Full text : Deutschlands Schuld am Weltkriege.

heit  mit  durchsichtiger  Klarheit,  streng  unparteiische  Wahrheitsliebe  und  Objektivität
mit  unwiderleglicher  Beweiskraft  verbindet.  Bei  jeder  Gelegenheit  kommen  die  belgischen
  Berichterstatter  selbst  zu  Wort;  bescheiden  hält  sich  Schwertfeger  im  Hintergrunde,
  abgesehen  von  seiner  vortrefflichen  knappen  Einleitung.  Das  Buch  ist  ein
Denkmal  für  die  ausgezeichnete  bistorische  und  schriftstellerische  Tradition  unseres
Großen  Generalstabes,  dessen  Auflösung  unsere  Feinde  gewiß  ebenso  sehr  um  seines
geistig  erzieherischen  Gehalts  wie  seiner  militärischen  Bedeutung  willen  erzwungen
aben...  Aber  es  ist  noch  sehr  viel  mehr:  es  bietet  zugleich  einen  Abriß  europäischer
Politik  von  der  Reichsgründung  bis  zum  Kriegsausbruch  und  eine  so  einleuchtende,
zwingende  Rechtfertigung  der  deutschen  Friedenspolitik,  wie  wir  sie  nur  wünschen
können.  Diese  wahrhaft  unparteiischen  belgischen  Diplomaten  ...  sind  einig  in  ihrem
Urteil  über  die  unbeirrte,  fast  leidenschaftliche  Friedensliebe  Kaiser  Wilhelms  und  seiner
Regierung.  Sie  verzeichnen  Irrtümer,  sie  tadeln  Fehler  oder  Torheiten,  aber  an  dem
guten  Willen.  der  Deutschen  und  ihrem  heißen  Bemühen  um  den  Frieden  zweifeln  sie
nie.  (Es  folgen  Zitate.)  Immer  von  neuem,  von  Jahrzehnt  zu  Jahrzehnt,  wird  die
friedliche  Tendenz  des  Dreibundes  hervorgehoben,  immer  wieder  in  scharfen  Kontrast
gestellt  zu  den  Revanchebestrebungen  Frankreichs,  der  Ländergier  Rußlands  und
Englands.  Zahllos  sind  die  Außerungen  dieser  französisch  schreibenden  und  denkenden
Belgier  über  die  aggressiven  Ziele  Frankreichs  bel  seinem  Streben  nach  dem  Zweibund,
  seinem  begeisterten  Eingehen  auf  die  ausschließlich  gegen  Deutschland  gerichtete
Ententepolitik  Englands.
...Nichts  ist  wichtiger,  als  allen  Deutschen  immer  von  neuem  die  morschen
Grundmauern  des  Fehlspruches  von  Versailles  zu  weisen,  auf  denen  die  Herren  der
Welt  in  London  eben  ein  Zuchthaus  für  das  deutsche  Volk  errichten  wollen,

Berliner  Tageblatt:

Der  Verfasser  beweist,  daB  der  Weltkrieg  nicht  einzig  und  allein  Deutschland
und  seinen  Verbündeten  zur  Last  gelegt  werden  kann.  Das  in  diesem  Buche  bearbeitete
Material  ist  außerordentlich  Interessant.  Die  belgischen  Gesandten  weisen  in  ihren
Berichten  immer  wieder  darauf  hin,  daß  sie  von  der  französischen  Revanchepolitik,
vom  russischen  Panslawismus,  von  der  Verstrickung  der  Donaumonachie  in  die  Wir  nisse
der  Entwicklung  auf  dem  Balkan  und  von  der  Einkreisungspolitik  König  Eduards  VII.
und  ihren  Folgewirkungen  alles  Unheil  für  die  Zukunft  erwarteten.

Militär-Wochenblatt  (Nr.  36  vom  5.  3.  1921):

...Schwertfegers  Buch  besitzt  unwiderlegliche  Beweiskraft,  da  es  sich  auf  die
neutrale  Berichterstattung  der  belgischen  Diplomaten  stützt.  Es  verdient  die  ernsthafteste
  Beachtung  aller  derjenigen,  denen  an  elnem  neuen  Aufstiege  unseres  mit  der
Versklavung  bedrohten  Volkes  gelegen  Ist.

Germania  (Nr.  115  vom  10.  3.  1921):

Lloyd  George  hat  in  seiner  großen  Rede  auf  der  Londoner  Konferenz  die  Schuldfrage
  zum  Ausgangspunkt  der  Erörterung  gemacht  und  sie  nach  bekannten  Muster
zu  Deutschlands  Ungunsten  bejaht.  Damit  spann  er  den  Faden  von  Versailles  weiter,
wo  die  Theorie  vom  rcißenden  Wolf  und  dem  harmlosen  Lamm  von  etlichen  30  Staaten
teils  freiwillig,  teils  gezwungen  die  amtliche  Beglaubigung  erhielt.

...An  diese  Fabel  glauben  heute  nur  noch  in  allen  Ländern  ganz  Naive.  Wenn
auch  die  Archive  der  Ententeländer  noch  sorgsam  verschlossen  sind,  so  besitzen  wir
doch  schon  Material  genug  zur  Beurteilung  der  Frage,  auf  welcher  Seite  die  Hauptkriegstreiber
  gesessen  haben  und  noch  sitzen.

Einen  sehr  wichtigen  Beitrag  zu  diesem  Punkt  llefern  die  Berichte,  die  die  belgischen
  Gesandten  bei  den  europäischen  Groxmächten  in  den  letzten  Jahrzehnten  an
ihre  Regierungen  sandten,  und  die  durch  einen  glücklichen  Zufall  in  unsere  Hände
gefallen  sind.  Eine  Auswahl  erschien  1915  in  der  Norddeutschen  Allgemeinen  Zeitung.
Im  Auftrage  des  Berliner  Auswärtigen  Amtes  hat  dann  später  Oberst  Schwertfeger
die  gesamten  Berichte  in  einem  fünfbändigen  Werke  herausgegeben.  Diese  umfangreiche
  Publikation  ist  für  den  Historiker  und  Politiker  von  unschätzbarem  Werte,
aber  leider  wegen  ihres  Umfanges  wenig  geeignet,  in  das  Volk  einzudringen.  Diesem
Mangel  hat  Schwertfeger  dadurch  abgeholfen,  daß  er  die  Ergebnisse  jenes  fünfbändigen
Werkes  in  einem  neuen  Buch  zusammenfaßte,  dem  er  den  treffenden  Titel:  „Der  Fehlspruch
  von  Versailles‘  gegeben  hat.  Man  darf  sich  der  Hoffnung  hingeben,  daß  in  dieser
Form  die  Kenntnis  der  belgischen  Aktenstücke  bald  zum  Gemeingut  des  deutschen

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