Metadata : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

besuch.  —  Dabei  ist  es  mir  zu  meiner  Freude  stets  ge—
glückt,  mit  einer  Mindestanwendung  von  Disziplinar—
strafen  auszukommen.  Meine  Leute  wußten  sehr  bald,
daß  ihr  Kompaniechef  mehr  darunter  litt,  wenn  er  einen
von  ihnen  bestrafen  mußte,  als  der  Betroffene.  Ich  suchte
sie  bei  ihrem  Ehrgefühl  zu  packen,  und  das  brachte  fast
immer  Erfolg.

Natürlich  ist  mit  dem  bisher  Gesagken  das  Pflicht=  und
Arbeiksgebiek  des  Kompaniechefs  keineswegs  erschöpft.
Er  muß  auch  abseiks  von  allen  Fragen  des  Dienstes,
rein  menschlich  ein  rechker  Vater  seiner  Soldaken  sein.
Er  muß  jeden  einzelnen  genau  kennen  und  wissen,  wo
ihn  der  Schuh  drückk.  Gerade  diese  Seite  des  Offtziersberufes
  hak  mir  die  größte  Freude  gemachk,  und  ihre
Pflege  hat  mir  das  Zutrauen  und  die  Anhänglichkeit
jedes  einzelnen  meiner  Grenadiere  gewonnen.  Mit  allen
ihren  kleinen  und  großen  Sorgen  kamen  sie  zu  mir,  und
in  diesem  sesten  und  ehrlichen  Verkrauen  meiner  Leute
fühlke  ich  mich  froh.  Prächtige,  liebe  deulsche  Jungen
sind  so  durch  meine  Hände  gegangen!  Manch  einen  habe
ich  nachher  im  Kriege  wiedergekroffen  —  manch  einer
ruht  jetzt  in  fremder  Erde,  gekreu  dem  Helmbandspruch
unseres  1.  Bakaillons:  Semper  talis.  —

Trotz  dieser  starken  und  leidenschaftlichen  Hingabe  an
meinen  Dienst  im  r.  Garde-Regiment,  in  dem  ich  auch
meine  beiden  ehemaligen  Adjukanken  und  späteren  Kammerherren,
  den  gewissenhaften  Skülpnagel  und  den  gekreuen
  Behr,  näher  kennen  lernte,  bin  ich  auch  während
dieser  Jahre  nicht  —  oder  nicht  mehr  —  einseikig  Soldat
  gewesen.  Die  Bonner  Anregungen  haben  weiter
gewirkk,  und  die  lebendigen  Fragen  der  Polikik,  des

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