120 26. Italienische Auswanderung nach Deutschland.
getreten. Deshalb seien unumgänglich, unfre materiellen Machtmittel zur
Sicherung des Friedens zu wahren.
An den weiteren Kommissionsberatungen beteiligte sich der Staatssekretär des
Auswärtigen nicht mehr.
26. Italienische Auswanderung nach Deutschland.
Sitzung des Reichstages vom 11. Juni 1900.
Bei der Verhandlung über die Interpellation der Abgeordneten Albrecht und
Genossen wegen bundesstaatlicher Bestimmungen über den Kontraktbruch ländlicher
Arbeiter wird zum Beweise der unzureichenden Bezahlung der Landarbeiter angeführt,
daß in Italien ausdrücklich vor der Auswanderung nach Deutschland gewarnt worden
ist. Dazu bemerkt
Staatssekretär Graf von Bülowij:
Meine Herren, es ist im Laufe der Diskussion eine italienische
Publikation zur Sprache gebracht worden, welche vor der Auswanderung
nach Deutschland warnt. Ich möchte zunächst konstatieren, daß es sich
nicht um einen amtlichen Erlaß, nicht um ein amtliches Zirkular handelt,
sondern um eine Notiz, die in einer italienischen Zeitschrift erschienen ist,
die etwa den Charakter trägt der bei uns im Reichsamt des Innern
erscheinenden „Nachrichten für Handel und Industric“.
Eine Reihe fremder Staaten legt das Bestreben an den Tag, ihre
Arbeiter abzuhalten, nach Ländern auszuwandern, wo sie lohnendere
Arbeitsbedingungen finden. Zu den Mitteln, die Answanderung zu verhindern,
gehört auch, Nachrichten einzuziehen über Arbeits= und Lebensverhältnisse
in den fremden Ländern und solche Nachrichten, wenn sie
ungünstig lauten, der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. In dem vorliegenden
Falle ist die italienische Regierung von ihrem Agenten offenbar
irrtümlich informiert worden.
(Zurufe von den Sozialdemokraten.)
Ich habe nicht unterlassen, diesen falschen Behanptungen in geeigneter
Weise entgegenzutreten, und bin nach Möglichkeit bemüht gewesen, derartige
irrige Vorstellungen zu beseitigen.
(Bravo! rechts. Zurufe bei den Sozialdemokraten.)
1) Sten. Ber. d. R.-T., 10. Leg.--Per., I. Session, 208. Sitzung, S. 5984.