beiträge je nach Bedarf, soweit die eigenen Einnahmen des Reiches
(aus Zöllen, gemeinsamen Steuern, Post und Telegraphie) zur Deckung
der Ausgaben nicht ausreichten, von dem Präsidium ausgeschrieben
werden. Der Reichstag beschloß einjähriges Budget für alle Ausgaben
(mit einstweiliger Ausnahme für das Heer) und für alle Einnahmen,
namentlich auch die etwaigen Ueberschüsse aus Vorjahren und die Matrikularbeiträge
in genau festgesetzter Höhe.
Am 10. April beantragten Lasker und Miquel, in die Verfassung
folgenden Artikel aufzunehmen: „Der Eintritt der süddeutschen
Staaten oder eines derselben in den Bund erfolgt auf den Vorschlag
des Bundespräsidiums im Wege der Gesetzgebung.“ Hierzu bemerkte
der Vorsitzende der Reichskommissarien Graf Bismarck: „er sei der
Meinung, daß der Unterschied zwischen dem Amendement Migquel-Lasker
und dem Texte des Art. 71 so sehr erheblich in der Praxis
nicht ist. Das Amendement behält dem Präsidium — oder wie man
richtiger sagen würde — dem Bundesrat die Initiative vor und im
Bundesrat würde voraussichtlich das Präsidium die Initiative zu nehmen
haben. Das Bundespräsidium würde unzweifelhaft mit dieser Initiative
so lange warten, bis es diejenigen Verhandlungen geführt hat, die in
dem Artikel 71 vorgesehen sind, und es sich durch den Verlauf der
Verhandlungen überzeugt haben würde, daß der Moment eingetreten
sei, wo im Sinne des Amendements vorgegangen werden kann, ohne
daß wegen der Verfrühung eines Momentes, der später doch eintritt,
das Vorgehen mit Zerwürfnissen zwischen den Kontrahenten des Prager
Friedens verbunden sei.“" Wegen des Eintritts des ganzen Großherzogtums
Hessen in den Norddeutschen Bund war schon am 9. in
Folge einer Interpellation verhandelt worden.
Damit war die Vorberatung erledigt. Unter den verschiedenen
Veränderungen, welche der Reichstag an dem Entwurf vornahm, und
der Bundesrat billigte, mögen die erweiterten Kompetenzen der Centralgewalt
hervorgehoben werden, wie die Ausdehnung des Gesetzgel ungsrechts
des Reiches auf das Straf= und Obligationsrecht, die Einräumung des
Rechts an das Reich, auch direkte Steuern zu erheben, die Erweiterung
der Befugnisse des Reiches in Schifffahrtsangelegenheiten u. s. w. Nach
einer andern Seite hin beruht es auf Beschlüssen des konstituierenden
Reichstages, daß im Gegensatze zu dem Entwurfe der Norddeutschen
Bundesverfassung Beamte nicht nur in den Reichstag wählbar sind,
sondern auch zum Eintritt in denselben keines Urlaubs bedürfen. Ebenso
ist durch den konstituierenden Reichstag der Verfassungsgrundsag festgestellt,
daß Mitglieder des Reichstages nicht ohne dessen Zustimmung