Full text : Unser Kaiser.

Der  Kaiser  in  Jerusalem.  21

kraft  für  eine  einigende  Gewalt  über  die  Gemüter  hat,  das
konnte  man  hier  einmal  sehen.  Die  aus  vier  Wekltteilen
zusammengekommene  Gemeinde  vergaß  hier  alles  Trennende
und  sang  das  Lied  mit  gleicher  Begeisterung  vom  ersten
bis  zum  letzten  Vers.  Nur  der  sogenannte  Weltkongreß
der  christlichen  Kirchen  in  Stockholm  suchte  siebenundzwanzig
Jahre  später  diesen  Höhepunkt  nachzuahmen,  wiewohl  hier
die  unbefangene  Stimmung  von  Jerusalem  nicht  mehr  da
war.

Nach  diesem  Gesang  betrat  der  Ortopfarrer  Propst  Hoppe
die  Kanzel  und  hielt  die  Predigt  über  das  Wort:  „Eo  ist
Ein  Gott  und  Ein  Mittler  zwischen  Gott  und  den  Menschen,
nämlich  der  Mensch  Christus  Jesus,  der  sich  selbst  gegeben
hat  für  alle  zur  Erlösung.“  Die  Predigt  führte  die  Festpilger
  auf  die  Höhe  der  einzigartigen  Stunde,  die  sie  hier
in  der  Geburtsstadt  der  christlichen  Kirche  feiern  durften.

Aber  alles  zusammen,  die  vielen  liturgischen  Einlagen,  Gemeindegesänge
  und  Chöre,  die  Reden  der  verschiedenen  birchlichen
  Würdenträger,  die  lange  Anfangs=  und  Schlußliturgie,
hatte  zu  lange  gedauert.  Es  herrschte  unter  der  Glut  der
Oktobersonne  eine  schier  unerträgliche  Hitze.  Darum  war
doch  bei  allem  Erhebenden  schließlich  jedermann  froh,  als
der  Schlusßgesang  „Nun  danket  alle  Gott“  kam.  Schon
wandte  sich  ein  Teil  der  Gemeinde  dem  Ausgang  zu.  Da
entstand  plötzlich  eine  allgemeine  Bewegung.  Aller  Augen
richteten  sich  zum  Altar.  Etwas  ganz  Unerwartetes  geschah.
Der  Kaiser,  der  sich  nach  dem  Programm  in  die  nebenan
liegende  Kapelle  begeben  sollte,  um  Vorstellungen  entgegenzunehmen,
  hatte  sich  von  seinem  Mlatz  erhoben,  richtete  sich