Contents : Erinnerungen an die Kriegsjahre im Königlich Preußischen Kriegsministerium. Dritter Band. Wehr und Waffen 1914-1918. (3)

188  Erstes  Kapitel

volles  und  verständnisvolles  Auftreten  eine  große  Anzahl  wirklicher
Freunde  in  Deutschland  erworben.

Als  sich  Bulgarien  entschloß,  zur  Verwirklichung  seines  alten
Traumes  einer  Vereinigung  der  alt-bulgarischen  zu  Mazedonien  und
Serbien  gehörenden  Gebiete  mit  dem  Königreich  an  der  Seite  der
Zentralmächte  in  den  Kampf  einzutreten,  war  schon  vor  Mobilisation
des  Heeres,  dem  es  vielfach  an  den  wichtigsten  Hilfsmitteln  zur  Durchführung
  eines  modernen  Krieges  fehlte,  und  dessen  Heeresgerät  durch
die  Balkankriege  stark  zusammengeschmolzen  war,  in  erheblichem  Maße
deutsche  Hilfe  nötig.  Die  Aufrechterhaltung  der  Schlagfertigkeit  erforderte
  diese  auch  weiterhin,  da  Bulgarien  bei  seinem  überwiegend
agrarischen  Charakter  und  der  nur  gering  entwickelten  Industrie  keine
ausreichende  Möglichkeit  zur  Beschaffung  von  Heeresgerät  im  eigenen
Lande  hatte.

Bei  der  ersten  Besprechung  mit  der  bulgarischen  Kommission  beantragte
  Oberst  Gantschew  im  Auftrage  seines  Kriegsministeriums
zunächst  den  dringlichen  Bedarf  an  Infanteriewaffen,  Geschützen,  Munition
  (für  Infanterie,  Feld=  und  Fuß-Artillerie),  optischen  Instrumenten,
Train-,  Monier=  und  Nachrichtengerät,  Kraftfahrzeugen,  Brücken,  Flugzeugen,
  Sanitätsmaterial,  sowie  an  Bekleidungs=  und  Ausrüstungsgegenständen
  für  Mann  und  Pferd.  Schon  der  Wert  dieser  von  uns
in  großzügiger  Weise  berücksichtigten  ersten  bulgarischen  Bestellung  belief
  sich  auf  über  300  Millionen  Mark.  Weitere  erhebliche  Anforderungen
folgten.  Ihr  Umfang  entsprach  nicht  immer  nur  den  unbedingten  Forderungen
  des  Krieges  in  Süd-Mazedonien  und  der  Teilnahme  bulgarischer
  Truppen  an  dem  Feldzuge  gegen  Rumänien,  sondern  häufig
dem  Bestreben  bulgarischer  Dienststellen,  sich  in  jeder  Hinsicht  —  vielleicht
  schon  für  die  Nachkriegszeit  —  reichlich  einzudecken;  auch  andere
Einflüsse  spielten  zuweilen  eine  Rolle.  Der  an  der  Spitze  des  bulgarischen
Kriegsministeriums  stehende  General  Naidenow,  ein  überzeugter  Deutschenfreund,
  der  in  der  bulgarischen  Armee  wegen  seiner  artilleristischen
Kenntnisse  großes  Ansehen  genoß,  bemühte  sich,  die  über  das  Notwendige
  hinausgehenden  Anforderungen  einzuschränken.  Bei  der  Organisation
  des  bulgarischen  Kriegsministeriums,  die  jedem  Departements-Direktor
  eine  große  Selbständigkeit  gab,  war  jedoch  sein  Einfluß  begrenzt.
  Wenn  nun  auch  die  Anforderungen  von  den  deutschen  Dienststellen
  im  Interesse  der  Gesamtkriegsführung  und  der  Finanzen  einer