34 Ordnungs= und Sicherheits-Polizei.
4. Von Angehörigen eines Bundesstaates, welche die Aufnahme in den Unterthanen-Verband
eines andern Bundesstaates nachsuchen, kann auch jetzt noch
der Nachweis der Entlassung aus ihrem bisherigen Unterthanen-Verhältniß
verlangt werden.
Ebenso kann auch bei Auswanderungen in einen andern Bundesstaat das
Aufgeben des bisherigen Unterthanen-Verhältnisses an die Ertheilung einer
förmlichen Entlassungs. Urkunde geknüpft werden.
Nordd. Bundesbeschl. v. 4. Juli 1868.
5. Diejenigen, welche in das preußische Unterthanen-Verhältniß aufgenommen
werden wollen, müssen, auch wenn sie einem andern Bundesstaate angehören,
sich Naturalisations-Urkunden erwerben, welche ihnen nur nach
vorheriger Beibringung der Zusicherung der Auswanderungs-Erlaubniß ertheilt
werden. M. R. v. 22. April 1868, M. Bl. S. 150. ·
6. Wenn die Regierung eines andern Bundesstaates von einem Preußen
für die Gewährung seines Aufenthalts einen Heimathsschein verlangt, d. h.
eine Bescheinigung, daß der Verlangende im Besitz der preußischen Unterthanen—
Eigenschaft sich befindet, so ist die Ertheilung einer solchen weder bedeutungslos
noch unzulässig. M. R. v. 31. Jan. 1869, M. Bl. S. 33.
7. Zur Naturalisation der Unterthanen zwischen Preußen und
Baiern ist der Nachweis der Aufnahme in den neuen Staat und die Entlassung
aus dem alten erforderlich. M. R. v. 22. März 1869, M. Bl. S. 69.
8. Ueber die Naturalisation ausländischer jüdischer Glaubensgenossen
haben die Landespolizei-Behörden zu entscheiden.
M. R. v. 7. Febr. 1871, M. Bl. S. 59.
9. Der unfreiwillige Aufenthalt Minorenner im Auslande ändert
in der zeitherigen Staatsangehörigkeit nichts.
M. R. v. 24. April 1867, M. Bl. S. 134.
10. Jede Geburt eines Kindes ist innerhalb einer Woche dem
Standesbeamten des Bezirks, in welchem die Niederkunft stattgefunden
hat, anzuzeigen. 8 17. Ges. 6. Febr. 1875, G. S. S. 23.
Zu dieser Anzeige sind verpflichtet:
1. der eheliche Vater,
2. die bei der Niederkunft zugegen gewesene Hebamme,
3. der dabei zugegen gewesene Arzt,
4. jede andere dabei zugegen gewesene Person,
5. die Mutter, sobald sie dazu im Stande ist.
Jedoch tritt die Verpflichtung der in der vorstehenden Reihefolge später
genannten Personen nur dann ein, wenn ein früher genannter Verpflichteter
nicht vorhanden oder derselbe an der Erstattung der Anzeige behindert ist.
18 das.
Die Anzeige ist mündlich, von den Verpflichteten selbst, oder durch eine
andere aus eigener Wissenschaft unterrichtete Person zu machen.
Bei Geburten, welche sich in öffentlichen Anstalten ereignen, trifft die Verpflichtung
zur Anzeige ausschließlich den Vorsteher der Anstalt. Es genügt eine
schriftliche Anzeige in amtlicher Form. 8 19/20 das.
Wenn ein Kind todt geboren oder in der Geburt verstorben ist, so muß
die Anzeige spätesteus am nächstfolgenden Tage geschehen. 8§ 23 das.
Wer ein neugeborenes Kind findet, ist verpflichtet, hiervon spätestens am
nächstfolgenden Tage Anzeige bei der Ortspolizei-Behörde zu machen. Die letztere
hat die erforderlichen Ermittelungen vorzunehmen und dem Standesbeamten
des Bezirks von deren Ergebniß behufs Eintragung in das Geburtsregister
Anzeige zu machen. 8 24 das.