Volltext : Preußische Gesetzsammlung. 1913. (104)

1  —  50  —

und  der  Ablaß  als  Geldauelle  benutzt.  Sigismund  berief  1414  ein  Konzil  nach  Konstanz,
wo  die  Kirchenspaltung  beseitigt,  die  Kirche  an  Haupt  und  Gliedern  reformiert  und  über  die
Lehre  des  Johann  Hus  entschieden  werden  sollte  (S.  65).  Dort  wurde  auch  der  Burggraf
Friedrich  von  Nürnberg  mit  der  Mark  Brandenburg  belehnt  (S.  91).

6.  Maximilian.  a)  Der  letzte  Ritter.  Maximilian  (1493—1519)  war  ein  tapferer,
ja  fast  tollkühner  Held.  In  Ulm  bestieg  er  den  höchsten  Kranz  des  über  100  m  hohen  Münsterturms
  und  stellte  sich  mit  dem  einen  Fuß  auf  die  schmale  Eisenstange,  woran  die  Feuerlaterne
hing,  während  er  den  andern  Fuß  übermütig  in  die  Luft  emporhob.  Eine  Messingtafel  bezeichnet
  noch  heute  diese  Stelle.  Ohne  Furcht  ging  er  mit  dem  Spcer  auf  den  Bären  los  und
nahm  den  Kampf  mit  ihm  auf.  Am  liebsten  aber  verfolgte  er  die  flüchtigen  Gemsen  und  erkletterte
  dabei  nicht  selten  die  steilsten  Felsen.  (Martinswand.)  Im  Turnier  war  er  Meister,
und  als  einst  in  Worms  ein  prahlerischer  Franzose  lange  Zeit  keinen  Gegner  finden  konnte,
war  er  der  einzige,  der  den  Kampf  mit  ihm  aufnahm  und  ihn  nach  kurzem  Anlauf  in  den  Sand
warf.  Mit  Maximilian  schließt  das  Mittelalter;  Pulver  und  Blei  verdrängten  Schild  und
Lanze;  die  Turniere  hörten  auf;  eine  neue  Zeit  brach  an.  Er  war  der  letzte  Kaiser,  der
in  den  ritterlichen  Künsten  des  Mittelalters  erzogen  war;  daher  sein  Beiname  „der  letzte
Ritter".

b)  Die  ersten  Posten.  In  früheren  Zeiten,  als  es  noch  keine  Posten  und  Eisenbahnen
  gab,  war  das  Reisen  mit  unzähligen  Schwierigkeiten  verknüpft,  und  wer  eine  größere
Reise  antrat,  nahm  nicht  selten  vorher  das  h.  Abendmahl  und  machte  sein  Testament.  Schon
der  Deutsche  Ritterorden  richtete  im  14.  Jahrhundert  „Briefställe'  und  „Reitposten“  ein.
Reitende  Boten  beförderten  die  Briefe  von  einer  Handelsstadt  zur  anderen.  Nach  Orten
aber,  die  nicht  an  der  Landstraße  lagen,  konnte  man  Briefe  nur  mit  Gelegenheit  oder  durch
eigene  Boten  senden.  Pakete  und  Personen  wurden  durch  Lohnkutschen  befördert.  Da  richtete
Maximilian  durch  den  Grafen  von  Thurn  und  Taxis  1516  die  erste  regelmäßige  Postverbindung
  zwischen  Wien  und  Brüssel  ein.  Seinem  Beispiele  folgten  bald  andere  Reichsländer;
aber  erst  in  der  Mitte  des  17.  Jahrhunderts  fing  man  an,  auch  Personen  durch  die  Post  zu
befördern.  Doch  war  es  lange  Zeit  ein  gewagtes  Unternehmen,  seine  gesunden  Glieder  dem
gebrechlichen  Postwagen  anzuvertrauen.

c)  Landfriede.  Reichskammergericht.  Auf  dem  Reichstage  zu  Worms  wurde
1495  der  „ewige  Landfriede“  gestiftet.  Niemand  sollte,  so  hieß  es  in  der  kaiserlichen  Verkündigung,
  den  anderen  „befehden,  berauben,  fangen,  belagern,  noch  auch  irgend  ein  Schloß,
Dorf,  Hof  oder  Weiler  einnehmen  oder  mit  Brand  oder  in  anderer  Weise  beschädigen.“  Damit
war  der  Fehdelust  der  Ritter  ein  Ende  gemacht;  denn  Acht  und  Bann  drohten  demjenigen,
welcher  auf  eigene  Faust  auszog,  seinen  Feind  zu  überfallen.  Zur  Schlichtung  aller  Streitigkeiten
  wurde  das  Reichskammergericht  eingesetzt,  das  weder  vom  Kaiser  noch  sonst  einem
Landesherrn  abhängig  sein  sollte.  Alle  deutschen  Landstände  freuten  sich  dieser  neuen  Einrichtung;
  die  Schweiz  aber  wollte  sie  nicht  anerkennen  und  riß  sich  1499  ganz  vom  Deutschen
Reiche  los.

d)  Reichsheer.  Reichssteuer.  Um  den  Einfällen  der  Türken  und  Franzosen
wehren  zu  können,  errichtete  Maximilian  ein  Reichsheer,  das  aus  Söldnern  bestand.
(S.  61.)  Zur  Erhaltung  dieses  Heeres  legte  Maximilian  eine  Reichssteuer,  den  sogenannten
„gemeinen  Pfennig“"  auf.  Jeder,  der  über  15  Jahre  alt  war,  mußte  von  je  1000  Gulden  seines
Besitzes  1  Gulden,  von  500  Gulden  einen  halben  Gulden  zahlen  usw.  Mit  der  Einnahme
dieser  Steuer  waren  die  Pfarrer  beauftragt.

3.  Umwandlung  der  Mark  Meißen  in  das  Kurfürstentum
Sachsen.

1.  Die  Wettiner  im  Kampfe  um  ihr  Erbe.  Bei  dem  Bestreben  Kaiser  Adolfs
von  Nassau,  sich  eine  Hausmacht  zu  gründen,  fiel  sein  Blick  auf  die  wettinischen
Länder,  wo  nach  Heinrichs  des  Erlauchten  Tode  schlimme  Familienzwistigkeiten  ausgebrochen
  waren.  Heinrichs  ältester  Sohn,  Albrecht  der  Entartete,  hatte  seine
Gemahlin  Margarete,  eine  Tochter  des  Hohenstaufenkaisers  Friedrichs  II.,  verstoßen
  und  seine  Söhne  Friedrich  den  Freidigen  (d.  h.  den  Tapferen)  und