Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

Die  Expeditionen  der  Huxsorpr  -Stiftung.  1041

»Sitzungsberichten«  1890  S.83ff.  erschienenen  Auseinandersetzung
dar:  es  handelte  sich  darum  festzustellen,  woher  für  die  unermessliche
  Fülle  thierischer  Lebewesen  im  Ocean  die  pflanzliche  Nahrung
herkomme,  mit  anderen  Worten,  wie  im  Weltmeer  sich  der  Kreislauf
  der  organischen  Materie  vollziehe.  Hr.  Hensex  war  nun  darauf
aufmerksam  geworden,  Jass  besonders  an  der  Oberfläche  des  Meeres
sich  eine  ungleich  massenhaftere  Bevölkerung  kleinster  Lebensformen
finde,  als  man  früher  sich  vorstellte.  Die  Gesammtheit  dieser  Wesen
  erhielt  von  ilım  den  Namen  des  Halyplanktons  oder  kurz  des
Planktons.  Er  schuf  eine  Methodik,  mit  welcher  das  Plankton  qualitativ
  und  quantitativ  mit  überraschender  Schärfe  bestimmt  werden
kann,  und  hatte  auf  Fahrten  in  der  Ost-  und  Nordsee  derartige  Bestimmungen
  in  überzeugender  Weise  ausgeführt.  So  entstand  in  ihm
die  Vermuthung,  dass  das  Plankton  des  Weltmeeres  das  Räthsel  der
Urnahrung  der  Seethiere  zu  lösen  geeignet  sei,  und  es  galt  nun,
umfassende  Beobachtungen  und  Prüfungen  anzustellen.  Der  Expedition
  wurde  durch  die  Gnade  Seiner  Majestät  des  Königs  ein  Zuschuss
  bis  zur  Höhe  von  70000  Mark  bewilligt,  auch  von  anderen
Seiten  kamen  Beiträge,  so  dass  im  Ganzen  105600  Mark  zur  Verfügung
  standen.  Am  ı15.Juli  1889  verliess  das  Schiff  mit  sechs  Naturforschern
  den  Kieler  Hafen;  am  7.  November  1839  kehrte  es  wieder
zurück,  nachdem  es  15649  Seemeilen  durchlaufen  hatte.  Die  reichen
Ergebnisse,  die  sich  nicht  nur  auf  das  Plankton  beziehen,  werden
mit  Hülfe  der  Stiftung  in  einer  umfangreichen  Publication  veröffentlicht,
  die  noch  nicht  zum  Abschluss  gekommen  ist  und  an  der  sich
eine  grosse  Anzahl  von  Naturforschern  betheiligen.  —  In  den  Jahren
1890-1893  wurden  die  wissenschaftlichen  Reisen  des  Botanikers
Vorxens  an  den  Kilimandjaro,  der  Zoologen  VorLrzkow  nach  Malagaskar,
  Prate  an  die  chilenischen  Küsten,  Verworn  an  das  Rothe
Meer,  Fritsch  nach  Aegypten,  Das  nach  Neu-Pommern  und  Thuızenıus
  nach  Neuseeland,  sowie  die  des  Geologen  MoeERrIckE  in  (die
chilenischen  Anden  und  des  Geographen  Dovr  nach  Südwest-Afrika
unterstützt.

Mit  dieser  Übersicht  über  die  Expeditionen,  welche  im  Auftrage
  der  Akademie  ausgeführt  worden  sind,  schliessen  wir  die  Umschau
  über  den  Kreis  ihrer  wissenschaftlichen  Unternehmungen.  Als
besonders  bedeutsam  muss  hervorgehoben  werden,  dass  die  Akademie
  mit  zwei  Instituten  in  enge  Beziehungen  gesetzt  worden  ist
(s.  oben),  die  nicht  vom  Staate  Preussen,  sondern  vom  Reiche  unter-Geschichte

  der  Akademie.  1.  66