Full text : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1821. (16)

49.  Wlrich  Swingli  und  Sohbannı  Galvin.

Gteichzeitig  mit  Luther,  doch  ganz  unabhängig  von  dem  jächllihen
Heformator,  prebigte  in  der  Schweiz  der  Pfarrer  Ulrich  Zwingli
gegen  den  Ablaß  in  ber  fatholifhen  Kirche.  Zwingli  war  am  Neus
jnhrötage  1484,  alfo  nur  wenige  Wochen  nach  Quther,  geboren.  Bei
Wildhaus  am  Gübabhange  des  Säntis,  im  Kanton  St.  Gallen,
it  noch  Heute  fein  Geburtshaus  zu  fehen.  Bwingli  zeigte  fich  jchon
ls  Knabe  fehr  begabt.  Nein  wie  Die  Bergluft,  in  weldher  er  aufs
wu,  war  jein  Herz;  Elar  wie  Die  Quellen,  die  won  jenen  Alpen
fpringen,  fein  Verftand.  Schon  früh  rvegten  fich  Zweifel  gegen  bie
Sakungen  der  fatholifchen  Kirche  in  ihm;  ohne  Die  Seelenfämpfe  Lu:
ther8  ging  er,  an  der  Hand  gleichgeftimmter  Freunde,  einer  neuen  Gr=Eenntniß
  entgegen.  Mit  22  Sahren  mar  er  Pfarrer  in  Glarus  und
sg,  in  ben  Sahren  1512  und  1515  mit  den  Miethtruppen  feiner
Gemeinde  ald  Feldprediger  in  ben  Krieg.  Sm  Alter  von  32  Sahren
war  er  Pfarrer  von  Einfiedeln  im  Kanton  Schwys.  Hier  war  e8,
wo  er,  an  aufgeflärte  Mönche  Des  dortigen  reichen  Klofter8  fih  ans
Iehnend,  in  feinen  Predigten  gegen  Die  Mißbräuche  der  Kirche  aufzutreten
  begann.  U  er  1519  ald  PBriefter  nah  Zürich  Tam,  trieb
der  Tranzisfaner-Mönh  Samfon  dort  denjelben  Unfug  mit  dem  Mb-Io$
  in  der  Schweiz,  wie  zwet  Ssahre  zuvor  Teßel  in  Deutichland.  Leber:
al  fand  der  Mönd  Spott  und  Schimpf.  Au  Ywinglt  griff  in  fel«
nen  Predigten  dies  Tchmähliche  Treiben  unter  fait  allgemeinen  Betfall
an.  Sein  fräftiges  Zeugnik  und  fein  frommer  Wandel  machten  fol»
hen  Eindrud,  daß  der  Rath  von  Zürich  Thon  1520  allen  Pfarrherren
befahl,  nur  Daß  zu  prebigen,  was  fte  au  der  heil.  Sphrift  bemetjen
fönnten.  Dann  wurde  ber  Gottesdtenft  in  beutjcher  Sprache  ange
orbnet,  die  Priefterehe  geftattet,  die  Klöfter  wurden  aufgehoben,  alle
Bilder,  jelbft  Altäre  und  Orgeln  aus  den  Kirchen  gejchafft,  wu8  offenbar
  viel  zu  wett  ging.  Das  verurfachte  in  der  Schweiz  bald  eine
unheilvolle  Spaltung.  Die  Kantone  Schwyz,  Uri,  Unterwalben,  Lus
zern  und  Hug  jeßten  ber  neuen  Lehre  einen  erbitterten  Widerftand
entgegen  und  jehlofjen’ein  Schub-  und  Trußbündniß.  Wirklich  zogen
im  Sabre  1529  die  beiden  Partheien  gegen  einander  zu  Felde.  Selbft
der  rüflige  Hwingli  Tteß  fi  nicht  abhalten  und  erfchten  im  Lager
der  Hüricher  zu  Noß  mit  der  Hellebarde.  EI  wurde  zwar  ein  Waffen:
jtillftand  vermittelt,  aber  zwei  Jahre  fpäter  brach  der  Krieg  von  Neuem
aus.  Am  12.  Ditober  1531  kam  e8  bei  Kappel  zu  einem  Treffen.
Awingli  ritt  al3  Geiftlicher  dem  Banner  der  Stadt  zur  Seite.  Die
Gntjcheidung  Tieß  nicht  Tange  auf  fich  warten,  Die  Züricher  erlitten  eine
empfindliche  Niederlage;  600  der  beiten  Männer  fanfen  unter  ben
Streihen  oder  Steinen  der  Katholifen  —  denn  auch  mit  Gteinen
ward  nach  alter  Schweizerfitte  gekämpft.  Bwingli  felbft  wurde  von
einem  Wurfe  zu  Boden  geftreet,  in  bem  Augenblid,  al8  er  unter
einem  Birnbaum  von  feinem  Woffe  herab  einem  Schwernermsundeten