Full text : Das Konstanzer Bekenntnis für den Reichstag zu Augsburg 1530.

254  Johannes  Ficker:

der  väterliche  Freund  ist  schon  frühe  von  grossem  Einflusse  auf
ihn,  wie  auch  auf  Joh.  Zwick.  Dieser  sah  Basel  als  seine  zweite  Heimat
  an;  hier  war  er,  wie  er  sagt,  des  Herrn  Gefangener  geworden,
hatte  des  Ewigen  Ratschluss  erkannt').  Luthers  Schriften  hatten
auch  ihm  den  Weg  gezeigt.  Aber  auch  er  sucht  und  gewinnt  Fühlung,
  bald  auch  persönliche  Bekanntschaft  mit  Zwingli,  und  Wanner
stand  schon  von  seiner  Zürcher  Mission  her,  zu  der  ihn  der  Bischof
mit  abgeordnet  hatte,  in  freundschaftlichem  Verkehre  mit  dem  Reformator.
  Mit  seiner  zwingenden  Klarheit  hatte  dieser  ihm  in  der
Auseinandersetzung  mit  der  bischöflichen  Gesandtschaft  die  volle
Entscheidung  gebracht  und  Zwingli  hielt  die  persönliche  Berührung
in  schriftlicher  Verknüpfung  fest.  So  trat  die  Schweiz,  Zürich  und
Basel,  in  diesen  Männern  zu  Wittenberg,  und  bald  erfolgte  auch
die  persönliche  Verbindung  mit  Strassburg,  die  für  den  Humanismus
schon  in  Botzhein,  dem  Schüler  Wimpfelings,  bestand.  Joh.  Zwick
war  hier  1524  und  es  entspann  sich  daraus  briefliche  Verbindung,
die  sich  auch  auf  A.  Blaurer  ausdehnte?),  Capito  schlug  in  seiner
gefühlvollen  persönlichen  Art  sogleich  den  Ton  intimer  Mitteilsamkeit
  an,  der  bald  durch  das  ganze  Verhältnis  der  Strassburger  und
Konstanzer  hindurch  klingt.

Es  war  selbstverständlich,  dass  die  Zürcher  Reformation  auf
Konstanz  starken  Einfluss  ausübte.  Die  Verbindungen  zwischen  den
Städten  waren  seit  Alters  sehr  lebhaft  und  mannigfach,  der  Bischof
stammte  aus  altadligem  Geschlechte  der  Zürcher  Landschaft,  der
Humanismus  knüpfte  überall  seine  Fäden  und  bald  führte  die  gemeinsame
  Gegnerschaft,  das  Wachsen  der  Bewegung  zu  immer
engerer  Verbindung?).  Zwingli,  schon  vorher  von  Vielen  gekannt
und  gefeiert,  machte  mit  der  Sicherheit  und  Energie  seines  Auftretens
  im  Fastenstreite  grosses  Aufsehen  auch  hier  und  der  Eindruck
  der  ersten  Zürcher  Disputation  war  in  Konstanz  ein  entscheidender.
  Wie  dort  Wanner,  so  gewann  die  Reformation  jetzt  den
Hofmeister  und  den  Kanzler  des  Bischofs,  in  letzterem  —  Joachim
Maler  —  die  Stadt  noch  dazu  einen  geschickten  und  sehr  thätigen

1)  J.  Zwick  an  Capito  und  Bucer  7.  März  1536:  Thesaurus  Baumianus.
(Strassburg,  Universitüts-  und  Landesbiblivthek.)

2)  Der  erste  Brief  Blaurers  an  Capito  17.  April  1524:  Thes.  Baum.

3)  Man  vergleiche  nur  die  Korrespondenz  Zwinglis  mit  den  verschiedenen
Konstanzern  (den  Blaurers  u.  Zwicks,  Menlishofer,  Wanner,  Mangolt,  Lopadius).
Auch  Hummelberger.  Menlishofers  Vetter,  gehört  in  gewisser  Weise  hierher.
Vgl.  Kenst,  Jahrbl.  1854,  539  f.