206 Der Deutsch-dänische Krieg.
Drei Tage nach dem Sturm brach der König in Begleitung des Kriegsministers
von Roon, des Generaladjutanten von Manteuffel und andrer
höherer Offiziere nach Schleswig auf. Am 21. April folgte der Ministerpräsident
von Bismarck eben dahin und wohnte im Gefolge des Königs
jener denkwürdigen Königsparade in Sundewitt bei, wo die Düppelstürmer
in ihrem Feldanzuge mit den eroberten, lustig flatternden Danebrogfähnlein
leuchtenden Auges und festen Schrittes an ihrem Kriegsherrn vorüberzogen.
Der König redete die dekorierten Offiziere und Unteroffiziere in zündenden
Worten an, indem er die Uberzeugung aussprach, daß sie sich bei jeder andern
Veranlassung gleich tüchtig bewähren würden. Damals empfand er so recht
lebhaft die Genugthuung eines lange Verkannten. „Dieser Tag entschädigt
mein Herz für viele traurige Erfahrungen“, sagte er zu einer Deputation, die
zu seiner Beglückwünschung erschienen war. Die Königsreise durch Schleswig-Holstein
glich einem Triumphzuge. „Es ist ein Sieg für deutsches Recht
erfochten", rief einer aus den Räihen des jubelnden Volkes. „Möchte das
vergossene Heldenblut nicht unnütz in den Sand geflossen sein!“ erwiderte
der König bedeutungsvoll. Und zu einer Abordnung der Bürger von Rendsburg
sagte der Monarch: „Ich habe meine Truppen hierher gesandt, um die
Rechte dieser Lande auszufechten; ich hoffe, daß diese Sache einem guten, alle
befriedigenden Ende zugeführt werde.“
Zwölf Tage später wurden die eroberten Geschütze und Fahnen im
Triumphe nach der preußischen Hauptstadt gebracht.
Mittlerweile war auch zur See tapfer gestritten worden. Um den Unternehmungen
der Dänen zur See erfolgreich entgegentreten zu können, reichten
die Streitkräfte der Verbündeten nicht aus. Die nach den nordischen Gewässern
entsendete österreichische Kriegsflotte brauchte längere Zeit, den weiten
Weg von der Adria zur Nordsee zurückzulegen; die junge preußische Marine
war zwar zur Stelle, aber zu schwach. Sie hatte jedoch inzwischen am
17. März im Norden der Insel Rügen bereits in rühmlichster Weise ihre
Feuertaufe bestanden gelegentlich eines von dem Seekapitän Jachmann aus-R
geführten Angriffs mit der „Nymphe“, der „Arkona“ und einem Kanonenboot,
zusammen 43 Kanonen, auf sieben dänische Schiffe mit 180 Kanonen.
Nach hartem Strauß, in welchem die Preußen vierzehn, die Dänen zweiundzwanzig
Mann verloren, hatte Jachmann sein kleines Geschwader wieder in
den Hafen von Swinemünde zurückgeführt. — Sobald die österreichische Flotte
in der Nordsee angekommen war, nahm sie den Kampf gegen die übermütigen
Dänen auf. Am 9. Mai kam es unfern der Insel Helgoland zwischen zweiösterreichischen
Fregatten „Schwarzenberg“ und „Radetzky“, unterstützt von
drei kleineren preußischen Schiffen („Adler“, „Basilisk“, „Blitz“), und drei
größeren dänischen Schiffen („Heimdal“, „Jylland“, „Niels Juel“) zum
Kampfe. Das war einer der Ehrentage für den österreichischen Seehelden
Tegethoff, der den Dänen tapfer zu Leibe ging. Da aber der „Schwarzenberg“
in Brand geriet, so mußte das verbündete Geschwader den Kampf auf-