Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1898. (32)

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Achter  Titel.
Konkursglaäubiger.

§.  61.

Die  Konkursforderungen  werden  nach  folgender  Rangordnung,  bei  gleichem
Range  nach  Verhältniß  ihrer  Beträge,  berichtigt:



1.  die  für  das  letzte  Jahr  vor  der  Eröffnung  des  Verfahrens  oder  dem  Ableben
  des  Gemeinschuldners  rückständigen  Forderungen  an  Lohn,  Kostgeld
oder  anderen  Dienstbezügen  der  Personen,  welche  sich  dem  Gemeinschuldner
für  dessen  Haushalt,  Wirthschaftsbetrieb  oder  Erwerbsgeschäft  zur  Leistung
von  Diensten  verdungen  hatten;

2.  die  Forderungen  der  Reichskasse,  der  Staatskassen  und  der  Gemeinden,
sowie  der  Amts-,  Kreis=  und  Provinzialverbände  wegen  öffentlicher  Abgaben,
  welche  im  letzten  Jahre  vor  der  Eröffnung  des  Verfahrens  fällig
geworden  sind  oder  nach  §.  65  als  fällig  gelten;  es  macht  hierbei  keinen
Unterschied,  ob  der  Steuererheber  die  Abgabe  bereits  vorschußweise  zur
Kasse  entrichtet  hat;

3.  die  Forderungen  der  Kirchen  und  Schulen,  der  öffentlichen  Verbände  und

der  öffentlichen,  zur  Annahme  der  Versicherung  verpflichteten  Feuerversicherungsanstalten
  wegen  der  nach  Gesetz  oder  Verfassung  zu  entrichtenden
Abgaben  und  Leistungen  aus  dem  letzten  Jahre  vor  der  Eröffnung  des
Verfahrens;

4.  die  Forderungen  der  Aerzte,  Wundärzte,  Thierärzte,  Apotheker,  Hebammen
und  Krankenpfleger  wegen  Kur-  und  Pflegekosten  aus  dem  letzten  Jahre
vor  der  Eröffnung  des  Verfahrens,  insoweit  der  Betrag  der  Forderungen
den  Betrag  der  taxmäßigen  Gebührnisse  nicht  übersteigt;

5.  die  Forderungen  der  Kinder,  der  Mündel  und  der  Pflegebefohlenen  des

Gemeinschuldners  in  Ansehung  ihres  gesetzlich  der  Verwaltung  desselben
unterworfenen  Vermögens;  das  Vorrecht  steht  ihnen  nicht  zu,  wenn  die
Forderung  nicht  binnen  zwei  Jahren  nach  Beendigung  der  Vermögensverwaltung
  gerichtlich  geltend  gemacht  und  bis  zur  Eröffnung  des  Verfahrens
  verfolgt  worden  ist;

6.  alle  übrigen  Konkursforderungen.

§.  62.

Mit  der  Kapitalsforderung  werden  an  derselben  Stelle  angesetzt:
1.  die  Kosten,  welche  dem  Gläubiger  vor  der  Eröffnung  des  Verfahrens

erwachsen  sind;

2.  die  Vertragsstrafen;
3.  die  bis  zur  Eröffnung  des  Verfahrens  aufgelaufenen  Zinsen.
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