Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1889. (23)

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Begründung  finden  sich  in  den  Veröffentlichungen  der  Gesellschaft  für
vergleichende  Rechtswissenschaft  und  Volkswirtschaft.?)

Mit  England  und  Portugal  bestand  schon  seit  1886  ein  Abkommen.
Dies  wurde  nun  durch  den  Vertrag  mit  England  vom  1.  Juli  1890
ergänzt.  Es  ist  dies  der  vielangefochtene  Sansibar=  oder  Hosenknopfvertrag,
  der  aber  wohl  das  Außerste  umfaßt,  was  sich  zu  jener  Zeit  angesichts
  der  allgemeinen  Anfeindungen  unseres  kolonialen  Vorgehens  und
der  Schwäche  unserer  Flotte,  sowie  der  bei  uns  herrschenden  Fahrlässigkeit
bezüglich  Bildung  und  nationaler  Verpflichtung  des  Kapitals  erreichen
ließ.  Deshalb  sollte  man  sich  von  den  wechselnden  Stimmungen  der
öffentlichen  Meinung  in  der  Verurteilung  dieses  Vertrages  nicht  zu  weit

*)  Wissmann,  geb.  zu  Lauterberg  am  14.  September  1853,  starb  am  15.  Juni
1905  infolge  eines  Jagdunfalles  auf  seinem  Gute  Weißenbach  in  Steiermark.  Ein
Denkmal  ist  seinem  unvergänglichen  Ruhme  in  seinem  Geburtsort  errichtet.  Er  lebt
fort  im  Herzen  seiner  Freunde,  aller  derer,  denen  er  wohlgetan,  und  denen  er  als
Sieger  Milde  erwiesen.  Er  lebt  fort  in  seinen  Werken  und  Schriften,  von  denen
wir  nur  folgende  nennen:  „Über  die  in  Innerafrika  stattgehabten  Völkerverschiebungen
am  Tanganyikasee“  (Zeitschrift  für  Ethnologie,  1883);  „Im  Innern  Afrikas,  die
Erforschung  des  Kassai  1883—85“;  „Unter  deutscher  Flagge  quer  durch  Afrika  von
West  nach  Ost“,  Berlin  1889,  8.  Aufl.  1902  (Kleine  Ausgabe  1892).

Major  Rochus  Schmidt,  ein  ehemaliger  Mitkämpfer  Wissmanns,  sagte  über
dessen  erste  Durchquerung  Nov.  1879  bis  Ende  1881,  die  damals  für  unmöglich  galt,
im  Vergleich  zu  dem  vielgerühmten  Stanley:  „Wissmann  hatte  wenig  Begleiter,
Stanley  zog  mit  Hunderten  von  Bewaffneten  aus;  die  Reise  Wissmanns  kostete  ganze
30  000  Mark,  Stanley  brauchte  das  Zehnfache.  Während  Stanley  zunächst  betretene
Wege  ging  und  dann  zumeist  den  bequemeren  Wasserweg  wählte,  lernte  Wissmann
weit  besser  Land  und  Leute  kennen,  da  er  zumeist  zu  Lande  reiste  und  gänzlich  unbekannte
  Gegenden  durchforschte.  Der  größte  Gegensatz  zwischen  diesen  beiden  Afrikareisenden
  bestand  aber  in  der  Methode  der  Behandlung  der  Eingeborenen.  Wissmann
durchquerte  Afrika,  ohne  einen  einzigen  Schuß  gegen  die  Eingeborenen  abgegeben  zu
haben.  Stanleys  Weg  dagegen  wurde  fortgesetzt  durch  Gewalttaten  und  Konflikte
mit  den  Eingeborenen  bezeichnet.  Während  Wissmann  immer  Rücksicht  nahm  auf
etwa  Nachfolgende,  Missionare  oder  Forscher,  kannte  Stanley  nur  das  eine  Ziel,
seinen  Zweck  unter  allen  Umständen,  auch  mit  Gewalt,  zu  erreichen,  unbekümmert
um  die  Folgen  seines  Vorgehens.  Als  Mensch  wie  als  Forscher  war  Wissmann  der
Größere,  und  seiner  Methode,  die  Eingeborenen  zu  behandeln,  ist  er  allzeit  treu  geblieben;
  ihr  verdankte  er  das  Vertrauen,  das  er  bei  der  eingeborenen  Bevölkerung
genoß,  ihr  verdankte  er  nicht  zum  wenigsten  seine  Erfolge.“

Wissmanns  Anschauungen  über  die  Behandlung  der  Negervölker  sollten  jetzt,
wo  deren  Erhaltung  wieder  mehr  in  den  Vordergrund  der  Erwägungen  tritt,  mehr
studiert  und  beachtet  werden.  Die  Rechtsnormen  des  Islam  (nicht  die  Religion  als
solche)  hielt  er  für  diesen  Zweck  für  geeigneter  als  die  Pandekten,  namentlich  inbezug
auf  die  rechtliche  Behandlung  des  Grundeigentums.