Nummer 248
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“
brachte am 27. 9. deiie Nachricht von der Vernichtung
eines riesigen englischen Munitionslagers
bei Audruscq (16 km südlich von Dalais).
In einem Briefe des brilischen Parlamentsmitglirdes
King war diese Katastrophe als die
größte Explosion bezelchnet worden, von der
man jemals gehört habe. Wir sind heute in
Die größte
Muniton. Die rechts stehende Abbildung gibt
uns ein hochinteressantes Bild von der furchtbaren
Verwüstung, die unsere Fliegerbomben
hier angerichtet haben. Ein einziges wustes
Trümmerfeld, mit seinen tiefen Kratern einer
Mondlandschaft gleichend, bezeichnet die Stelle
der gewaltigen Katastrophe. Die — Menge Kriegematerials gemacht
gleise, die Rampen, die Ausladestellen sind mit-
—]*°. **—————
————-—“ z-Sffaryebu“t:
der Laoe, wohlgelungene Lichtbildaufnahmen
(rergrößerte Ausschnitte) unserer Flieger zu zeiagen,
die am Tage vor und nach dem erfolgreichen
Angriff ausgenommen wurden. Auf der
linls stehenden Abbildung sehen wir die GEleisanlagen,
die, in mehreren Bogen nach rechis
abzweigend, zu dem noch unbeschädiglen Munilionslager
führen. Die dunklen Siellen an
den Gleissträngen bezeichnen die umfangreichen
Lagerhäuser und Schuppen für die e ngelagerte
Der Welltkrieg.
Der Siegeszug in der Dobrudscha.
Köln, 25. Okt. Die „Köln. Volksztg.“ berichtet,
daß die der Einnahme von Constantza worausgehenden
Kämpfe überaus mörderisch waren.
Das Geschützfeuer hat die stark befestigten
Stellungen des Gegners buchstäblich zermalmt.
Der Schlag, den der Feind durch den Verlust
der Linie Cernavoda-Constantza erlitten hat,
bedeutet einen militärischen Erfolg allerersten
Ranges. Die Lage der rumänischen Armee ist
verzweifelt, ein Rückzug über die Donau gilt
als ausgeschlossen.
Wien, 25. Okt. Das „Neue Wiener Abendblat“
meldet aus Sofia: In Erkenatnis der
Wichtigkeit der Stellungen Rasova-Cobadinu-Tuizla
hatten die Rumänen sie seit dem letzten
Winder mit allen Mittekn moderner Befestigungskunst
ausgebaut. 120 Bataillone waren
zur Verteidigung zusammengeogen worden,
nömlich 50 000 Rumänen, 20 000 Serben, der
Rest Russen. Gegen den heftigsten Widerstand
dieler Truppen wurden die Stellungen in
zweilägigem schwerem Kampfe erobert. Die
Sc#cht begann am 19. Oktober mit einem
wirlungsvollen Artilleriefeuer, das die starken
Angriffe der Infanterie gut vorbereitete. Unseren
Bataillonen getang es zuerst, den linken
mänsschen Flügel zu werfen, worauf die überaus
stark ausgebaute Schlachtstellung bei
Cobadinu am 21. Oktober abends genommen
wurde. Nachdem die Hauptpfeiler der rumänischen
Stellungen gestarmt waren, waren die
übrigen Stellungen, in denen der Feind noch
Widerstand leistete, unhaltbar geworden. Die
Nussen und Rumänen mußten auf der ganzen
Linie den Rückzg antreten, der teilweise in
1 ausartete, worauf die siegreichen Truppen
sosort die Verfolgung aufgenommen haben.
Der Sieg der Verbündeten ist ein vollständiger.
Die Zahl der GEefangenen wälchst
beständig. Sehr große Vorräte an Kriegsmate-Bzal,
das nach der poraussict#chen baldigen
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samt den Schuppen und Lagerhäusern vom Erdboden
verschwunden. Die Trümmer der furchlbaren
Sprengung bedecken weithin auch das
benachbarte Gelände. Der Verlust allein an
Munition wird von King auf 100 Milrionen
Mark geschätzt. Die Einwirkung der Katastrophe
auf alles in der Nähe befindliche menschliche
Leben kann man sich hiernach vorstellen. WTB.
