328 —
HGefahr, da die französischen Gesandten in Regensburg und an den verschiedenen
Höfen der katholischen Reichsfürsten Alles aufboten, um sie von einem Bündniß
abzuhalten, durch welches ihre Religion auf das Gefährlichste bedroht wäre.
Dies gelang wenigstens für den Augenblick, denn auch der Kaiser schwankte.
Um so thätiger und entschiedener war Friedrich III., obgleich er schwerer
als die meisten der schwankenden Reichsstände bedroht war; seine clevischen
Länder lagen den schwersten Ahndungen durch den Einfall der feindlichen Truppen
ausgesetzt, und er mußte sich auf einen unverzüglichen Angriff gefaßt machen,
wenn er bei seinem kriegerischen Vorhaben beharrte. Ludwig XIV. ließ es an
Drohungen der Art nicht fehlen, so wie im entgegengesetzten Falle an glänzenden
Versprechungen. Noch war der ehemalige Subsidienvertrag nicht förmlich gebrochen.
Man versprach, im Falle Friedrich III. neutral bleiben wollte, nicht
nur die Zahlung der starken rückständigen Summen, sondern auch die Fortdauer
dieses Verhältnisses für die Zukunft; hierzu fügte man die Aussicht auf die
Erwerbung des schwedischen Pommern. Außerdem sollte Friedrich III., so wie
dem Kurfürsten von Baiern das Schiedsrichteramt in dem Streite mit dem
römischen Reiche übertragen werden. Jedoch notz aller dieser glänzenden Versprechungen
blieb der Kurfürst standhaft. Zwar hätte er gewünscht, für seine
celevischen und westphälischen Provinzen Neutralität in dem bevorstehenden Kriege
zu erhalten, doch hielt ihn die abschlägige Antwort der Franzosen von der
Ausführung seines Entschlusses nicht zurück. Als Ludwig XIV. in seiner hochmüthigen
Weise dem Kurfürsten drohend bemerken ließ, „zu seines Vaters Zeiten
seien die französischen Truppen bis Minden gekommen, sie könnten sich diesmal
leicht den Weg nach Berlin öffnen", da wurden sofort alle Verhandlungen in
Paris abgebrochen; der brandenburgische Geschäftsträger eilte nach dem Haag
zur Verabredung geeigneter Schutzmaaßregeln, und von dort zum Bischof von
Münster, welcher ebenfalls dem Bunde gegen Frankreich beitrat.
Zu gleicher Zeit begannen die kriegerischen Operationen. Zwei Brücken
wurden bei Wesel über den Rhein geschlagen, damit eine schnelle Vereinigung
aller Streitkräfte an den bedrohten Orten stattfinden könnte, und 20,000 Mann
Brandenburger setzten sich in Bewegung, während die Generale Schöning
und Barfuß gemessenen Befehl erhielten, mit den Holländern in voller Uebereinstimmung
zu handeln. Friedrich III. folgte hier würdig den Traditionen
seines großen Vaters. Gleich wie dieser im Jahre 1672 trat er jetzt als Vorkämpfer
für Holland und die Rheinlande auf, und gab auf diese Weise den
Bundesgenossen die nöthige Zeit zu einer erfolgreichen Gegenwehr. Zwar
gerieth Cleve in die Hände der Franzosen, doch dafür besetzten seine Truppen
das kölnische Land, wo er in dem Gebiete der Anhänger Fürstenberg's Repressalien
für alles, was die Gegner an Schaden ihm zufügen würden, üben konnte.
Im Frühjahr 1689 entwickelten die brandenburgischen Truppen eine lebhafte
und erfolgreiche Thätigkeit. Die Franzosen mußten alle Plätze im Jülichschen
außer Rheinbergen und Kaiserswerth räumen und sich auf Bonn zurückziehen;