Volltext : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

703

gedanken  Luther  6,  1905;  spitzige  sopbisten  fündlin
195%  es  ist  ein  spitziger  kopf,  astutus,  callidus,  versutus
  et  veterator  magnus  est  Stieler;  spitzige
sachen,  calliditates.  argutiae,  argitiolde  ebb.;  dic
frage  ist  spitzig  Möser  Phant.  2,  47;  dem  briden  ist
das  rätsel  zu  spitzig  Schiller  Fiesko  3,  7;  eine  weiberscch
  ist  auch  für  einen  kapellmeister  zu  spitzig
Kab.  1,  2.  ç

Spleiße,  f.  Span,  Splitter,  mhd.  splize;  in  Eisenhütten
  spleisz.  splisz.  feuerspleiszen,  Funken  von  sehr
glühendem  Eisen  Frisch;  bair.  spleisze  Lichtspan
Schmeller.  —  spleißen,  sein  spalten,  zerteilen;  starles
Verbum  dunkler  Herkunst,  dessen  eigentliche  Heimat  wohl
niederdeutsch  ist,  mnd.  spliten,  niederl.  splijten,  altfrief.
splita,  engl.  sp.it,  und  das  sich  erst  mhd.  als  splizen
nachweisen  läßt;  selten  geblieben  in  allgemeiner  Spr.,
intranf.:  daz  is  undir  ime  spleic  Lamprecht  Alex.
3177;  trans.:  nach  dem  .  .  durch  stolzen  wahn  im
wissen  das  arme  christenthumb  in  stücken  ist  gesplissen
Opitz  Grotius’'  Wahrheit  317  (nach  holländischer  Vorlage);
  val.  2crspleiszen;  mehr  in  der  Spr.  des  Haushalts
  und  der  Gewerbe;  intrans.  und  refl.  das  holz  ist
gesplissen,  hat  sich  gesplissen  Adelung;  trans.  holz,
faszdanben,  dachspüne  spleiszen  ebd.;  einen  baum  nach
der  lünge  spleiszen,  sammct  spleiszen  Stieler;  bergmännisch
  =  Metalle  im  Ofen  von  einander  scheiden
Frisch;  (Schiffsjunge)  der  mit  dem  splciszen  zerrissener
taune  ..  beschusttigt  war  Storm  zwei  Nov.  127.  —
spleißig,  zu  spalten,  leicht  zu  spalten  Adelung;  bei
Frisch  splissig,  sissilis.

Splint,  m.  1)  weiches  Kernbolz,  neuere  Nebensorm
zu  spint  (s.  d.):  man  hat  sie  (Spiralgesäße  in  der  Vegetation)
  ..  besonders  im  splint  gelunden  Goethe
55,  102.  2)  an  Getrieben  eiserner  Keil,  der  in  das
Loch  eines  Bolzens  gesteckt  wird,  damit  dieser  nicht
heraussalle  Jacobsson;  splintehen  bei  Tuchmachern,
spitze  Hälchen  zum  Festhalten  an  der  Tuchpresse  ebd.;
in  schwacher  Form,  die  splinten  an  Windmühlen  Möser
Phant.  3,  243;  bei  Schmieden  splinthammer.  Hammer
zum  Nagelschmieden.  —  Splinter,  m.  niederd.  niederl.
nasalierte  Form  zu  eplitter;  sphinter,  assitla,  selidiuia,
aculeus  ligneus  Kilian;  in  Zusammensetzungen:
splinternackt;  unser  splinterneue  könig  ist  toll  worden
Rist  Perseus  179.

