Welchegesetzl. Einrichtungen sind f. d. Erziehung d. Heranwachsenden notwendig? 91
grüßte Unterstützung, aber alles andere haben wir aus Privatmitteln
aufgebracht, die, wie gesagt, sehr beschränkt sind. Trotzdem haben
unsere Mädchen in den sieben Monaten durchschnittlich sechs bis sechzehn
Pfund zugenommen, und es ist nicht etwa träges Fleisch, um das sie
zugenommen haben, sondern sie haben muskulöse Arme bekommen.
Man merkt es an dem herzhaften Zugreifen in der Arbeit, wie sie
kräftig werden. Wie sie sich im Leben bewähren werden, wissen wir
noch nicht, aber wir hoffen das Beste. Ich will aber auch besonders
darauf hinweisen, welcher volkswirtschaftliche Nutzen darin besteht,
daß die als Lehrobjekt erforderliche Arbeit zugleich produktiv ist.
Und wenn alle Ansätze zur Pflichtfortbildungsschule oder zum halben
Dienstjahr, — oder wie man es nennen will, — begrüßt werden, so
möchte ich auch unsere Einrichtung in diesem Rahmen empfehlen. Wir
haben den großen Vorteil auf unserer Seite, daß unsere Schule nicht
viel kostet. Wenn wir die Mädchen nicht auch beköstigen würden,
würde sich die Schule ziemlich allein erhalten können, weil wir große
Einnahmen aus der Garten= und einige aus der Viehwirtschaft und
auch aus der Hauswirtschaft haben. Voraussetzung für unsere guten
Erfolge in jugendpflegerischer Hinsicht ist das, was Fräulein von
Harnack erwähnt hat, daß wir einen Stab von Kräften gehabt
hans die die ganze Aufgabe als jugendpflegerisch im höchsten Sinne
auffassen.
Fräulein Maria Schmitz, Aachen (Verein katholischer deutscher
Lehrerinnen): Sehr geehrte Damen und Herren! Lassen Sie
mich zunächst ein Wort freudiger Zustimmung zu den großen
GJedanken aussprechen, die uns aus dem ersten Vortrage heute
entgegengeklungen sind. Nicht als ob ich jeden einzelnen Satz
unterschreiben wollte; aber den Leitgedanken, daß die Freiheit und
daran anschließend die Freiwilligkeit das wichtigste Prinzip in der
Jugendpflege ist, kann ich voll und ganz unterschreiben, und daher
muß ich wünschen, daß es in der Jugendpflege auch so gründlich wie
möglich zur Geltung komme. Ich moöchte allerdings nicht so weit
gehen, jeglichen Zwang abzulehnen, wie es anscheinend der erste
Redner tut, und zwar aus verschiedenen Gründen.
Alle, die in der Jugendpflege stehen, wissen ja: wir kommen nicht
weiter ohne irgend eine Art Zwang. Wir erfassen sonst diejenigen
nicht, die wir am liebsten erfassen möchten. Man möge mir nicht
antworten: wenn man diese vielen auch hineinzwingt, dann bringt
man sie nicht zur Selbsterziehung und dann erreicht man nichts. Ich
glaube nicht, daß es nur die zwei Gruppen gibt, die uns heute
morgen geschildert worden sind, die eine, die freiwillig sich irgend
einer Pflege überläßt und die auch mitarbeitet, und die andere, die
nur gezwungen wird und nicht mitarbeitet. Ich glaube, es gibt auch
eine ganz große Gruppe von Menschen, die zunächst gezwungen
worden sind und die nachher doch auf die gute Beeinflussung hin
Hand an die Selbsterziehung legen und also doch Nutzen von dieser
Pflege haben. Ich denke ferner an die vielen mehr oder weniger
Minderwertigen, aus denen vielleicht niemals Menschen werden, die