A. Der Bedarf der Industrie an gelernten Arbeltskräften. 171
macht, vor allem durch die Erfindung des mechanischen Webstuhles.
Der neue Geist wird am besten gekennzeichnet durch die Ausführungen
eines Tuchindustriellen, die in den Berichten der Gewerbeaussichtsbeamten
vom Jahre 1887 (S. 119) wiedergegeben sind. Der betreffende
Fabrikant legt dar die Fabriken der neuen Zeit seien im
allgemeinen keine geeigneten Lehrstätten für die Heranbildung ge.
lernter Arbeiter, wenigstens nicht, wenn man unter „gelernt sein“
mehr verstanden wissen wolle, als die Fähigkeit, irgendeinen Handgriff
mit vollendeter Geschicklichkeit ausführen, oder eine Maschine
bedienen zu können. Die in jeder Fabrik nötige Teilung der Arbeit
bedinge an und für sich schon eine Einseitigkeit der Ausbildung,
womit keinem Lehrling gedient sein könne. Auf Teilung der Arbeit
aber beruhten die Erfolge des Febrikbetriebes. Infolge der Arbeitsteilung
werde jeder Arbeiter, auch
gesetzt, die Arbeit sofort zu überneh
sein. Denn sei erst etwas an der
h der nichtgelernte, in den Stand
hmen. Zu lernen solle daran nichts
Arbeit zu lernen, . sei der Fabrikbesitzer,
von seinen Arbeitern abhängig und müsse deren Leistungen
teuer bezahlen. Wenn heute die Hälfte seiner Leute abgehe, und
er fange mit neuen an, so würde nach acht Tagen kaum ein Unterschied
zu bemerken sein; höchstens daß nicht ganz so viel, nicht ganz
so sauber und nicht ganz so ökonomisch produziert werde. Was insbesondere
die Tuchfabrikation anlange, so erscheine dieselbe zwar sehr
künstlich und kompliziert, aber in ihre einzelnen Manipulationen
zerlegt sei sie unendlich einfach; die Arbeitsmaschinen verrichteten
gewissermaßen von selbst die eigentliche Arbeit und garantierten für
die Güte und die Menge des Produktes. Der Arbeiter habe nichts
weiter zu tun, als die Maschinen zu bedienen und den Zusammenhang
unter ihnen zu vermitteln. Allerdings habe man in der
fabrikation die vier gesonderten Arbeitszweige: Spinnerei mit ben
Vorarbeiten, Weberei, Färberei und Walke und Appretur, in denen
toch heute hier und da zunftmäßig gelernte Arbeiter beschäftigt seien.
Aber an sich genügten für jede Verrichtung und für jede Maschine
besonders Veschnlte Arbeiter. Die Anlernung oder Ausbildung der
Arbeiter und Arbeiterinnen sei außerordentlich einfach. Die Knaben
limen gewöhnlich als jugendliche Arbeiter in die Spinnerei, während
die Mädchen in der Regel mit der Appretur, dem Scheren und Noppen
begännen. Nachdem man ihre Anstelligkeit kennen gelernt habe, teile
man sie einer bestimmten Arbeit zu oder übergebe ihnen Akkord an
einer bestimmten Maschine. Die Handgriffe seien alle so einfach,
daß sie sich innerhalb weniger Stunden absehen ließen. Nur die Erlernung
mechanischer Weberei an mechanischen Kraftwebstühlen erfordere
vier bis sechs Wochen; dabei sei aber zu bemerken, daß nicht
die Fabrikanten die Ausbildung leiteten und verträten, sondern der
Lernende selbst. Es komme nämlich ein Knabe oder Mädchen und
bitte um die Erlaubnis, bei seinem Freunde in der mechanischen
Weberei zusehen zu dirfen, damit er auch das Weben erlerne. Das
erlaube man gern, und nach vier bis sechs Wochen begännen solche
Personen ihre selbständigen Versuche auf einem leerstehenden Stuhle,
und wenn sie dann etwas leisteten, gebe man ihnen ein Stück Ware
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