreichen
See  Genezareth  und  mündet  dann  in  das  Tote  Meer,  dessen  Spiegel  fast  400  m
unter  dem  des  Mittelmeeres  liegt.  Da  dieses  Wasserbecken  keinen  Kbfluß  hat,  ist  es
so  salzhaltig  (warum?),  daß  es  nur  von  wenigen  Tieren  bewohnt  wird.  Sische  fehlen
gänzlich.  An  den  öden  Ufern  halten  sich  nicht  einmal  Dögel  auf.  Die  Talsenke,  in
der  das  Tot  Meer  (Uamel)  liegt,  erreicht  erst  am  Roten  Meere  ihr  Ende.

Das  Kalkhochland  südlich  vom  Libanon,  das  sich  zwischen  Jordan  und  Küstenebene
  ausdehnt,  ist  das  Mestjordanland,  das  Land  Kanagan.  Unr  im  Winter
streichen  vom  Mittelmeer  her  Regenwolken  darüber  hin.  Die  Wasser  versickern  aber
wie  im  Jura  (5.  34)  in  den  leicht  verwitternden  Fels,  waschen  ihn  aus  und  bilden
zahlreiche  Höhlen.  Kanaan  ist  darum  ein  trockenes,  unfruchtbares  Land.  Die  Kinder
Israel,  die  hier  im  Kltertum  wohnten,  sammelten  das  Regenwasser  in  tiefen  Gruben
(Sisternen)  und  berieselten  damit  ihre  Felder.  Zuf  diese  Weise  verwandelten  sie  die
öde  hochfläche  in  ein  Land,  „darin  Milch  und  honig  floß".  Dort,  wo  kein  Ackerbau
  möglich  war,  trieben  sie  Diehzucht.  Ein  so  sorgsam  angebautes  Land  konnte
auch  zahlreiche  Menschen  ernähren.  Unter  der  türkischen  Mißwirtschaft  wurden  die
Berge  entwaldet,  und  die  Bewässerungsanlagen  verfielen.  Daher  verödete  Kanaan.
Jerusalem  ist  jetzt  nur  noch  eine  Stadt  mittlerer  Größe  (51),  die  von  Krabern,  Juden
und  Christen  bewohnt  wird.  Klljährlich  aber  strömen  viele  Tausende  von  Dilgern
herbei,  um  an  den  heiligen  Stätten  zu  beten.  An  der  Stelle  des  so  hoch  berühmten
CTempels  erblicken  wir  heute  den  Kuppelbau  einer  mohammedanischen  Moschee.  Für
die  Christen  ist  die  Kirche  zum  heiligen  Grabe  der  Ort  größter  Andacht.  Der  Derkehr
  Jerusalems  mit  dem  Kbendlande  wird  durch  eine  Eisenbahn  gefördert,  die  die
Derbindung  mit  dem  hafenorte  Jafa  herstellt.

Nach  Süden  setzt  sich  das  Kalkhochland  in  die  Halbinsel  Sinai  fort.  Sie  hat  die  Gestalt
eines  Dreiecks,  an  dessen  Südspitze  das  hohe,  kahle  Sinaigebirge  liegt  (Berg  horeb;  Moses).

A.  Ostjordanland.  Das  Ostjordanland  oder  die  Syrische  Wüste  ist,  wie  bereits
erwähnt,  eine  öde  hochfläche.  Uur  während  der  Regenzeit  findet  sich  an  einzelnen
Stellen  geringer  Pflanzenwuchs.  Am  Suße  des  Antilibanons  dagegen  verleihen  die
Gewässer  des  Gebirges  dem  Boden  große  Fruchtbarkeit.  Damaskus  (140),  das  hier
gelegen  ist,  wird  daher  von  herrlichen  Gärten  umgeben.  Es  ist  mit  dem  hafen  von  Beirut
durch  eine  Eisenbahn  verbunden  und  der  Zusgangspunkt  wichtiger  Karawanenstraßen.

7.  Krabien.

1.  Bodengestalt.  Die  Syrische  Wüste  geht  allmählich  in  das  hochland  von
Arabien  über,  das  wie  das  benachbarte  Rfrika  ein  hohes  Tafelland  mit  gebirgigen
Rändern  ist.  (Uenne  die  Grenzmeere!)  Die  Randgebirge  fallen  in  Stufen  steil  zu
einem  schmalen  Küstenstriche  ab.

2.  Stufenländer.  Die  vom  Indischen  Ozean  her  kommenden  Seewinde  ergießen
ihre  Regenmengen  über  die  Stufenländer;  die  Küstenebenen  dagegen  sind  heiße,  regenarme
  und  dde  Gebiete.  Die  meisten  Niederschläge  erhalten  die  Terrassen  im  Südwesten.
hier  findet  sich  daher  ein  sehr  üppiger  Dflanzenwuchs,  so  daß  die  Landschaft  mit  Recht
als  das  „SElückliche  Krabien“  bezeichnet  wird.  Die  Dörfer  sind  von  Dattelpalmen,