Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

168  Ventsches  Reich.  (Februar  23.)

at  acht  Monate  in  Schutzhaft  gesessen  und  bis  heute  auf  alle  seine  Beprt

  ache  keine  Antworten  erhalten.  (Lebhaftes  Hört!  hört!  —  Der  Adg.
Leveque  bestätigt  das.)  Jetzt  bitte  ich  den  Staatssekretär  Helfferich  und  den.
Oberst  Wrisberg,  sich  über  diese  Tatsache  zu  äußern.  —  Oberst  v.  Wrisberg:
  Material  bitte  ich  mir  vor  der  Sitzung  mitzuteilen,  damit  ich  es
prüfen  kann.  —  Abg.  Hauß  (Els.)  teilt  den  Fall  eines  Beigeordneten  einer
lothringischen  Stadt  mit,  der  wegen  Kriegsverrat  angeklagt,  zweimal  freigesprochen,
  aber  daraufhin  ausgewiesen  und  in  Schutzhaft  genommen  wurde
und  auf  die  Beschwerde  lediglich  den  Bescheid  bekommen  hat,  die  Ausweisung
  und  Schutzhaft  sei  auf  Grund  des  Kriegsrechts  erfolgt  und  es
müsse  dabei  bleiben.

Hierauf  werden  die  Anträge  der  Soz.  Arb.  abgelehnt  und  der  Gesetzentwurf
  in  zweiter  und  dritter  Lesung  angenommen.

Sodann  beginnt  die  Haushaltsberatung.  Staatssekretär  des  Reichsschatzamts
  Graf  Roedern  begründet  den  Haushaltsplan  und  die  neuen
Steuervorlagen,  indem  er  zunächst  darlegt,  daß  der  ungebrochene  Kriegswille
  unserer  Feinde  uns  verpflichte,  unsere  Rüstung  in  militärischer,  wirtschaftlicher
  und  finanzieller  Beziehung  lückenlos  zu  erhalten.  Dieser  Hinweis,
  fährt  er  fort,  war  nötig,  um  die  Forderungen  zu  rechtfertigen,  mit
denen  die  verbündeten  Regierungen  heute  an  Sie  herantreten,  deren  Schwere
wir  uns  nicht  verschließen,  deren  Notwendigkeit  Sie  aber  aus  der  Situation,
in  der  wir  uns  befinden,  auch  nicht  verkennen  werden.

Mit  dem  Etat  gehen  Ihnen  Steuervorlagen  zu,  die  eine  Milliarde
250  Mill.  neuer  Steuern  für  das  nächste  Jahr  vorschlagen,  die  für  später
eine  weitere  Kriegsgewinnsteuer  in  Aussicht  stellen  und  neben  denen  noch
die  Bitte  einhergeht,  einen  weitern  Kriegskredit  in  der  noch  nicht  dagewesenen

öhe  von  15  Milliarden  zu  bewilligen.  Um  die  Vorschläge  neuer  Steuern.
finanziell  zu  begründen,  muß  ich  Sie  bitten,  mir  für  eine  Weile  in  das
Labyrinth  der  Zahlen  unsers  Reichsetats  zu  folgen.  Der  Etat  balanziert
mit  rund  5  Milliarden  35  Mill.  gegen  3  Milliarden  258  Mill.  im  Vorjahre.
  In  dem  ordentl.  Etat  halten  sich  die  Einnahmen  mit  4  Milliarden
941  Mill.  gegenüber  3  Milliarden  659  Mill.  des  vorigen  Jahres  die  Wage.
Der  außerordentl.  Etat  weist  Einnahmen  und  Ausgaben  von  93  Mill.  gegenüber
  99  Mill.  im  vorigen  Jahre  nach.  Die  Erhöhung  ist  in  erster  Linie
zurückzuführen  auf  die  Reichsschuld.  Die  Ausgaben  für  den  Krieg  sind,
wie  im  Vorjahre,  auf  den  Kredit  verwiesen,  und  die  Friedensausgaben  für
2  und  Marine  sind  in  die  laufenden  Ausgaben  nicht  aufgenommen.  Die

oll-  und  Steuereinnahmen  weisen  nur  die  Veränderung  nach,  die  sich  aus
der  Neubewilligung  der  vorjährigen  Steuern  ergeben  hat.  Neue  Beamtenstellen
  sind  bei  den  allgemeinen  Verwaltungen  nicht  vorgesehen.  Eine  Ausnahme
  bildet  nur  eine  zweite  Unterstaatssekretärstelle  im  Reichsamt  des
Innern.  Bei  den  Betriebsverwaltungen  haben  wir  den  im  Vorjahre  noch
eingenommenen  Standpunkt  nicht  festhalten  können.  Nach  dem  Vorgang  bei
der  preuß.  Eisenbahnverwaltung  haben  wir  auch  bei  der  Post  und  bei  den
Eisenbahnen  eine  Vermehrung  der  Stellen  nicht  mehr  zurückstellen  zu  können
geglaubt.  Beim  Etat  des  Reichsamts  des  Innern  erklärten  sich  die  Mehrausgaben
  von  17  Mill.  in  erster  Linie  auf  höhere  Leistungen  des  Reiches,
auf  Grund  des  Versicherungsgesetzes.  Der  natürliche  Zugang  der  Rentenempfänger,
  die  stärkern  Auszahlungen  von  Waisenrenten  infolge  des  Krieges
und  die  Herabsetzung  der  Altersgrenze  auf  65  Jahre  sind  die  Gründe  dieser
Mehrausgabe.  Aus  den  übrigen  Spezialetats  hätte  ich  nur  noch  bei  den
einmaligen  Ausgaben  eine  Minderausgabe  von  24  Mill.  für  Heeresbauten,
von  3½/  Mill.  bei  der  Marine  und  von  6  Mill.  bei  der  Post  zu  erwähnen.
Im  außerordentlichen  Etat  weise  ich  auf  die  Erhöhung  des  Fonds  zur  Her-