184 34. Herzog Wilhelm V. von Bayern als Kunstfreund.
oben die Spuren des Fürsten und seines Meisters aufsuchen, die so oft geweilt
an dieser einst so kunsterfüllten Stätte, so finden wir nur eines noch, was
geblieben ist, herzerfreuend und erhebend wie vordem, der Blick in das wundervolle,
lachende Altbayernland.
Was also auf der Trausnitz sich erhielt, ist nur ein kleiner Teil von
dem, was Sustris geschaffen. Dazu gehört außer dem im Jahre 1575
begonnenen sogenannten Italienischen Anbau — einem dem Schlosse nach
Süden vorgelegten Eckpavillon von vier Fensterbreiten — die architektonische
Umgestaltung des alten Burghofes mit der hübschen Freitreppe und den
Arkadengängen, welche unter des Meisters Leitung seit 1579 ins Leben traten,
als die Veränderungen und die dekorative Ausstattung der Repräsentationsräume
und Zimmer des ersten Obergeschosses bereits im Fortschreiten waren.
Diese dekorative Ausstattung nun, besonders die entzückenden Grotesken,
gehören wohl zu dem Köstlichsten, was die Renaissance in Altbayern hinterlassen.
Die Entwürfe hierzu rühren von Sustris her; die Ausführung, wie
er selbst berichtet, lag in den Händen seines Schwagers Alessandro Paduano
und des Antonio Ponzano, des Meisters der berühmten Badezimmer im
Fuggerhause zu Augsburg, der gleichzeitig mit Carlo Pellago die Stukkaturen
besorgte.
Auch der biedere Altbayer Hans Thonauer findet Beschäftigung, wie
es überhaupt nicht zu Sustris' Gepflogenheiten gehörte die Einheimischen
zurückzusetzen. Im Gegenteil spornt er sie an im Wettbewerb mit den in
den neuen Techniken der Stuckierung und Groteskenmalerei erfahreneren
Italienern und Niederländern ihr Bestes zu geben. Wie später Cuvilliès an
den Reichen Zimmern der Residenz und der Amalienburg, erzieht Sustris eine
tüchtige Schule einheimischer Meister, und was München hierin ihm zu danken
hat, sagt allein schon der Name Hans Krumpper.
Als blutjunges Weilheimer Büblein, aus einer dort alteingesessenen, vom
Vater auf den Sohn für den bayerischen Hof arbeitenden Bildschnitzerfamilie
stammend, war Krumpper nach München gekommen, wo der gütige Herzog
Wilhelm sich seiner annimmt und ihn das „Maler= und Bosirer-Handwerk“
lernen läßt. So wächst er allgemach hinein in das großzügige Kunstleben
jener Tage. Er ist beim Grottenhofbau dabei und bei der Michaelskirche
und Sustris, dessen scharfer Blick in dem frischen Gesellen einen jener Auserwählten
erkannt hat, von denen er meint, daß es „gute Leute“ werden,
fördert ihn in jeglicher Weise. So durfte er 1590 nach Italien ziehen. Und
als er zurückkehrt, gerecht in aller Arbeit als Maler, Bildhauer und Architekt
und seine Begabung immer bedeutsamer sich entwickelt, da gab's eines Tages
ein frohes Fest in Sustris' Hause an der Herzogspitalgasse, das wohl die
ruhmreichen Namen alle, die Münchens Kunst damals ihr eigen nannte, an
einer Tafel vereinigte: es war das Hochzeitsfest von Meister Friedrichs Tochter
Katharina mit Hans Krumpper von Weilheim.