Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1895. (86)

I.  Die  Märztage  1848.  245

von  deren  Plänen  und  konnte  so  wenigstens  das  bereits  am
Nachmittag  des  15.  von  einem  Pöbeleinbruch  bedrohte  Schloß
noch  rechtzeitig  schützen.  Am  Gebrauch  der  Waffen  hinderte
der  Gouverneur  General  v.  Pfuel  die  Truppen.  Die  in  der
Nachbarschaft  errichteten  Barrikaden  zu  säubern,  genügten  einige
Schüsse.

Die  Stimmung  war  also  bereits  fieberhaft  erregt,  als
am  16.  März  der  Sieg  der  Revolution  in  Wien  bekannt  wurde.
Die  Unbändigkeit  der  Menge  wuchs.  Sie  im  Zaum  zu  halten,
mußte  schließlich  Militär  aufgeboten  werden.  Da  das  nicht
ohne  Blutvergießen  abging,  stieg  die  Erbitterung  gegen  die
Truppen.  Noch  aber  waren  alle  Besonnenen  und  Gemäßigten
zu  gewinnen  durch  ein  offenes  Wort,  das  jeden  Zweifel  an
der  Ehrlichkeit  der  Absichten  des  Königs  ausschloß  und  kräftiges
Handeln  verbürgte,  wenn  zu  Trägern  des  neuen  Systems  Männer
berufen  wurden,  die  das  Vertrauen  des  Volkes  besaßen.  Auch
das  erkannte  Bodelschwingh.  Schon  am  12.  hatte  er  dem
König  erklärt,  die  neue  Bahn,  die  Preußen  jetzt  gehen  müsse,
wenn  es  sich  selbst  erhalten  und  Deutschland  zum  Stützpunkt
werden  solle,  brauche  frische,  auf  anderen  Wegen  noch  nicht
abgenutzte  Kräfte.  Zur  Durchführung  des  konstitutionellen
Prinzips,  dessen  Anerkennung  er  mit  Hilfe  der  Ereignisse  dem
König  abgerungen  hatte,  meinte  er  in  den  Augen  des  Volkes
nicht  der  rechte  Mann  zu  sein:  sie  müsse  in  eine  Hand  gelegt
werden,  welche  die  öfentliche  Meinung  in  diesem  Punkte  nicht
gegen  sich  habe.  Am  17.  erbat  er  daher  förmlich  seine  Entlassung.
  Gleichzeitig  aber  erfuhr  die  Regierung,  das  am  15.
wie  zur  Probe  im  kleinen  Versuchte  solle  am  18.  im  großen
und  ernstlich  ausgeführt,  mittels  einer  Massendeputation  an
den  König  das  Schloß  genommen  und  die  Erfüllung  aller  Forderungen
  erzwungen  werden.  Die  Revolution  sollte  beginnen.

Was  vernünftigerweise  gefordert  werden  konnte,  war  der
König  ja  bereits  entschlossen,  zu  bewilligen.  Durch  sofortige
Bekanntgebung  dieser  Thatsache  wollte  Bodelschwingh  die  Krone
vor  dem  Schein  eines  auf  sie  ausgeübten  Zwanges  schützen:
vielleicht  war  der  drohende  Sturm  so  abzuwenden.  Dem  stimmte
ein  nächtlicher  Ministerrat  bei.  Sofort  entwarf  Bodelschwingh