Uebersicht der Ereignisse des Jahres 1865. 385
und noch geringerem Ruhm für den Nuf ihrer Gewissenhaftigkeit prrußen.
und dee preußischen Devise des suum cuidud. Gegen die Ansprüche
des Augustenburgers wurden zunächst diejenigen des Großherzogs
von Oldenburg ins Feld geführt, was um so mehr den Eindruck bloßer
Willkür machte, als die Uebertragung seiner Ansprüche von Seite
des russischen Kaisers auf ihn immer noch der erforderlichen förmlichen
Urkunde entbehrte und überdieß rein werthlos war, so kange
der mit seinen Ansprüchen zwischen dem Kaiser von Rußland und
dem Großherzog von Oldenburg stehende Prinz von Wasa keine
Miene machte, auch seinerseits zu Gunsten des Oldenburgers zu ver:
zichten. Nech tiefer aber wurde die öffentliche Meinung verletzt, als
die preußische Regierung den Versuch machte, das Ergebniß der völlig
unabhängigen deutschen Wissenschaft durch ein Gutachten der abhängigen
preußischen Kronjuristen umzustoßen oder wenigstens zu paralysiren,
deren Mehrheit denn auch wirklich die Frage nach den Wünschen der
preußischen Regierung begutachtete und nach diesen Wünschen die Rechte
des Augustenburgers sehr zweifelhaft sand. Die preußische Reglerung
zögerte auch lange, das Gutachten ihrer Kronjuristen dem Urtheil
der öffentlichen Meinung durch den Druck vorzulegen und als
es endlich geschah, sehlten darin die Ausführungen der in der Minderheit
gebliebenen Mitglieder, die ihren wissenschaftlichen Nuf dem Interesse
der Regierung völlig preiszugeben sich dech nicht hatten entschließen
können. Alles das war natürlicher Weise nichk geeignet,
Preußen eine zahlreiche und entschiedene Partei in den Herzogthümern
zu erwerben. Die „ungeheure Mehrheit“ der Bevölkerungen, wie
Preußen seiner Zeit selbst constatirt hatte, hielt vielmehr nach wie
vor sest an Herzog Friedrich, in dem sie nicht nur ihren legitimen
Landesherrn, sondern auch den Fürsten ihrer Wahl anerkannte. Die
Umtriebe der preußischen Regierung waren nur geeignet, sie darin
zu bestärker. In der That war die Zahl derer, die sich offen und
entschieden zu Gunsten der preußischen Absichten aussprachen, eine
verschwindend kleine. Noch vor Ende des J. 1864 hatten 17 Mitglieder
der Ritterschaft in einer Adresse an den König von Preußen
sich für die Annexion ausgesprochen. Aber der Schritt einer Handvoll
Feudaler goß nur Oel ins Feuer. Daß diese Feudalen sich
zum Regiment Vismarck hingezogen fühlten, war freilich natürlich.
Allein ihr Einfluß im Lande war seit dem Beginne der-25