Splitter,  m.  durch  Spleißen  entstandenes  Stück;
nieder=  und  mitteld.  Bildung  zu  dem  genaunten  Verbum,
die  ins  Mhd.  eindringt  (die  eigentlich  mhd.  Bezeichnung
ist  spelter,  zu  spalten  gehörig)  und  sich  langsam  verbreitet,
  noch  im  16.  Ih.  oberdeutsch  der  Erllärung  bedürftig
  (Luthers  splitter  wird  im  Basler  neuen  Test.
durch  spreisz  erklärt):  bei  Schottel  die  splitter,
sestuea,  a.ricmius,  sonst  Masc.;  splitter  von  holz,  glas,
stein,  eisen;  die  splitter  dieses  bildes  Schiller  Ränb.
Tranerfp.  2,  3;  dasz  die  lanze  in  tausend  splitter
bruch  Wieland  Geron  62;  von  euren  bünmen  Soll
kcein  splitter  abgeschlagen  werden  Benedix  Störenfr.
3,  5;  sich  cinen  splitter  in  die  hand  stoszen,  einzichen;
  wenn  ein  organischer  körper  einen  splitter
linge  Goethe  Tagh.  1817;  in  Bildern  und  Vergleichen:
was  sihestu  aber  den  splitter  in  deines  bruders  auge,
und  wirst  nicht  gewar  den  balken  in  deincm  auge?
Matth.  7,  3;  wo  der  grund  des  glaubens  fest  bleibct,
werden  uns  solche  splitter,  spenlin  oder  strohalmen
nicht  schaden  Luther  8,  16°·;  süh  ich  nuch  nur  cinen
einzigen  verunstaltenden  splitter  aus  diesem  schönen
kreise  herausragen  Schiller  1,  311;  dic  splitter  seines
geistes  hütten  Sie  zum  gott  gemacht  Karl.  5,  4;  das
Ürmament  in  splitter  (schmettern)  Wieland  Idr.  3,  135;
nackt  els  ein  splitter,  splitternackt,  s.  nackt  1;  ct
der  Bibelstelle  Matth.  7,  3  splitterriebter,  der  kleinli
richtet,  schon  im  16.  Ih.:  da  waren  nicht  so  viel  splirterrichter
  Nigrinus  1.  Cent.  P  1b;  dazu  später  erst  das

Spleiße  —  Spliller.

704

Verb  splitterrichten.  —  splitterig,  Splitter  gebend:
splittcriges  bolz.  ein  splitteriges  fossil  Adelung;  älter
splittcricht  Stieler.  —  splittern,  in  Splitter  brechen,
Frustulatin  disrumpere,  ronzere,  quassare  ebd.;
das  schiff  ist  vom  sturm  gesplittert  ebb.;  glanz  der
herrligkeit  .  für  dem  der  tiefe  grund  der  berge  wird
gesplittert  Opitz  3,  105;  wenn  er  aueb  trockenes  hol
fur  die  bratgans  splitterte  Voß  Idyll.  16,  141;  auf
Geistiges  übertragen:  o  ihr  tags-  und  splitterrichter,
sblittert  nur  nicht  alles  klcin!  Goethe  zahme  Lenien  5;
—  in  Splitter  geben:  das  bret  splittert,  tabula  Koce
in  frusta  ahit  Stieler;  der  feinde  lanzen  splittern
Goetbe  d.  Sänger;  scheiben  klirren,  scherben  splittern
Schessel  Tromp.  277.

Sponde,  f.  Bettgestell,  Lehnwort  aus  gleichbed.  lat.
s  bonda:  ein  sponden  Amos  3,  12;  landschastlich  im
Norden  verbreitet,  auch  bettsponde.

Sporc,  s.  Keimkorn  kleinster  Pflanzengebilde,  Lehuwort
  der  wissenschaftlichen  Spr.  aus  griech.  sporä,  Säen,
Saat,  in  neuerer  Spr.  allgemeiner  geworden:  bilz-,
schimmelsporen.  —  Sporen,  Plur.,  vgl.  sporn.  —
Sporer,  m.  Sporenmacher,  mhd.  sporare.

