801
des raubthiers fährte zu erkunden Schiller Kampf mit
d. Dr.; refl. mit Gen.: nachdem ich mich der sachen
mit fleisz erkundet Luther 3, 4095; mit nach: ich
soll mich nur nach euch erkunden Lessing Nath. 1,5;
dazu: die erkundung des stofflichen und sinnlichen
Keller Sinnged. 6. — erlkundigen (mit Umlaut erkundigen
im 16./17. Jh.), wie erkunden: ein sach gar
eigenlich erkundigen Maaler: der gottlosen ansehlege
wird man erkundigen Weish. Sal. 1, 9 Variante; seiner
unterthanen leben und sitten zu erkundigen Simpl.
, 255; ich hab des orts gelegenheit erkundigt Schiller
Wallenst. Tod 5, 2; refl.: sollen wir uns bei dem erkundigen?
Heyse 20, 379; mit Gen., abhäng. Satze
oder nach, um: da ich aher mich wolte erkündigen
der ursache Ap. Gesch. 23, 28; erkundiget euch, ob
jemand darinnen sei Matth. 10, 11; ch sie sich des
wegs .. erkundiget Simpl. 2, 256; sich meines wollbefndens
zu erkundigen Wieland Ag. 7, 9; er hat
sich angelegentlich nach dir erkundigt; indem ich mich
nun bei ihm um das alterthum erkundigte Goethe
Du W. 6. — Erkundigung, k. Ersorschung und so erlangte
Kunde; explorat#o Maaler:; e. einzichen, erlangen;
die erkundigungen uber ihn lauten gunstig.
— erkünsteln, künstelnd hervorbringen: haben je eine
regimentsverfassung erkunstelt Sturz 1, 42; mit erkunstelter
gleichgultigkeit Schiller 5,12; vach erkunstelten
thränen Rosegger Waldschulm. 307. —
erlüren, neuere Präsensform zu dem Prät. erkor statt
erkiesen (s. d. und küren): viel eitles blendwerk wird
er sich erküren Geibel 1, 222; so will .. ich flucht
und fahrt erkuren 2, 119; wos wieder ein neues Prät.
gebildet ist: worauf sich jeder einen platz erkurte
Heyse 3, 62.
Erlabmen, lahm werden, mhd. erlamen: erlamen
muezen im diu dein Walther 28, 23; erlamete wolfsweichen
Garg. 114; mit erlahmten reglosen bänden
Keller Seldw. 1, 109; frei: die qual erlahme an meinem
stolz= Schiller Ränb. 4, 5; wenn sinn und verstand
. nieht erlahmen muszten an tucke und unvernunft
Heyse Par. 2, 333.— erlangen, langend ergreifen, erreichen,
mhd. erlangen: so mac mich kein trüren erlangen
v Buwenburg 5, 28; ich kann den ast gar
wohl erlangen Adelung: von dort herab kann ihn
mein pfeil erlangen Schiller Tell 4, 3; auch reisend,
laufend erreichen: wir erlangten bald den ort Simpl.
2, 161; die nacht uberflel uns, ehe wir die stadt erlangen
konnten Adelung; zeitlich erreichen: das wir
beide gesund mögen unser alier erlangen Tob. 8, 10;
erreichen, erwerben, in Besitz bekommen: barmherzigkeit
(Spr. Sal. 5, 5), gnade (Judith 3, 9), weisheit (Sir.
1, 6), ehre (4, 14), kreiheit (2. Macc. 2, 23), geleit
(I. Macc. 6, 49), erde (2, 56), jene welt (Lue. 20, 35),
kleinod (1. Cor. 9, 24) u. s. w.; wenn nun eins von
diesen vieren (Temperamenten) die oberhand erlangt
pers. Baumg. 8, 12; das endlich spät erlangte gluck
Goethe Wahlverw. 1, 1; fassung zu erlangen Gaudy
Erz. 181; belft uns gehör erlangen Heyse 20, 75; mit
abjüng. Satz: wirstu erlangen, das gesunde kinder
geboren werden Tob. 6, 22. — Erlaß, m. das Erlassen,
Los-, Frei-, von sich Lassen, nach den verschiedenen Bedeutungen
des Verbums, im 18. Ih. auftretend: erlasz
der sunde, steuern, um erlasz bitten Adelung;-Befehl:
erlasz von der regierung Campe. — ecchisen,
mhd. erlägen, erlän, nachlassen: erlassen, erweiteren
Garg. 197; einen, los, frei lassen: dasz sie mein mude
werden und mich erlassen sollen Goethe Götz 5; mit
Gen.: ich erläze iuch aller arbeit Iwein 1663; das sie
m. Paulum seiner zusege erlieszen Luther Br. 5, 62;
ich habe Sie Ihrer verbindlichkeit erlassen Lessing
Minna 5,5; heutiger Spr. fremd geworden; etwas einem
erlassen, nicht anrechnen oder haben wollen: schuld
(Matth. 18, 27), sunde (Joh. 20, 2), missethat (Mich.
M. Heyne, Deutsches Wörterbuch, 1.
erkundigen erlassen.