Abgeordneter King ist wegen seiner Geschwätzigleit
vor ein Kriegsgericht gestellt worvollstandigen
Unterbindung der Zufuhr den
Russen und Rumänen seitens Englands und
Frankreichs doppelt wertvoll ist, fiel in die
Hände der Sieger. Besonders groß sind auch
die bluligen Verluste der Gegner. Die Lage der
Niussen und Rumänen in der Dobrudscha ist
verzweifelt. Nur noch die stark befestigte Nord-Nellung
von Badadagh dürfte dem Feinde noch
einiten Halt gewähren.
Die norwegischen Schiffsverluste.
Christiania, 25. Okt. Außer den gestern
gemeideten versenkten Schiffen sind in der letzten
Nacht weitere Nachrichten über die Versenlung
einer Reihe norwegischer Dampfer und
Segelschisse vor der norwegischen Küsle, in der
Nordsee, wie im Eismeer eingelaufen. sodaß
in den leyzten zwei Tagen, soweit vorläufig
bekannt ist, 12 norwegische Schiffe insolge des
Handelskrieges verloren gegangen sund, seil dem
1. Oktober somit 20 Dampfer, deren Schicksal be.
kannt wurde, wozu noch zwei Schiffe kommen,
deren Versenkung im Eismeer zwar verlautet,
aber noch nicht bestätigt ist. Hierru kommt der
Verlust von acht Segelschifsen, von denen zwei,
nämlich „Edma“ (2381 Tonnen, kriegsversichert
für 1780 000 Kronen) und „Fieldli“ (957 Tonnen,
kriegsversichert für 660 000 Kronen) don
deutschen Seestreitkräften in der Nordsee beschlagnahmt
und nach deutschen Häfen ausgebracht
worden sind. Die norwegische Kriegsversicherung,
an der sämtliche norwegische Reeder
beteiligt Lind, erleidet mit diesen Schiffen allein
einen Gesamtverlust von über 15½ Mullionen
Kronen, weshalb sie ihre Prämien wesentlich erhöhen
muhb.
Norwegen und der Krieg zur See.
Christiania, 25. Okt. Geichgeitig mit der
Mar'senversenkung norwegischer Schiffe trifft hier
die Bestätigung der bereits bekanntgewordenen
Nachricht ein, daß England beschlossen hat, die
auf englischen Werften für ausländische #echnung
bestellten Schiffe zurückzuhakten und entweder
an englische Reeder zu verkausen oder
von der Begierung selbst befrachten zu lassen.
Roͤsenielmner Azeiger
Explosion der Wrt.
den. Eben jetzt teifft solgender Bericht der „Times“
über die Verhandlung gegen den leberalen
Abgeordneten negen „Verrats militckrischer
Geheimnisse“ ein: Der öffentliche Ankläger: verlas
einen Brief Kings, in dem zum Schluß Mitteilungen
von der Zerstörung einer großen
werden. %
erklärie, daß tatsächlich etwas Derartiges sich
creignet habe; die Schätzung des angerichteten
Schadens sei aber in dem Briese des Abgeordneten
stark übertrieben. King machte geltend,
daß die Mitteilungen in seun. Vuefdie
Vereinigten Staaten bereits aus Deutschland
erreicht hätten. Der Journalist Raffalovich,
der mit der „Universal Preß Aiociction“.
in Verbindung steht, veröffentlichte binnen 43
Stunden fsast den ganzen Inhalt des Briefes
in den „New Vork Times“. Vier Tage später
Hierzu kommt noch die schlimmere Hiobsbotschaft,
daß Amerika ein Ausfuhrverbot für
Schisfe beabsichtige, was zwar auf eine Anfrage
von „Morgenbladel“ das Auswörtige
Amt nicht bestätigen konnte, aber in Reederkreisen
für sehr möglich gehalten wird, da norwegische
Reedereien für angeblich bis zu 500
Millionen Kronen neue Schiffe im Auslande
bestellt haben, davon der größte Teil gerade
in Amerika und England. Es verfehlen diese
Nachrichten in Verdindung mit den zahlreichen
gegenwärtigen Versenkungen nicht, in heesigen
Schiffahrtskreisen großes Aufsehen zu erregen.
Vestätigen sich diese vorläufig von der Presse
gemeldeten Nachrichten, so ergibt sich für Norwegen
die Notwendigtkeit, in seinem Bezug von
Schiffbaumalerial allein auf Deutschland angewiesen
zu sein, das heißt auf das Land, dem es
auf englischen Druck hin gerade jetzt den Bezug
norwegischer Fischerzeugnisse bis auf gäuiich ungenügende
Mengen zu versagen sucht.
