Volltext : Leitfaden für das Preußische Jäger- und Förster-Examen.

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aufzufuͤhren;  nicht  weniger  die  Herzoͤge  von  Sachsen  und  Braunschweig,  und  auch
die  Grafen  von  Anhalt  konnten  es  noch  nicht  vergessen,  daß  die  Markgrafschaft
durch  ihre  Vorfahren  erobert  und  beherrscht  worden  war.  Welcher  Umsicht  bedurfte
  es  also  für  den  Stellvertreter  Siegmunds,  so  vielen  Gefahren  auf  einmal
erfolgreich  die  Stirn  zu  bieten.  Glücklicherweise  half  ihm  jedoch  hier  eine  Schwierigkeit
  die  andere  überwinden.  Gerade  die  Widersetzlichkeit  der  zügellosen  Ritterschaft
  erleichterte  die  diplomatische  Ausgleichung  mit  den  Nachbarn.  Es  erschien
als  eine  allen  Fürsten  gemeinsame  Sache,  den  ungesetzlichen  Widerstand  der  Vasallen
  zu  brechen  und  das  heillose  Fehdewesen  in  der  Mark  zu  unterdrücken,  durch
welches  alle  fast  auf  gleiche  Weise  zu  leiden  gehabt  hatten.  So  kam  denn  noch
im  Jahre  1412  ein  Bündniß  mit  dem  Erzbischof  von  Magdeburg  und  dem  Herzoge
  von  Sachsen,  dem  sich  auch  die  braunschweigischen  Herzöge  anschlossen,  zu
Stande,  nach  welchem  man  für  jetzt  alle  Ansprüche  ruhen  ließ  und  sich  zu  gegenseitigem
  Schutz  gegen  jede  Landesstörung  auf  das  Innigste  verband.

Nicht  so  günstig  gestaltete  sich  das  Verhältniß  zu  den  pommerschen  Herzögen.
  Diese  drangen  in  die  Mark  ein,  um  mit  gewafsfneter  Hand  ihren  Ansprüchen
  Geltung  zu  verschaffen.  Nicht  unwahrscheinlich  ist  es,  daß  sich  auch
märkische  Unzufriedene  in  dem  Gefolge  der  feindlichen  Fürsten  befanden,  obgleich
sich  darüber  nichts  Gewisses  sagen  läßt.  Bis  an  einen  langen  Damm,  der  durch
Sumpf  und  Luch  nach  der  Stadt  Cremmen  führt,  drangen  diese  Kriegsschaaren
vor.  Hier  trat  ihnen  Friedrich  mit  seinem  ritterlichen  Gefolge  entgegen,  da  der
Ort  einen  Kampf  auch  gegen  die  Uebermacht  gestattete.  Drei  fränkische  Ritter,
unter  ihnen  ein  Graf  von  Hohenlohe,  verloren  bei  diesem  Zusammentreffen  das
Leben.  Daß  aber  der  Burggraf  eine  Niederlage  dort  erlitten,  wie  gewäöhnlich
erzählt  wird,  dafür  sprechen  die  sonst  erwähnten  Umstände  nicht,  denn  die  Herzöge
  drangen  nicht  weiter  vor.

Friedrich  hatte  nun  das  Schwert  gezogen  und  führte  es  seinem  kriegerischen
  Rufe  gemäß.  Gegen  die  Herzöge  von  Stettin  suchte  er  sich  dadurch  zu
sichern,  daß  er  mit  den  Herzögen  von  Pommern-Wolgast  und  von  Mecklenburg-Stargard
  Bündniß  schloß.  In  der  Mark  jedoch  ging  es  wild  her.  Nicht  nur
der  Erzbischof  von  Magdeburg  war  durch  neue  Verheerungen  seines  Gebietes  zu
blutiger  Rache  gereizt  worden,  sondern  auch  in  der  Mark  selbst  wurden  von
den  übermüthigen  Vasallen  Gewaltthaten  aller  Art  ausgeführt,  und  zwar  sehr
oft  selbst  ohne  die  scheinbare  Berechtigung  einer  ehrlichen  und  offenen  Fehde.
So  wird  z.  B.  erzählt,  daß  ein  Herr  von  Rochow,  als  er  einige  ritterliche  Gäste
auf  seiner  Burg  bewirthete,  diesen  zur  Unterhaltung  einen  Zug  gegen  den  Abt
von  Zinna  veranstaltete,  und  sämmtliches  Vieh  aus  den  Klosterdörfern  forttrieb.

Nun  entschloß  man  sich  zu  wirksameren  Maßregeln.  In  Folge  eines  neuen
Bündnisses  mit  dem  Erzbischof  von  Magdeburg,  welchem  auch  der  Herzog  Rudolph
  von  Sachsen  beitrat,  rüstete  man  gemeinschaftlich  zum  nachdrücklichen
Kampfe  gegen  die  Friedenstörer.  Anleihen  wurden  gemacht;  die  Städte,  welchen
  die  Abstellung  solcher  Frevel  ebenso  sehr  als  den  Fürsten  am  Herzen  liegen