Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

146.  1611  355

geferlichen  effect  er  allenthalben  in  und  ausser  des  röm.  reichs  April  17.
causirt,  auch  zu  noch  merer  angedeiter  gefahr  anlass  geben.  Und
obwol  der  herr  vater  noch  in  disen  verstrichenen  hochen  festtägen
auf  des  erzherzogen  begern  nach  Brüel  bei  Regenspurz  ein  zusamenkonft
  bewilligt,!  so  ist  doch  dieselb  auf  mein  erinderung  allerhand
suspitionen  [zu  verhietten  mit  harter  mhüe]!  eingestelt  und  an  deren
stat  von  dem  herrn  vater  ain  schreiben,  wie  die  beilag  [fehlt]
vermag,  abgangen,  daraus  E.  L.  die  jetzige  intention  zu  ersehen.“
Soeben  hält  aber  der  Erzherzog,  der  sich  von  Passau  nach  Alt-Oetting
  begeben  hat,  bei  meinem  Vater  so  inständig  an,  dass
dieser  morgen  naclı  Oetting  reisen  will.  Sulz  und  Ram6e  sind  in
Passau,  wo  man  wegen  des  Köniys  Drohschreiben  300  Mann  zur
Verwahrung  von  Stadt  und  Schloss  werben  will.  Aber  man  hat  kein
Geld,  die  Obersten  flüchten  ihre  besten  Sachen  aus  Böhmen.  „Allain  will
man  sich  verlauten  lassen,  weil  I.  kgl.  W.  aus  Ungern  die  passauische
in  Oesterreich  ligende  güeter  angehalten,  dass  man  dieselben,  da  der
könig  solche  nit  wider  relaxirn  und  restituirn  werde,  gedenke  mit
gewalt  zue  holen  und  ledig  zu  machen  [auch  eher  diese  soldatesca,
wan  sie  in  Behem  nach  der  lizencierung  vonn  einander  weren,  wider
de  nouo  zu  samblen,  vnd  diss  hat  Leopoldus  dem  herr  vatter,  dass
er  entlich  resoluirt  sey,  zuentbotten]),!  dieweil  die  passauische
oldatesca  dem  erzherzog  Leopold  geschworen  haben  solle,  wann  si
schon  gar  bezalt  und  abgedankt,  dannoch  ime  erzherzog  Leopolden
noch  darauf  und  darüber  drei  monat  umbsonst  zue  dienen.  [Es
last  sich  gleichwol  der  herr  vatter  verlautten,  dass  er  eben  desshalben
iesto  mehr  vrsach,  hinab  zum  erzherzog  Leopold  zu  raisen  vnd  ihne
ib  hoc  proposito  zu  dinertieren].!  Gestern  abents  haben  sich  des
ıbergemelts  erzherzog  Leopoldi  gesandten,  so  auf  den  bundstag
raisen,  bei  mir  angemeldt  ;  begern  unter  anderm,  dass  der  bund  ihnen
rerwilligen  soll,  drei  fendlein  zu  versicherung  des  stifts  zu  werben,
reiches  ich  für  mein  person  rund  abgeschlagen.  —-  Wie  es  zu  Prag
jeschaffen  und  dass  die  Behaimb  zween,  wie  man  sagt,  schwarztünstler
  in  ketten  zu  verhaft  genommen,  der  ksl.  M.‘  die  schiltwacht
zar  auf  den  gang  bestelt,  aus  des  Hegenmillers  und  Hanniwaldts
deposition  ainen  process  formiern  wellen,  werden  E.  L.  von  dannen
bericht  haben.

Was  nun  den  vorhabenden  churfürstentag  und  was  daselbst
zu  handlen  betrifft,  wissen  E,  L.  selbst,  was  auf  solchen  fal  dem
ehurfürstlichen  collegio  [vnd  dessen  directorio]?  obligt,  [vnd  da

'espectiert  den  Matthiam“  ;  er  beabsichtige,  sich  zu  Leopold  zu  begeben  und
nit  ihm  zu  reden  (Ma,  39/9,  f.  33;  Kopie).  Am  20.  April  wird  wirklich  aus
Passau  berichtet,  dass  nıan  Jen  Herzog  von  Baiern  daselbst  orwarte  (Kundschaft
ws  Passau  vom  20.  April;  Ma.,  694/6,  Kopie);  vgl.  oben  no.  142,  8.  348,
Anm.  1.

!  Eigemhändige  Zusätze  des  Herzogs.

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