Full text : Die deutsche und die brandenburgisch-preußische Geschichte. Zweiter Teil: Preußisch-deutsche Geschichte bis zum Tode Friedrichs des Großen. (2)

10  Vorgeschichte  der  Mark  Brandenburg.

östlich  vom  Harz  bis  zur  Lausitz,  und  3.  die  Mark  Meißen,  etwa
das  heutige  Königreich  Sachsen  ½).

[Die  Frankenkönige  und  die  Slawen.]  Die
Frankenkönige  taten  so  gut  wie  nichts  für  die  Wiederunterwerfung
  des  Ostens;  ja  Heinrich  IV.  fand  in  den  slawischen
Völkern  sogar  eine  Unterstützung  gegen  die  aufständischen  Sachsen,
mit  denen  er  bekanntlich  harte  Kämpfe  zu  bestehen  hatte.  Andrerseits
  hatte  freilich  der  Versuch  eines  einheimischen  Fürsten,  des
Abodriten  Gottschalk,  ein  großes  christlich-slawisches
Reich  zu  gründen,  keinen  bleibenden  Erfolg:  Gottschalk  wurde  1066
in  der  Kirche  zu  Lenzen  ermordet,  und  nach  ihm  sank  sein  Volk
wieder  ins  Heidentum  zurück.

[König  Lothar  und  die  Ballenstedter.]  Da  war
es  nun  für  diese  Verhältnisse  ein  sehr  wichtiges  Ereignis,  daß
nach  dem  Absterben  der  fränkischen  Linie  (1125)  wieder  ein
sächsischer  Herzog,  der  Supplinburger  Lothar,  den  königlichen
  Thron  bestieg.  Denn  das  hohe  Ansehen,  das  dadurch  Lothar
erhielt,  mußte  auf  die  Slawen  einen  großen  Eindruck  machen.  Dazu
kam  noch,  daß  um  dieselbe  Zeit  das  kräftige  Grafengeschlecht  der
sächsischen  Ballenstedter  oder  Askanier2),  das  zwischen
dem  Harz  und  der  Mulde  ausgebreitete  Güter  besaß,  den  Kampf
gegen  die  östlichen  Nachbarn  mit  dem  besten  Erfolge  wieder  aufnahm.
  Schon  1115  besiegte  Otto  von  Ballenstedt  mit  einer
geringen  Mannschaft  einen  starken  Heerhaufen  der  Wilzen  bei
Köthen,  und  sein  Sohn  und  Nachfolger  Albrecht  der  Bärs)
erhielt  für  seine  Teilnahme  an  dem  Römerzuge  des  Kaeisers
und  für  die  hierbei  geleisteten  Dienste  1134  die  sächsische  Nordmark
  (d.  i.  die  spätere  Altmark),  die  gerade  durch  den  plötzlichen
Tod  des  jungen  Besitzers)  erledigt  war,  als  Lehn.

 

1)  Aus  der  Billingischen  Mark  entwickelte  sich  das  spätere  Herzogtum
  Sachsen  =  Lauenburg.

2)  Auch  Anhaltiner  genannt  nach  ihrem  Schlosse  Anhalt  im  Selketale.
  Der  Name  Askanier  ist  noch  in  Aschersleben  erhalten.

3)  So  genannt  wegen  seiner  Tapferkeit.

4)  Konrad  von  Plötzke.
                        
Die Askanier. 11 II. Die Herrschaft der Askanier 154—|8.0. Lothar von Sachsen 1125—1137. Die Hohenstaufen 1138—1254. Das Interregnum 1256—1273. Könige aus verschiedenen Häufsern 1273—1438. Albrecht der Bär 1134—1168. [Erwerbung der Mark Brandenburg.] Albrecht besaß also außer seinen Allodialgütern 1) zunächst nichts weiter als die auf dem linken Elbufer gelegene Nordmark; er nannte sich damals Markgraf von Soltwedel. Dieses kleine Gebiet wußte er aber durch Tatkraft und Klugheit zu vergrößern, indem er 1. die Priegnitz auf dem rechten Elbufer eroberte und 2. das Havelland mit dem Hauptorte Brandenburg (1150) durch Erbschaft erwarb. Der Hevellerfürst Pribislaw war nämlich zum Christentum übergetreten und hatte, um sein Volk für immer dem Heidentume zu entfremden, seinen Freund Albrecht den Bären zum Erben seines Landes eingesetzt; zwar machte Pribislaws Schwestersohn?) noch einen Versuch, sich Brandenburgs zu bemächtigen, allein die Stadt wurde wieder eingenommen und ging hinfort nicht mehr verloren. Albrecht konnte sich seitdem mit Recht Markgraf von Brandenburg nennen. Es ist bekannt, daß König Konrad III. (1138—1152) dem Markgrafen Albrecht auch das Herzogtum Sachsen zugedacht hatte, daß es jedoch schließlich 1142 dem Welfen Heinrich dem Löwen überlassen wurde. Für die Mark Brandenburg war dieser Verlauf sicherlich ein Glück; denn sie behielt dadurch ihre volle Selbständigkeit. [Ansiedelungen in der Mark.] Albrechts neuer Besitz wuchs rasch und glänzend empor. Er zog Ansiedler, meist Sachsen und Niederländer, herbei, die namentlich den Boden der sumpfigen Niederungen anbauen sollten; er gründete Dörfer und Städte:; er verbreitete deutsches Wesen unter der wendischen Bevölkerung und betrieb die Wiederherstellung der Bistümer Brandenburg und Havelberg, welche die Be-1) Vgl. Teil 1 § 18: Allodien sind Güter, die jemand als unbeschränktes Eigentum besitzt, im Gegensatz zu Lehen, die ihm zur Nutznießung nur bedingungsweise verliehen sind. 2) Jacko ljazko] von Köpenick 1157. 9L 3.