Full text : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

rechte  Kritik  über  das  Ausmaß  der  ihnen  noch  verblie—
benen  Energie  und  Fähigkeit  nicht  mehr  besaßen.  Man
wollte  da  nicht  rücksichtslos  sein,  den  Bewerbern,  die  sich
in  patriotischer  Treue  so  willig  zur  Verfügung  stellken,
einen  Wirkungskreis,  „in  dem  sie  nichts  verderben  konn—
ten“,  nicht  versagen;  man  wollte  auch  frischere  Kräfte
freikriegen  für  „draußen“  und  griff  zu.  Das  alles  konnte
gelten,  solange  man  mit  einem  kurzen  Kriege  und  wäh—
rend  dieses  kurzen  Krieges  mit  einer  Stabilität  der  inne—
ren  Verhältnisse  des  Reiches  auf  dem  Stande  von  1914
rechnen  konnte  —  und  hätte  mit  unbedingter  Energie
nach  neuen  Gesichtspunkten  gewandelt  werden  müssen,
als  sich  die  Kriegsdauer  auch  schätzungsweise  nicht  mehr
absehen  ließ,  als  man  die  Möglichkeiten  neuer  oder
wiederauftauchender  Einflüsse  zersetzender  Ark  auf  die
anfangs  so  beruhigend  einheitliche  Stimmung  in  den  Bereich
  vorforglicher  Erwägungen  ziehen  mußke.  Zu  einer
solchen,  den  neuen  Verhälknissen  angepaßken,  durchgreifenden
  Umstellung  ist  es  leider  nie  gekommen.  Wer  einmal
  auf  einem  der  stellverkrekenden  Heimakposten  saß,
der  blieb.  Wurde  da  oder  dork  aber  ein  Posten  frei  —
durch  Tod  oder  weil's  wirklich  nicht  mehr  ging  —  dann
fand  der  Ausgeschiedene  seinen  Nachfolger  aus  den  Reihen
  jener,  die  im  Fronkdienst  versagk  haften  oder  wegen
Kränklichkeit,  Verwundungen  u.  s.  w.  „nur  noch  zum
Heimakdienste“  verwendek  werden  sollten.

„Ein  Heimatposten!  Was  kann  der  Mann  da  viel
schaden?“  #

Der  Mann,  der  keiner  mehr  gewesen  ist  —  diese  verbrauchte
  Energie,  die  den  Krieg  draußen  entweder  garnicht
  kannke  oder  die,  wenn  sie  von  draußen  kam,  ver-236