398 Relchsgerichtliche Entscheidungen.
die Auffassung der Commission geben sodann die Verhandlungen
der zweiten Lesung nähere Auskunft. Nachdem
zu § 134 Abs. 3 der Abgeordnete Dr. von Sarwey
erklärt hatte: „Sollte nicht nur der Verwalter oder
ein Gläubiger, sondern auch der Gemeinschuldner die
Forderung bestritten haben, so würde neben dem Proresse
auf Feststellung gegen den Konkurs der frühere Proceß
gegen den Gemeinschuldner fortgesetzt werden können“,
wurde vom Vertreter des Bundesraths diese Auffassung
als richtig bezeichnet und insbesondere noch bemerkt:
„Ferner sei es in gleicher Weise, wie unter der Voraussetzung
des § 132 Abs. 2, zulässig, neben dem Processe
auf Feststellung auch den Proceß gegen den Gemeinschuldner
auf Anerkennung der Forderung oder auf
Verurtheilung des Gemeinschulduers zur Zahlung nach
Aufhebung des Konkurses fortzusetzen. Diese beiden
Processe gegen den Verwalter (bezw. Gläubiger) und
gegen den Gemeinschuldner können vereinigt, aber auch
neben einander verhandelt werden“ (Prot. S. 173).
Mit dieser Auffassung stimmen die Schriftsteller des
Konkursrechts, soweit ersichtlich, durchweg überein, namentlich
auch die vom Berufungsrichter mit Unrecht
für seine Ansicht angezogenen Commentare von Wilmowski
(Anm. 3 Abs. 2 a. E. zu § 132; Anm. 5
Abs. 3 zu § 134) und Petersen und Kleinfeller
(Anm. 3 zu §§ 8—10; Anm. 2 Ziff. 2 zu 88 129—133;
Anm. 1 Ziff. 3 zu g 134 S. 441: „Ein bereits anhängiger
Proceß kann auch gleichzeitig gegen den Gemeinschuldner
und den Verwalter oder einen widersprechenden
Gläubiger aufgenommen werden. In diesem
Falle ist der Gemeinschuldner Streitgenosse des Verwalters
bezw. des widersprechenden Gläubigers").
Das Reichsgericht hat dementsprechend nicht blos
in seinem Urtheil vom 23. Januar 1885 (Entsch. Bd. 13
S. 315) eine Aufnahme des anhängig gewesenen Rechtsstreites
gegen einen widersprechenden Konkursgläubiger