802
7, 18), burden, schosz, steuern (1. Macc. 10, 25. 29.
13, 39); was ein . . schicksal ihm noch erlassen hat
Schiller 6, 297; erlassen Sie mir zu sagen, was ich
empfinde; — erst in neuerer Spr. Weisung ergehen
lassen: ein schreiben, einen befchl erlassen Adelung.
— Erlaub, m. Erlaubnis: mit meinem rath und erlaub
Luther Br. 3, 83; mit erlaub zu sagen Voß6, 126.
— erlauben, gestatten, zulassen, mhd. erlouben, auch
erleuden, was mitteldeutsch, namentlich bei Luther
fortlebt und noch bei Opitz sich findet; einem eine
bitte, frage, scherz, zutritt, ausgang; Pilatus erleubet
es Joh. 19, 38; erleude mir das ich hingehe Matth.
8, 21; erleude mir zu reden Ap. Gesch. 21, 39; denen
nur am thor der kirche hinzuknieen ist erlaubt Uhland
287; mit sächl. Subj.: zeit, umstände erlauben es nicht;
sich etwas erlauben: er erlaubte sich manche freiheit;
als Form der Höflichkeit erlauben Sie wir!; erlauden
Sie mir, abzubrechen Heyse 20, 128; auch bei Ankündigung
eines Widerspruchs: erlauben Sie, es war
nicht so; das Part. erlaubt auch auf innere, sittliche
Berechtigung zielend: erlaubte bezichungen zu jemand,
erlaubte freiheiten; scherzend: eine ganz unerlaubte
(ungemein starke) hitze im zimmer. — Erlaubnis, .
das Erlanben, Gestatten, Bewilligung: mit haiszen,
gunst und erloubtnusz des groszen rates D. Städtechr.
4, 161 (von 1398); bepstliche erleubnis Luther v. Ehesachen
1530; nam ich erlaubnus .meinem pfatffen zuzusprechen
Simpl. 1, 277; erlandnis fordern, erlangen;
wer sich eines fremden Gegenstandes bedient oder auch
widerspricht, sagt wohl höflich mit erlaubnis! — erlaucht,
altes umlautloses Part. zu erleuchten; neben
anderen Formen seit dem 14. Ih. das lat. titelhaste
illustris übersetzend: erlucht, irluchtit, erleuchtet, erleucht
Dief.; bis jetzt in feierlicher Rede geblieben:
eine erlauchte gesellschaft; erlauchte thaten Platen
Festges.; verzeiht mir, erlauchte frau Heyse 20, 75;
respect vor so erlauchten herrn 88. Dazu Erlaucht, 1.
(mit salscher Betonung der Vorsilbe), Titel für Reichsgrafen.
vgl. durcblaucht. — erlauern, lauernd erlangen
Stieler; (Dinge) die man erlauern, ersehleichen
musz Heyse 20, 50. — erlaufen, laufend erreichen, mhd.
erloufen: einen zeitigen dieb erlaufet ein hinkender
duttel Henisch; wo er ein gulden damit meinet zu
erlausen Luther deutsch. Catech. 1529; als er den tag
erlaufen hatte gerlanfen war bis Tagesanbruch) Hebel
2, 256. — erlauschen, lauschend wahrnehmen: etwas erlauschen
Stieler; die urtheile der vorübergehenden
.. zu erlauschen Freytag Soll 1, 301. — erläutetn,
lauter, hell machen, mhd. erliutern, in älterer Spr. in
sinnlicher Bed.: (wenn die Luft) erlüntert wird Sebiz 5;
sonst übertragen, wie erflären: erleuteren, zü erkennen
und 26 verston geben Maaler; auch rechtlich: ein
gerichtshandel .. erlenteren implere deta ebd.; eine
sache durch beispicle erlüutern.
Erle, k. der Baum all#us, ahd. erila und elira (aus
letzterer Form eller, s. d.), mhd. erle; urverwandt sind
lat. alnus, altslav. elicha; hobe erl, alta alnus Stieler:
Welsche erl, auch fanlbaum ebd.; erlen die mein vater
pflanzte Matthisson 97. — Zusammensetzungen:
Eelenbach, m. Bach an dem Erlen stehen: die wellen
des erlenbachs ebd. 86. — Erlenbaum, m. Erle. —
Erlenbusch, m. Busch, kleines Gehölz von Erlen. —
Erleufink, m. Zeisig — Eelenholz, n. Holz der Erle.
— Erlenteich, m. Teich an welchem Erlen stehen. —
Erlkönig, w. zuerst bei Herder 8, 155, misverstandene
lbersetzung des dänischen ellerkonge, Elfenkönig; danach
bei Goethe, bei letzterem auch als erlenkönig.
Erleben, bis zu einem gewissen Ziele leben: den
abend den morgen erleben 5. Mos. 28, 67; das höchste
alter, dus funfzigste jahr, die zeit erleben Steinba ch;
im Leben erfahren: freude an einem (Sir. 30, 1), krieg,
aufruhr, teure zeiten; haben nichts guts erlabt Hiob
51
Erlaub — erleben.