Richteramtliche Befugniß, Untersuchungen zu führen. 147
auch zur interimistischen Verwaltung einer solchen
Stelle qualifizirt erscheinen, und da das Mindere
im Größeren enthalten ist, so scheint aus der Berechtigung
des Standeöherrn, einem solchen qualifizirten
Subjekte die Stelle eines Herrschaftsrichters
definitiv, ohne besondere Bestätigung, zu übertragen,
dessen Befugniß von selbst zu folgen, die
interimistische Verwaltung des gedachten Amts durch
ein solches Individuum besorgen zu lassen, zumal
da dem Standesherrn nach 8. 64 des Edikts IV
auch die provisorische Amtsbestellung zusteht.
2) Der Wirkungskreis eines Beamten bestimmt
sich nach dem Umfange der Kompetenz des ihm
übertragenen Amtes. Ein gutsherrlicher Herrschaftsoder
Patrimonialrichter J. Klasse ist zwar vermöge
seines ordentlichen Amts zur Führung strafrechtlicher
Untersuchungen gar nicht kompetent, weil
diesen Gerichten nach s. 72 des Edikts VI keine
strafgerichtliche Jurisdiktion zusteht, und ein landgerichtlicher
Justizbeamte der erwähnten Kategorie
hat vermöge seines ordentlichen Amtes hinsichtlich
der strafrechtlichen Untersuchungen nur eine beschränkte
Kompetenz; allein dieser Umstand scheint
der Befugniß des Verwesers eines standesherrlichen
Herrschaftsgerichts aus der Klasse der in Frage
stehenden Beamten zur Führung strafrechtlicher Untersuchungen
über Verbrechen und Vergehen, welche
innerhalb des Bezirks des Herrschaftsgerichts verübt
werden, in der Erwägung nicht entgegen zu
stehen, weil den standesherrlichen Herrschaftsgerichten
verfassungsmäßig dergleichen Untersuchungen
kompetiren, mithin zu dem amtlichen Wirkungskreise
des Herrschaftsrichters gehören, dessen Stelle
dem Verweser zur interimistischen Verwaltung übertragen
wurde. Der Substitut dürfte daher um so
mehr zur Führung solcher Untersuchungen kompetent
erscheinen, da er sie nicht in seiner gewöhnlichen
Eigenschaft, sondern als Stellvertreter des
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