Auf dem Wilhelm-Gymnasium und Grauen Kloster 11
Gymnasium hingezogen fühlte und dem er lebenslang mit treuer
Dankbarkeit ergeben geblieben ist. Dieser treffliche Mann hat
seinen alten Schüler mit den in ihrer Schlichtheit so eindrucksvollen
Worten also geschildert: „Meine Aufmerksamkeit zog
Bismarck schon am Tage seiner Einfuͤhrung auf sich, bei welcher
Gelegenheit die neu Aufgenommenen im Schulsale auf mehreren
Bänken hintereinanden saßen, so daß die Lehrer während der
Einleitungsfeier Gelegenheit hatten, die Neuen mit vorahnender
Prüfung durchzumustern. Otto von Bismarck saß mit sichtlicher
Spannung, klarem, freundlichem Knabengesicht und hell leuchtenden
Augen, frisch und munter unter seinen Kameraden, so
daß ich bei mir dachte: das ist ja ein nettes Jungchen, den will
ich besonders ins Auge fassen. Er wurde zuerst mein Schüler
im Lateinischen, als er nach Obertertia kam. 1829 wurde ich
ans Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster versetzt, an
das Bismarck im folgenden Jahre überging. Ostern 1831 kam
er als Pensionär in mein Haus, wo er sich freundlich und anspruchslos
in meiner einfachen Häuslichkeit und durchaus zutraulich
bewegte. Er zeigte sich in jeder Beziehung liebenswürdig.
Er ging des Abends fast niemals aus; wenn ich zu
dieser Zeit zuweilen nicht zu Hause war, so unterhielt er sich
freundlich und harmlos plaudernd mit meiner Frau und verriet
eine starke Neigung zu gemütlicher Häuslichkeit.“ So lebte
Bismarck in der Erinnerung eines der besten seiner Lehrer fort.
Den meisten Mitschülern, das wissen wir von einem Schulgenossen
(Moritz von Blanckenburg), erschien er als ein „rätselhafter
Mensch“. Arbeiten sah man ihn nie. Wenn die andern
büffelten, ging er spazieren. Trotzdem war er einer der Bestbeschlagenen
in der Klasse.
Wie in dem Plamannschen Institut hatte er auch auf dem
Grauen Kloster unter dem Adelshasse einzelner Lehrer zu leiden,
der sich in einem großen Teile des gebildeten Bürgerstandes
aus den Zeiten vor 1806 erhalten hatte, da der Adel das
Offtzierkorps fast allein gestellt hatte. Der Knabe ertrug das
geduldig. Die angriffssüchtige Stimmung, die unter Umständen
in bürgerlichen Kreisen zum Vorschein kam, hat ihn niemals