Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1885. (19)

§.  2.
Material,  Gestalt  und  Einrichtung.

Die  Maaße  sollen  aus  Material  von  solcher  Struktur  sowie  in  solcher
Gestalt  und  Querschnittsgröße  ausgeführt  sein,  daß  ihre  Länge  beim  Gebrauch
keine  Schwankungen  erfahren  kann,  welche  die  im  Verkehr  zu  duldenden  Fehlergrenzen
  übersteigen.

Zulässig  sind  sowohl  End-  als  Strichmaaße,  und  zwar:

1.  aus  einem  Stücke  bestehende  Maaßstäbe;

2.  aus  mehreren  Stücken  bestehende  Maaße,  für  deren  Zusammenfügung
in  derjenigen  gegenseitigen  Lage  der  beweglichen  Theile,  welche  die  normale
  Länge  des  ganzen  Maaßes  ergiebt,  eine  genügende  Stabilität
gesichert  ist;

3.  Bandmaaße  aus  Stahl.

Für  größere  Längen  als  10  Meter  sind  nur  Bandmaaße  zulässig;  für
kleinere  Längen  als  1  Meter  sind  Bandmaaße  dagegen  nicht  zulässig.  Für  kleinere
Längen  als  0,5  Meter  sind  auch  Werkmaaßstäbe,  Langwaarenmaaßstäbe  und  zusammenlegbare
  hölzerne  Maaße  nicht  zulässig  (siehe  §.  4).

Bei  Endmaaßen  aus  Holz,  Elfenbein  oder  Material  von  ähnlicher  Oberflächenbeschaffenheit
  bis  einschließlich  0,5  Meter  abwärts  sind  die  Enden  durch
metallene  Beschläge  von  hinreichender  Stärke  zu  schützen.

Die  Eintheilungsmarken  auf  den  Maaßen  dürfen  durch  Striche,  Punkte,
Stifte  und  dergleichen  hergestellt  werden.  Alle  Begrenzungen  von  Theillängen
sowie  von  Gesammtlängen  sollen  jedoch  so  scharf  und  unzweideutig  sein,  daß  aus
der  Art  der  Markirung  der  Längen  keine  in  Betracht  der  betreffenden  Fehlergrenze
merklichen  Unsicherheiten  beim  Gebrauche  hervorgehen  können.  Bandmaaße  mit
End-Ringen,  deren  Mittelpunkte  oder  deren  Begrenzungsflächen  in  unzweideutig
bezeichneter  Weise  die  Enden  des  Maaßes  bilden,  sind  zulässig.

Es  ist  gestattet,  Maaße,  welche  den  oben  aufgestellten  Anforderungen  entsprechen,
  auch  dann  zu  aichen,  wenn  dieselben  Theile  zusammengesetzter  Meßwerkzeuge
  bilden.

§.  3.

Bezeichnung.

Jedes  Maaß  ist  auf  mindestens  einer  seiner  Seitenflächen,  und  zwar,  wenn
es  auf  einer  oder  mehreren  dieser  Flächen  Eintheilungen  enthält,  auf  jeder  der
eingetheilten  Flächen  mit  der  deutlichen  Bezeichnung  seiner  Länge  nach  Meter  zu
versehen.

Die  Bezeichnung  soll  entweder  mit  dem  vollen  Worte  Meter  oder  mit
dem  Buchstaben  m  ausgeführt  werden.

Statt  0,5  darf  auch  ½  als  Bruchbezeichnung  zur  Anwendung  kommen.
Bei  den  Bezeichnungen  0,2  und  0,1  darf  nur  die  dezimale  Form  zur  Anwendung
kommen.