Full text : Deutsches Kolonialblatt. XI. Jahrgang, 1900. (11)

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es  nicht  vergönnt  ist,  mit  in  den  Krieg  zu  ziehen,  wetteifern  in  den
Werken,  die  dazu  bestimmt  sind,  die  Leiden  des  Krieges  zu  lindern,  für
die  Familien  unserer  Soldaten  zu  sorgen,  unseren  tapferen  Kriegern
dort  draußen  ihre  schwere  Arbeit  zu  erleichtern  und  die  Verwundeten,
die  keinen  sehnlicheren  Wunsch  haben,  als  wieder  in  das  Feld  zu  ziehen,
Hilfe,  Beistand  zu  leisten  und  die  Herstellung  von  ihren  Wunden  zu
ermöglichen.  Eine  Opferfreudigkeit  sonder  gleichen  zieht  durch  das  Land.
Fürsten  und  Volk  ohne  Unterschied,  alt  und  jung,  Frauen  und  Männer
haben  keinen  anderen  Gedanken,  als  sich  werktätig  zu  beteiligen  an  dem
Kriege,  der  ein  Volkskrieg  ist  im  wahrsten  Sinne  des  Wortes,  ein  Volkskrieg,
  an  dem  jeder  für  seinen  Teil  an  der  Stelle,  an  die  er  gestellt  ist,
verantwortungsvoll  teilnimmt,  mit  der  Verantwortung  für  das,  was  auf
dem  Spiele  steht.  Noch  eine  andere  Aufgabe  ist  denjenigen  zugefallen,
die  zu  Hause  geblieben  sind,  Sorge  und  Aufrechterhaltung  des  wirtschaftlichen
  Lebens.  Verständnisvoll  ist  die  Bevölkerung  dem  Rufe  gefolgt,
durch  Selbsthilfe  den  Gefahren  des  Krieges,  die  drohen,  zu  begegnen
und  durch  weise  Selbstbeschränkung  dafür  zu  sorgen,  daß  die  Gefahren
nicht  wachsen.  Die  großartige  Organisation  des  Kredit=  und  Geldwesens,
die  durch  die  Reichsbank  herbeigeführt  worden  ist,  findet  ihren  Gipfelpunkt
  in  der  erfolgreichen  Zeichnung  der  Kriegsanleihe,  die  nicht  weniger
als  4½  Milliarden  Mark  in  die  Kassen  des  Reichs,  geführt  hat.  (Beifall.)
Manch  schwere  wirtschaftliche  Wunde  ist  für  den  einzelnen  geschlagen,
aber  die  Gesamtheit  trägt  auf  starken  Schultern  das  Gebäude  unseres
wirtschaftlichen  Lebens.  (Beifall.)  Alles  dieses  zusammen  bildet  den
Hintergrund,  vor  dem  sich  das  gewaltige  Drama  dieses  Krieges  abspielt.
Nur  vier  Monate  sind  seit  dem  Beginn  des  Krieges  verflossen,  und
welche  Fülle  von  kriegerischen  Ereignissen  hat  sich  in  dieser  kurzen  Spanne
Zeit  zusammengedrängt.  Zu  unseren  Gegnern  hat  sich  das  japanische  Reich
gesellt,  das  für  seinen  Undank  nur  anführen  kann,  Beutegier  nach  den
Wahrzeichen  deutscher  Kultur,  die  wir  in  fernem  Osten  aufgerichtet
haben,  zum  Besten  der  Kultur.  (Beifall.  Sehr  richtig!)  Dagegen  ist  den
treuverbündeten  Reichen  Oesterreich-Ungarn  und  Deutschland  ein
Bundesgenosse  entstanden  in  dem  Osmanischen  Reiche  (Beifall),  das  entschlossen
  ist,  die  Bedrohung  durch  das  englische  Joch  abzuschütteln  in
gleicher  Weise  wie  die  anderen  Länder  mit  moslemitischer  Bevölkerung
und  durch  die  islamitische  Bewegung  die  Grundfesten  der  Kolonialreiche
unserer  Gegner  zu  erschüttern  droht.  In  den  vier  Monaten  haben  wir
ganz  Belgien  besetzt  und  einen  nicht  unbedeutenden  Teil  des  nördlichen
und  östlichen  Frankreichs  auf  der  Linie  Verdun—Lille  bis  zum  Meere.
Starke  Festungen,  die  als  uneinnehmbar  galten,  sind  überwunden  worden,
  Lüttich,  Namur,  Antwerpen  und  Maubeuge.  In  jeder  Feldschlacht
hat  unser  Heer  den  Feind  geschlagen.  Ich  erinnere  nur  an  die  Schlachten
von  Mülhausen,  in  französisch  Lothringen,  im  Osten  bei  Tannenberg
nördlich  der  Masurischen  Seen,  bei  Lodz  und  bei  Lowitsch,  und  alle  diese
Schlachten  haben  bewiesen,  daß  alle  unsere  Truppen,  vom  Ersten  bis
zum  Letzten,  daß  unsere  Linientruppen,  wie  unsere  Reserven,  unsere
Landwehr,  unser  Landsturm,  daß  Kavallerie,  Artillerie,  Pioniere  und
alle  Spezialwaffen  von  dem  gleichen  Geiste  beseelt  sind.  Mehr  als  einmal.
  ist  uns  gesagt  worden,  daß  unsere  Truppen  unter  dem  Gesange
„Deutschland,  Deutschland  über  alles“  die  feindlichen  Stellungen  gestürmt
haben  (Beifall).  Unserem  Heere  steht  ebenbürtig  zur  Seite  unsere  Flotte