Sporn,  m.  Stachelwerkzeug  zum  Antreiben  eines
Reittiers,  Plur.  sporen.  1)  die  Sing.-Form  sporn  hat
sich  erst  nhd.  für  mbd.  sporc,  spor,  abd.  sporo  (zu  spur
und  spuren,  s.  d.,  und  litt.  spirti  treten  gehörig)  entwickelt,
  unter  Einfluß  des  Plur.  sporen,  der  uhd.  sortdauert
  (vgl.  unten  2);  die  Form  der  spor  (neben  sporn)
noch  bei  Stieler,  wofür  das  Fem.  spore  Schottel;
Zwischensorm  der  sporen  ealear  Steinbach;  (als  er)
mit  dem  einen  sporen  behangen  bliche  Zinkgref
2,  5;  Ubertritk  in  die  starke  Decl.,  Gen.  des  sporns,
wozu  sich  ein  neuer  Plur.  die  spornc,  spornen  und
spörner  bildet,  der  jetzt  zu  Gunsten  der  alten  schwachen
Plur.-Form  sporen  wieder  verschwunden  ist:  ich  höre
seino  spornc  klingen  AGryphius  1,  739;  die  spörner
Steinbach;  von  solchen  spornen  wird  getricben  ein
kriegeriscber  heldlenmobt  Brockes  1,  511.  Bed.:  im
eigentlichen  Sinne,  entweder  nur  eines  der  für  die  beiden
Füße  bestimmten  Geräte  meinend,  oder  zusammensassend
für  beide:  dem  plerde  den  sporn  geben  Steinbach:;
der  gnädige  herr  gibt  seinem  rappen  den  sporn  Schiller
Ränk.  1,  1;  hier  bedarfs  des  sporns,  der  schurlen  gerte
Grillparzer  7,  163;  übertragen:  um  lhnen  cinen
freundschaftlichen  sporn  zu  geben  Issland  Mann  v.
Wort  3,  4;  anders  sporn  —  bestiger,  sinnlicher  Antrieb,
lebhaster  Bewegungsgrund  (Adelung),  wo  es  für  nicht
pewöhaliches  spornung  steht  (vgl.  auch  unspor#):  cine
eichte  gunst  wio  diese  ist  der  sporn  fur  edle  krieger
Herder  Cid  31;  es  ist  für  alle  nachkontmen  ein  sporn,
sich  der  ahnen  würdig  zu  zeigen  Moltke  1,  186;  es
ist  uns  cin  sporn  mehr,  die  vertragsrechte  zu  beobachten
  Bismarck  Red.  16,  176;  —  von  Spornähnlichem:
  sporn  in  cinem  schiffe,  Joramen  quo  nialus
immiltilur  Steinbach,  Vorrichtung  zum  Besestigen
des  Masibaums;  beim  Brückenbau  mit  scharsem  Eisen
beschlagener  Eisbrecher;  Gerät  bei  Drahtplättern,  Papiermüllern,
  Ziegelbrennern;  vgl.  auch  eissporn;  an  Tieren,
steiser  Stachel  der  am  Schienbeine  oben  über  der  Hinterzehe
  sitzt,  bei  Insekten  scharser  Dorn  am  Schienbein;
bei  Pferden  weiche  runde  Hornwarze  am  Fessel;  bei
Blumen  kegelsörmig  gekrümmte  Verlängerung  der  Basis
einer  Krone;  —  Name  einer  Schnecke,  turbo  caleur.
2)  der  Plur.  sporcn,  in  älterer  Spr.  gekürzt  sporn:
daz  ros  ze  beiden  eporn  er  num  König  Laurin  611;
und  noch  bei  Göckingk:  als  er  die  sporn  ihm  gab
1,  259;  uhd.  gewöhnlich  nur  in  vollerer  Form:  das
pferd  musz  sporen  baben,  mit  sporen  stechen  Stieler;
ich  will  cuch  die  zackichte  sporen  ins  fleisch  hauen
Schiller  Räub.  2,  2;  es  klingen  seinc  sporen  bell
Lenau  99;  nach  dem  Metall:  eiserne,  guldenc,  silberne
  sporcn  Stieler;  die  goldenen  als  Zeichen  der

splitterig  —  Sporn.