Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1900. (34)

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Fransen  aus  Baumwolle,  Wolle  und  Seide  werden  zwar  noch
vielfach  gemacht;  aber  der  Bedarf  ist  zurück=  und  viele  Posamentirer
zur  Anfertigung  von  Schnuren,  Faden,  Ornamenten  2c.  übergegangen.
Man  fertigt  Schnuren  aller  Art,  Kleiderschnuren,  Quadratcordel,
Schnuren  und  Faden  zu  Besätzen,  Seidenschnuren,  Schling=  und  Nähgorl,
  und  die  aus  demselben  hergestellten  Gimpen  (Besatzschnuren)
und  Ornamente,  seidene  Gimpen,  Ornamente  mit  Quasten,  Agraffen,
Besatzartikel  aus  Seidenschnuren  und  Perlen,  besonders  feinere  Besatzartikel
  mit  Glasperlen,  Schmelzperlen,  Seidenschnuren,  Soutache,
Chenille,  seidene  Fransen  2rc.

In  der  Hauptsache  werden  gut  ausgeführte  Waaren  verlangt
und  dafür  auch  entsprechende  Preise  bezahlt.

Die  neuerdings  errichteten  Posamentirschulen  zu  Annaberg,
  Buchholz,  Geyer  und  Scheibenberg  wirken  sehr  segensreich  und
verbreiten  gute  Fachkenntnisse,  so  daß  die  jüngere  Generation  der
Posamentenarbeiter  bedeutend  höheren  Ansprüchen  zu  genügen  vermag,
als  die  ältere.  Ueberhaupt  macht  sich  im  Allgemeinen  unter  den  Arbeitern
  das  Streben  nach  größerer  Ausbildung  bemerkbar.

Beim  Nähen  von  Gorl  und  Soutache  verdienten  die  Arbeiter,
je  nach  Beschaffenheit  der  Arbeit,  1864  wöchentlich  3½  bis  12  M.;
die  Löhne  der  weiblichen  Arbeiter  hatten  sich  schon  im  Jahre  vorher
auf  9  M.  gehoben.  Aber  seit  dieser  Zeit  sind  dieselben  bedeutend
gesunken.  Der  Wochenlohn  des  Arbeiters  betrug  1884  3  bis  4  M.,
der  Arbeiterin  3½  bis  4½  M.,  des  Kindes  1½  M.,  was  allerdings
  nicht  ausschloß,  daß  einzelne  besonders  befähigte  und  fleißige
Arbeiter  selbst  das  Doppelte  verdienten.  Gegenwärtig  hat  sich  ein
gewisser  Normalarbeitslohn  entwickelt;  für  die  Stunde  12  Pf.,  in  der
Hauptarbeitszeit  18  Pf.,  und  bei  guten  und  sauberen  Händen  bis  zu
25  Pf.  Die  Kinder  werden  bis  zu  6  und  4  Jahren  herab  zu  leichten
Arbeiten,  Perlen  anreihen,  anknüpfen,  Fäden  schlingen  u.  s.  w.  verwendet.

Sehr  richtig  bemerkt  in  Bezug  auf  die  Arbeitsverhältnisse  ein
älterer  Bericht  der  Chemnitzer  Handels=  und  Gewerbekammer  (1865):
„Wenn  sich  auch  im  Ganzen  die  Löhne  der  Arbeiter  wieder  um
Einiges  gehoben  haben,  so  ist  doch  die  Lage  eine  gedrückte.  Die  vermehrten
  Ansprüche  der  Gesellen  und  Gehilfen  und  die  leichte  Beweglichkeit
  derselben  lassen  während  einer  flotten  Arbeitsperiode  im
Verein  mit  der  häufig  vorkommenden  Arbeit-Verlassung  ohne  Kündigung
  die  günstige  Zeit  nicht  dauernd  ausnutzen  und  bringen  um  so
fühlbarere  Nachtheile,  als  der  Meister  dem  Fabrikanten  gegenüber  an
den  Arbeitsvertrag  und  die  darin  festgesetzten  Strafen  gebunden  bleibt
und  so  die  den  Verdienst  schmälernden  Verluste  in  der  Regel  allein
zu  tragen  verurtheilt  ist.“