1882
„Die österreichische Herrschaft über Bosnien läßt sich nur befestigen,
wenn es tatsächlich eine Vorherrschaft auch über Serbien und Montenegro
ausübt. Aber könnte Rußland diese österreichisch-ungarische Hegemonie
über slawische Bevölkerungen zulassen, ohne seiner herkömmlichen
Mission untreu zu werden? Es ist sehr schwer einzusehen, wie
eine dauerhafte Übereinstimmung zwecks endgültiger Lösung des orientalischen
Problems geschaffen werden könnte.
Wien, 2. März 1882 (Fehlspruch, S. 4)
„Deutschland darf sich nicht verhehlen, daß der Panslawismus in
dem Vertrage von Berlin (Berliner Kongreß) eine Niederlage erblickt,
daß er daran arbeitet, sich dafür eine Revanche zu schaffen.“
Berlin, 17. März 1882 (Fehlspruch, S. 4)
1886
„soll Rußland, das sich als Vormacht des Friedens im Orient in der
Welt gebärdet, ungestraft den allgemeinen Krieg entfesseln, der unvermeidlich
ist, wenn es in Bulgarien einrückt?“
Belgischer Generalkonsul in Sofia, 6. Juli 1886 (Fehlspruch, 5.8)
„Mit Besorgnis sicht Österreich-Ungarn die Zukunft seiner ernstesten
Interessen im Orient gefährdet, ohne sie verteidigen zu können, da es genötigt
ist, sein enges Bündnis mit Deutschland aufrechtzuerhalten, das
seinerseits Rußland freie Hand lassen muß, um eine französisch-russische
Allianz zu verhindern. Es muß zwischen den Klippen lavieren und
kann es nicht unternehmen, mit der nötigen Entschiedenheit und Energie
zu handeln, die allein den Vormarsch Rußlands und seine Herrschaft
auf der Balkanhalbinsel aufzuhalten vermöchten.
Graf de Jonghe d’Ardoye.
Wien, 25. Oktober 1886 (Fehlspruch, S. 11/12)
„Der bezeichnende Zug der russischen Presse ist gegenwärtig eine
außergewöhnliche Liebenswürdigkeit für Frankreich. Sie bemüht sich, es
als zu künftigen Verbündeten hinzustellen, der im Falle eines Österreichischungarischen
Konfliktes die Kräfte Deutschlands zu binden haben würde.
Graf Errembault de Dudzeele.
Petersburg, 3. Dezember 1886 (Fehlspruch, S. 12)
„Mein persönliches Gefühl ist, daß in absehbarer Zeit der Krieg
unvermeidlich geworden sein wird, und natürlich wird die Türkei in erster
Linie die zerbrochenen Töpfe zu bezahlen haben. Dieser Krieg ist nicht
gerade unmittelbar bevorstehend, aber man muß nichtsdestoweniger befürchten,
daß er sich als logische Folge aus der Lage ergibt. Deshalb
rüstet man sich auf ihn in Rußland ebenso wie in Österreich.“
(Wie vorstehend, S. 12/13)