Full text : Unser Kaiser.

22  Unser  Kaiser.

hoch  auf  und  ging  mit  festen  Schritten  die  Stufen  hinan
bis  zum  Altar.  Tief  beugte  er  sich  dort  herab  zu  stillem
Gebet.  Dann  wandte  er  der  Gemeinde  sein  Antlitz  zu.
Es  war  ein  herrlicher,  unvergeßlicher  Anblick.  Droben  stand
die  ritterliche  Erscheinung  des  Kaisers,  die  Brust  vom  goldenen
Küraß  umpanzert,  eine  leuchtende  Siegfriedsgestalt,  um  vor
Gottes  Angesicht  und  vor  der  ganzen  Welt  ein  Bekenntnis
unverbrüchlichen  Festhaltens  am  Glauben  der  Reformation
abzulegen.  Langsam  und  feierlich,  mit  nachdrücklicher  Betonung
  jedes  Wortes  hallte  die  blangvolle  Stimme  des
Kaisers  durch  die  ganze  Kirche,  als  er  begann:

„Gott  hat  in  Gnaden  uns  verliehen,  daß  wir  in  dieser
allen  Christen  heiligen  Stadt  an  einer  durch  ritterliche  Liebesarbeit
  geweihten  Stätte  das  dem  Erlöser  der  Welt  zu  Ehren
errichtete  Gotteshaus  haben  weihen  können.  Was  meine
in  Gott  ruhenden  Vorfahren  seit  mehr  als  einem  halben
Jahrhundert  ersehnt,  und  als  Förderer  und  Beschützer  der
hier  im  evangelischen  Sinne  gegründeten  Liebeswerke  erstrebt
haben,  das  hat  durch  die  Erbauung  und  Einweihung  der
Erlöserkirche  Erfüllung  gefunden.  Mit  der  werbenden  Kraft
dienender  Liebe  sollen  hier  die  Herzen  zu  dem  geführt  werden,
in  dem  allein  das  geängstigte  Menschenherz  Heil,  Ruhe
und  Frieden  findet  für  Zeit  und  Ewigkeit.  Mit  fürbittender
Teilnahme  begleitet  die  evangelische  Christenheit  weit  über
Deutschlands  Grenzen  hinaus  unsere  Feier.  Die  Abgesandten
der  evangelischen  Kirchengemeinschaften  und  zahlreiche  evangelische
  Glaubensgenossen  aus  aller  Welt  sind  mit  uns  hierhergekommen,
  um  persönlich  Zeugen  zu  sein  der  Vollendung  des
Glaubens=  und  Liebeswerkes,  durch  welches  der  Name