Full text : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

—  88  —

hervorpressen.  Die  Stärke  des  Druckes  richtet  sich  ganz  nach  der
Stärke  der  Wehe  und  nach  dem  Grade  der  Spannung  des  Dammes.
Ferner  drückt  die  Hebamme  zuerst  nur  während  der  Wehe.  Wenn
der  Kopf  aber  die  Schamspalte  auch  während  der  Zwischenzeit  sehr
stark  ausdehnt,  so  drückt  sie,  jedoch  mäßiger,  auch  außer  der  Wehe.
Wird  der  Kopf  durch  die  Wehe  mit  großer  Gewalt  vorgetrieben,  so
ist  es  zweckmäßig,  daß  die  Hebamme  zugleich  mit  Zeige=  und
Mittelfinger  der  anderen  über  den  Bauch  hergeführten
Hand  den  zu  stark  vordringenden  Hinterscheitel  unmittelbar
  zurückhält.  Wenn  irgend  möglich,  muß  sie  den  Kopf  so  lange
zurückhalten,  bis  nach  Ablauf  einer  Wehe,  wenn  das  Hinterhaupt
völlig  unter  dem  Schambogen  hervorgetreien  ist,  die  große  Fontanelle
den  vorderen  Nand  des  Dammes  überschritten  hat,  und  vor  allen
Dingen  zu  verhindern  suchen,  daß  der  Kopf  auf  der  Höhe  der  Wehe
und  wenn  der  Damm  am  stärksten  gespannt  ist,  durchbricht.  Fühlt
die  Hebamme,  daß  der  Damm  sich  zurückzieht,  so  folgt  sie  ihm  sorgfältig
  mit  ihrer  Hand  und  läßt  den  Kopf  über  diese  hervortreten.
Auch  nach  der  Geburt  des  Kopfes  muß  der  Druck  gegen  den
Damm  in  mäßiger  Stärke  noch  bis  zum  Durchgange  der
Schultern  fortgesetzt  werden,  da  auch  hierbei  der  Damm  einreißen,
  oder  ein  bereits  entstandener  Riß  vergrößert  werden  kann.
Dies  geschieht  besonders  leicht,  wenn  der  nach  hinten  gelegene  Arm
im  Ellbogengelenke  gebengt  ist.

Vermag  die  Gebärende  aus  irgend  welchem  Grunde  die  Seitenlage
  nicht  gut  einzuhalten,  so  lasse  die  Hebamme  sie  je  nach  der
stärkeren  oder  geringeren  Neigung  des  Beckens  flacher  oder
weniger  flach  auf  dem  Rücken  liegen,  die  Lendenwirbelsäule
durch  ein  unter  das  Kreuz  geschobenes  Rollkissen  etwas  gestreckt,  so
daß  die  Mündung  der  Schamspalte  gerade  nach  vorn  sieht  und  die
Dammgegend  frei  liegt.  Die  Schenkel  seien  etwas  im  Knie  gebogen
und  nur  mäßig  von  einander  gespreizt.  Den  Damm  unterstütze  die
Hebamme  dann  in  der  Weise,  daß  sie,  zur  Seite  sitzend,  die  Hand
flach  über  den  Damm  legt,  so  daß  die  Finger  über  den  Aster  hingestreckt
  sind,  der  Ballen  aber  auf  den  vorderen  Rand  des  Dammes
zu  liegen  kommt.