Versenkt. Z
Amsterdam, 25. Oktober. Wie Lloyds
melden, sanken die britischen Dampfer „Cluden“
und „W. Harkeß“. Dem „Temps“ zufolge ist
der englische Dampfer „Momtbassa“ verfsenkt
worden; die Besatzung von 101 Mann und 21
Fahrgasten ist gerettet.
Die Kohlennot in Italien.
Berli n, 25. Okt. IZm italienischen Wintersahrplan
sollen wegen der Kohlenmot 2000 Züge
ausgefallen sein. «
Der Wert von Prebeal.
Bern, 25. Okt. Der Londoner Mitarbeiter
des „Corriere della Sera“ drahtet: Der Paß
von Predeal sei der einzige Zugang, der, wenn
er in den Händen des Feindes wäre, für #iumänien
eine schwere und unmittelbare Gefahr
bedeuten würde. — Bekanntlich ist Predeal
bercit genommen.
Verluste und Zuwachs der franzolieen
Flotte.
Eeuf, 25. Okt. Der Petit Parisien brachte
vor kurrem die Rachrigtt, dab die kranzssiche
Donnerstag, 260. Ottober 7 #
lam der Bericht uber denselben Voriell aus
Dealshland an. Als King dies erfuhr, bot er
olles auf, um die Wirkung seines Vriesen ön
verkleinern. Er schrieb an das Kriegsamt, was
er von der Sache wisse und stellte sich dem
Kriegsamt zur Verfügung. Gemraluler S
ham erklärte als Zeuge, daß einige Wo de ·
vor King seinen Brief schrieb, eine „gabisse
Menge Kriegsmaterial“ in Frankreich vernichtet
morden sei, daß aber die Mitteilungen über den
Wert dieses Materials stark übertrieben seien.
Rassalovich, an den King geschrieben habe, il
geborener Russe, als englischer Untertan natüralistert
und diente in der französischen Armee.
Flotte um fünf neue Großlampsschiffe vermehrt
worden sei. Es handelt sich um die neuen
Großlampfschisfe „France“, „Paris“, „Bretag--ne“.
„Lorraine“, und „Provence’. Verloren
hal die französische Flotte bisher, zugestandenermaßen.
die Schiffe „Bouvet“, „Leon Gambetta“",
„Admiral Charner“, 1 Kanonenbvot, 12 Torpedefahrzeuge
und 7 Untersteboote. Andere Verluste
liegen möglicherweise vor, sind aber nicht
bekannt.
Iuamie Chrom!
Ein schrecklicher Name. Von einer hastigen
Flucht infolg: eines Mißpverständnisses erzählt
die Bibliothek der Unterhaltung und des
Wisse-z6 im socben erschicnenen dritten Bande.
Nach der Schlacht bei Roßbach, wo Friedrich der
Große die Franzosen das Laufen lehrte, lag
der Herzog von Chevrause mit dreieinhalbtausend
Mann zu Fuß und Roß in Heimstedt.
Der Herzog verlangte vom dortigen Postmeister,
ihm nachts um 12 Uhr Pferde vor seine Wohnung
zu schicken; er wollte nach Halberstadt
abreisen, weil er erfahren hatte, daß preubische
Truppen gen Helmstedt marschierten. Der
Postmeister gab einem Fuhrmann Prülse, der
außerhalb der Siadt wohnte, den Auftrag,
den französischen General zu fahren. Schon um
11 Uhr in einer sternlosen Nacht tam Prüsse
ans Tor und klopfte heftig an. J rief
man: .„Qus vive?“ und der Fuhrmann] schrie
luut seinen Namen: „Prüsse“. Niemand öffnet:.
er hörte drinnen unruhiges Lausen und
Nennen, wartete eine Weile, lopfte derber u.
sagte seinen Namen, so er kon# Da siel
ein Aarmschuß, Trommeln und peten
klongen bald von allen Seiten, die Besatzung
machte sick eilends auf und den großten
Teil des Gepäckes liegen. Die Franzosen hatten
den Namen des Fuhrmanrs Prüsse als
Prussiens — Preußen — verstanden. Erst nach
drei Tagen kamen sie zurück. Der
wurde zur Verontwortung —
traflos, weil chm kein böser nachguwei ·
en war. Als der Berzog späler endglltig
Helmstedt verließ, kachte maon seimer An##t
noch lange.
Wetterbericht für Domruto, den 26. Osse##.
Wollig bis trüh, geitmeise Riederschtice.