Full text : Deutschlands Schuld am Weltkriege.

Verarbeitung  der  einzelnen  Gesandtenberichte  alle  mehr  subjektiven  Auffassungen
ausgemerzt,  alle  ihm  zu  scharf  scheinenden  Ausdrücke  gemildert  hat,  wie  aus  dem
Vergleich  der  Rundschreiben  mit  den  Originalberichten  festgestellt  werden  kann.
So  kann  man  diese  Rundschreiben  in  der  Tat  als  vollkommen  objektive,  unparteiische
Darstellungen  ansehen.

Aus  dem  Inhalt  sei  besonders  hervorgehoben:  der  Zweibund,  der  Burenkrieg
und  der  englisch-deutsche  Gegensatz,  die  Einwirkungen  des  russisch-japanischen
Krieges,  die  Marokkokrisis  und  die  Einkreisungspolitik  Eduards  VII.,  die  bosnische
Krisis,  Agadir  und  Albanien,  schließlich  die  Kriegstreibereien  und  Kriegsrüstungen
in  den  letzten  Jahren  vor  Ausbruch  des  Weltkrieges.

gecer  Band  besteht  aus  einem  zusammenfassenden  Überblick  in  deutscher  und
den  Originaldokumenten  in  französischer  Sprache,  Sie  wurden  in  dem  belgischen
Staatsarchive  in  Brüssel  während  des  Krieges  gefunden,  die  belgische  Regierung  hat
vergeblichen,  aber  verständlichen  Einspruch  gegen  die  Veröffentlichung  erhoben.
Bringen  sie  doch  sehr  eigenartige  Illustrationen  zu  den  Behauptungen  der  heutigen
Verbündeten  Belgiens  von  der  Alleinschuld  Deutschlands  am  Kriege.  Es  ist  bezeichnend,
  daß  die  Entente  die  Gründe  für  ihre  Anschuldigungen  fast  ausschließlich  den
Ereignissen  der  letzten  Wochen  vor  Kriegsausbruch  entnimmt.  Man  muß  aber,  wenn
man  die  Schuldfrage  entscheiden  will,  die  Ereignisse  der  ganzen  letzten  Jahre,  ja  Jahrzehnte
  in  Betracht  ziehen,  die  gesamte  gewitterschwangere  Atmosphäre,  die  iiber  Europa
lagerte  und  nur  eines  Funkens  bedurfte,  um  das  Wetter  losbrechen  zu  machen.  Und
wie  ein  roter  Faden  zieht  sich  durch  diese  lange  Reihe  belgischer  Dokumente,  aus  denen
wir  ein  paar  besonders  markante  Urteile  aus  den  letzten  Wochen  vor  dem  Kriege  vor
einiger  Zelt  in  diesem  Blatte  anführten,  die  immer  wiederkehrende  Anerkennung  des
ehrlichen  Friedenswillens,  wenn  auch  nicht  so  oft  der  Geschicklichkeit  der  deutschen
Politik,  und  andererseits  der  großen  Kriegsgefahr,  welche  das  Bestehen  des  Zweibundes
und  der  Tripleentente  für  Europa  mit  sich  brachte.  Denn  Deutschland  sei  mit  der
Landkarte  von  Eurapa  zufrieden,  und  seine  Arbeitsamkeit  und  seine  Bevölkerungszunahme
  ließe  ihm  bei  ruhigem  Zuwarten  von  selbst  die  Frucht  einer  bevorzugten
Stellung  in  Europa  und  in  der  Welt  in  den  Schoß  fallen,  während  Frankreich  wie  Rußland
  die  Karte  Europas  zu  verändern  wünschten,  und  England  mit  Neid  auf  die  deutsche
Konkurrenz  blickte  und  sie  zu  unterdrücken  trachtete,  Es  gibt  keine  glänzendere
Verteidigung  des  ehrlichen  Willens  der  deutschen  Politik  und  insbesondere  des  deutschen
  Kaisers  als  diese  belgischen  Dokumente.  Es  wäre  ihnen  daher  die  weiteste  Verbreitung
  zu  wünschen.  Aber  in  den  Feindbundstaaten  werden  sie  begreiflicherweise
totgeschwiegen,  und  auch  in  Deutschland  sind  sie  leider  viel  zu  wenıg  bekannt.
Sie  bilden  ein  glänzendes  Rüstzeug  zur  Abwehr  der  Anschuldigungen  unserer
Feinde.

Allerdings  ist  nicht  ein  jeder  in  der  Lage,  sich  das  fünfbändige  Werk  anzuschaffen
und  die  französischen  Dokumente  zu  studieren  und  selbst  auszuwerten.  Deshalb  ist
es  mit  großer  Freude  zu  begrüßen,  daß  Oberst  Schwertfeger  in  diesen  Tagen  bei  der
Deutschen  Verlagsgesellschaft  für  Politik  und  Geschichte  m.  b.  H.  in  Berlin  ein  neues
Werk  erscheinen  läßt  unter  dem  Titel:  „Der  Fehlspruch  von  Versailles‘,  in  welchem
er  sich  selbst  dieser  Auswertung  unterzicht....

Schwertfeger  unternimmt  es  hier,  in  gewissenhafter  historischer  Verarbeitung
des  gesamten  belgischen  Materials  ein  Bild  der  deutschen  Politik  von  1871  bis  zum
Ausbruch  des  Weltkrieges  zu  zeichnen.  Die  belgischen  Dokumente  sind  in  diesem
Buche  verdeutscht,  jedes  Urteil  ist  durch  Hinweis  auf  die  Originaltexte  belegt.  So
entsteht  ein  zuverlässiger  Führer  durch  die  Wirrnisse  der  europäischen  Politik  an  der
Hand  der  ausführlichen  Berichterstattung  der  belgischen  Diplomatie.

Schwertfegers  Buch  besitzt  unwiderlegliche  Bewelskraft,  da  es  sich  auf  die  ncutrale
  Berichterstattung  der  belgischen  Diplomatie  stützt.  Wir  lassen  es  am  besten
für  sich  selbst  zeugen,  indem  wir  einige  der  bedeutsamsten  Stellen  daraus  wiedergeben
(folgen  fünf  Spalten  Zitate).

...Wir  haben  in  diesem  kurzen  Auszuge  nur  ein  flüchtiges  Bild  von  dem  reichen
Inhalt  des  bedeutsamen  Buches  entwerfen  können.  Wir  hoffen,  recht  viele  Leser
dadurch  angeregt  zu  haben,  sich  mit  dem  Buche  selbst  eingehend  zu  beschäftigen,  und
wünschen  mit  dem  Verfasser,  daß  zunächst  einmal  jeder  deutsche  Mann  und  jede  deutsche
  Frau  mit  dieser  Beurteilung  deutscher  Politik  von  neutraler  Seite  sich  vertraut
macht,  um  sich  daraus  selbst  eine  scharfe  Waffe  gegen  unsere  Verleumder  zu  schmieden.

K.D.

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