Full text : Sächsisches Realienbuch enthaltend Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte, Physik, Chemie und Mineralogie.

—  63  —  1

Freunde  unterstützt,  fing  er  wieder  eine  eigene  Druckerei  an,  übergab  sie  jedoch  bald
einem  Verwandten.  Der  Erzbischof  nahm  sich  seiner  an  und  sorgte  für  seinen  Lebensunterhalt.
  Drei  Jahre  darauf  ist  Gutenberg  gestorben.

e)  Die  ersten  gedruckten  Bücher  erregten  wegen  ihres  billigen  Preises
großes  Aufsehen.  Anfangs  blieb  die  Druckerei  ein  Geheimnis.  Die  Gesellen
arbeiteten  hinter  Schloß  und  Riegel.  Als  aber  die  Fust-Schöffersche  Druckerei
abbrannte,  stoben  die  Druckergesellen  in  alle  vier  Winde,  und  nach  50  Jahren  fanden
sich  bereits  in  allen  Ländern  Europas  Druckereien.  Nun  konnten  auch  weniger
reiche  Leute  Bücher  kaufen  und  sich  daraus  Wissen  und  Bildung  aneignen.  Den
wichtigsten  Dienst  hat  die  Buchdruckerkunst  der  Reformation  geleistet;  denn  ohne
die  Tat  Gutenbergs  hätte  Luther  sein  Werk  nicht  vollenden  können.

3.  Sonstige  Erfindungen.  Das  Mittelalter  war  sehr  reich  an  Erfindungen
aller  Art.  Während  früher  zur  Bestimmung  der  Zeit  besonders  Sand=  und  Wasseruhren
  in  Gebrauch  waren,  wurden  diese  jetzt  durch  die  neu  erfundenen  Pendeluhren
  verdrängt,  zu  denen  sich  später  auch  noch  die  in  Nürnberg  erfundenen
Taschenuhren  („Nürnberger  Eier")  gesellten.  Im  Braunschweigischen  erfand
Jürgen  das  Spinnrad,  und  an  Stelle  des  aus  gegerbten  Kalbshäuten  bereiteten
Pergaments  trat  das  Baumwollen=  und  Lumpenpapier.  Auch  Orgeln,  Kompasse,
  Sägemühlen  und  Glasspiegel  sind  Erfindungen  des  Mittelalters.

5.  Kolumbus.  1492.

1.  Jugend.  Kolumbus  war  in  der  Nähe  von  Genug  geboren.  Als  Knabe
mußte  er  seinem  Vater  am  Webstuhle  behilflich  sein;  in  den  Freistunden  las  er  begierig
  Reisebeschreibungen  und  ähnliche  Bücher.  Dadurch  erwachte  in  ihm  eine
große  Sehnsucht  nach  fernen  Ländern.  Er  wurde  Seemann,  studierte  fleißig  weiter
und  arbeitete  sich  vom  Matrosen  zum  Kapitän  empor.

2.  Seeweg  nach  Indien.  Die  kostbaren  Erzeugnisse  Indiens  wurden  damals
zu  Lande  durch  Karawanen  herbeigeholt.  Das  war  sehr  beschwerlich.  Man  bemühte
  sich  deshalb,  einen  Seeweg  nach  Indien  zu  entdecken.  Auch  Kolumbus
beschäftigte  sich  mit  diesem  Gedanken.  Er  sagte:  „Da  die  Erde  eine  Kugel  ist  und
Indien  östlich  liegt,  so  muß  man  auch  dorthin  gelangen  können,  wenn  man  immer
westlich  segelt.“

3.  Erste  Reise.  Um  seinen  Plan  auszuführen,  wandte  sich  Kolumbus  zuerst
an  Genua,  dann  an  Venedig,  dann  an  den  Hof  in  Portugal.  Hier  bat  er  um  Schiffe
und  Unterstützung  —  aber  überall  wurde  er  zurückgewiesen.  Endlich  ging  er  nach
Spanien.  Dort  herrschten  damals  Ferdinand  und  Isabella.  Diese  waren  seinen
Plänen  nicht  abgeneigt.  Aber  es  fehlte  an  Geld;  denn  Spanien  war  zu  jener  Zeit
mit  den  Mauren  in  einen  Krieg  verwickelt,  und  erst,  als  dieser  beendet  war,  rüstete
man  ihm  drei  schlecht  gebaute  Schiffe  aus.  Im  August  1492  fuhr  Kolumbus  mit
90  Mann  ab.

Zunächst  ging  es  nach  den  Kanarischen  Inseln  zu.  Das  war  eine  Fahrt  in  bekannten
Gewässern.  Dann  steuerte  man  ins  unbekannte  Meer  hinaus,  wo  bei  dem  günstigen  Winde
die  Schiffe  schnell  dahinglitten.  Allein  die  unveränderliche  Richtung  des  Windes  beängstigte
die  Schiffsleute.  Sie  meinten,  den  Wasserberg  könnte  man  wohl  hinunter,  aber  nicht  wieder
herauffahren.  Kolumbus  beruhigte  sie,  ließ  sie  jeboch  über  die  Größe  des  zurückgelegten  Weges
im  ungewissen.

1492