Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1877. (11)

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tage,  später,  da  mehrere  Kälber  bei  der  Impfung  ungewöhnlich  aufgeregt  und  wild
waren,  24  Stunden  vorher.

Für  die  Anstalt  in  Stuttgart  lieferte  wieder  der  Wirth  in  Wangen  die  Thiere
gruppenweise  zu  3  oder  4  Stück.  Vor  der  Impfung  standen  dieselben  8  Tage  im
Stall  des  Lieferanten  und  sodann  6  Tage  in  der  Anstalt  unter  Beobachtung  durch
den  Thierarzt.  Die  Vergütung  für  jeden  der  Bullen  betrug  zuerst  30  M,  später  mit
Rücksicht  auf  die  hohen  Futterpreise  35  M.

Hinsichtlich  der  für  Cannstatt  erforderlichen  Thiere  bestanden  etwa  dieselben
Verhältnisse  wie  in  Stuttgart.  Lieferant  und  Preise  waren  dieselben  wie  dort.  Um
die  Einschleppung  der  Maul-  und  Klauenseuche  in  die  Anstalt  zu  verhüten,  mußten
die  Thiere  eine  10tägige,  thierärztliche  Beobachtung  im  Stalle  des  Händlers  durchmachen.
Wiederholt  wurden  Thiere,  um  sie  vor  Ansteckung  zu  sichern,  mehrere  Tage  vor  der
Impfung  in  den  Reservestall  der  Anstalt  gebracht.  «

In  Karlsruhe  mußten  aus  den  nachfolgend  unter  „Gesundheitszustand“  angegebenen
Ursachen  und  wegen  der  zahlreicheren  Rekrulenimpfungen  erheblich  mehr  Thiere  beschafft
werden,  als  im  Vorjahre,  so  daß  ein  größerer  Betrag  hierfür  aufgewendet  wurde.

Als  Impfthiere  dienten  hauptsächlich  gröszere  Rinder  männlichen  Geschlechts,  Farren
von  ½  bis  zu  2  Jahren  und  zu  Versuchszwecken  einmal  ein  kräftiges  jüngeres  Kalb.  Vorgegogen
  wurden  Thiere  von  guter  Rasse  und  heller,  weicher  Haut,  da  das  Pigment  dunkelhäutiger
  Thiere  in  die  Lumphe  übergeht  und  diese  unansehnlich  macht.  Der  liefernde  Großmehger
  erhielt  für  das  Thier  35  M  Leihgebühr,  für  ein  Kalb  20  M.  Jedes  Thier  wurde
vor  der  Einstellung  vom  Thierarzt  untersucht  und  sodann  im  Anstaltsstalle  beobachtet.

Von  dem  in  Darmstadt  geübten  Brauche,  nur  weibliche  Thiere  zu  beschaffen,
wurde  im  Berichtsjahre  abgewichen,  weil  man  hoffte,  auf  älteren  männlichen  Thieren
die  Lymphe  von  Thier  zu  Thier  rein  fortpflanzen  zu  können,  und  weil  der  bisherige
Lieferant  in  Folge  der  ungünstigen  Futterverhältnisse  dem  Bedürfniß  nach  älteren  gutgenährten
  Kälbern  anscheinend  nicht  mehr  entsprechen  konnte.  Die  Vergütung  betrug
für  einen  Fasel  (jungen  Bullen)  30  bis  50  M,  für  ein  Kalb  30,  oder,  wenn  von  der
Verwendung  der  Lymphe  abgesehen  werden  mußte,  nur  23  M.  Den  Bezug  der  älteren
Thiere  hatten  theils  Mehzger  und  Viehhändler  vermittelt,  theils  kaufte  das  Institut
solche  und  gab  sie  wieder  an  Metzger  ab.

In  Schwerin  lieferte  ein  Schlächter  die  Impfthiere  wie  früher  gegen  eine  Leihgebühr
  von  je  10  M.

In  Weimar  mußte  für  jedes  Kalb  eine  Leihgebühr  von  etwa  12  M  gegahlt
werden.  Durch  die  Maul=  und  Klauenseuche  war  die  Beschaffung  passender  Kälber  erschwert,
  ein  Kalb  wurde  dem  Lieferanten  mit  45  M  entschädigt,  weil  sich  bei  der
Schlachtung  eine  eitrige  Nabelentzündung  fand.  Mehr  als  3  Thiere  waren  gleichzeitig
nicht  eingestellt.  Die  Dauer  der  Einstellung  überschritt  5  Tage  nicht.  Große  tüchtige
und  ältere  Thiere  waren  1893  selbst  für  eine  höhere  Entschädigung  nicht  zu  erhalten.

In  Bernburg  bereitete  die  Beschaffung  der  Impfthiere  weniger  Schwierigkeiten
als  in  früheren  Jahren.  Wegen  des  bestehenden  Futtermangels  wurden  von  den  Besitzern
  nur  wenige  Thiere  aufgezogen.  Das  hierdurch  eingetretene  große  Angebot  gestattete
die  Auswahl  der  besten  Kälber.  Die  Stallungen  wurden  auf's  sorgfältigste  rein  gehalten,
  zweimal  täglich  wurde  frisches  Lagerstroh  gestreut.

In  Lübeck  wurden  ausgewählte,  sehr  gute,  fette  Kälber  aus  dem  Auftriebe  des
Schlachthauses  ohne  Schwierigkeit  beschafft.  Die  Leihgebühr  betrug  wiederum  4  M
für  das  Kalb.  Wartung,  Pflege  und  Reinlichkeit  waren  dauernd  sorgsam.  In  der
Anstalt  standen  die  Thiere  meist  6,  2  Mal  5  Tage.  Vor  der  ersten  Impfung  war  eine
gründliche  Reinigung  und  Desinfektion  der  Anstaltsräume  vorgenommen  worden.