Der Kaiser in Jerusalem. 19
mit ihnen, der Beweis, daß wir untereinander einig sind,
darauf kommt es an.
„Es ist jetzt eine Art Examen, das wir abzulegen haben
für unseren protestantischen Glauben. Wir müssen ihnen
durch die Tat den Beweis geben, was Christentum ist. Nur
dadurch können sie ein Interesse für unsere Religion und
das christliche Bekenntnis gewinnen.“
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Am Reformationsfest, dem 31. Oktober, wurde die Erlöserkirche,
die der Kaiser auf dem alten Muristaanplatze
neben der Grabeskirche gebaut, und zu deren Einweihung
er die Reise unternommen hatte, eingeweiht. Prächtig erhob
sich, aus den blendend weißen, marmorähnlichen Steinen
Palästinas erbaut, der auf den Grundmauern der alten
Johanniterkirche errichtete Bau mit seinem ragenden Turm.
Auch das Innere stimmte mit seiner schönen Verbindung
von Einfachheit und edler Kunst unwillkürlich zur Andacht.
Es war eine wunderbar gemischte Gemeinde, die sich hier
am Gedenktage des weltgeschichtlichen Thesenanschlages Luthers
in Jerusalem zusammengefunden hatte, so merkwürdig zusammengesetzt,
wie gewiß noch nie eine Gemeinde seit der
Reformation. Abgesandte aus allen evangelischen Kirchen
der Welt fesselten gleich beim Eintritt in die Kirche den
Blick. Neben den zahlreichen Generalsuperintendenten und
Prälaten aus Deutschland sah man die Vertreter der Kirchen
von England, Schweden, Norwegen, Holland, Ungarn, Italien,
Amerika, Südafrika, Agypten, worunter besonders die Gestalten
in der Bischofstracht ins Auge fielen. Daneben sah
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