Full text : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

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eine  Kreude  zu  machen.  Der  Bäcker  schenkte  ihm  oft  zerbrochene
Fastenbrezeln,  die  Kunden  seines  Daters  gaben  ihm  allerlei  alte  Kleidungsstüche
  oder  irgendein  altes  Spielzeug,  und  selbst  nicht  wenige
Rkleine  Geldstüche  brachte  er  seiner  Mutter  nach  hause,  die  sie  in  einer
tönernen  Sparbüchse  verwahrte.

Kuch  bei  allen  Kindern  in  der  Nachbarschaft  wurde  der  hans
bald  beliebt.  Als  er  älter  wurde,  war  er  bei  allen  Spielen  der  erste
und  wußte  immer  etwas  Neues  anzugeben.  Zbends,  wenn  die  Kinder
aus  der  Nachbarschaft  zum  Spiel  auf  dem  Platz  unter  dem  Kastanienbaume
  zusammenkamen,  war  alles  still  und  langweilig,  ehe  Hans  da
war.  Sobald  aber  seine  muntere  Stimme  sich  hören  ließ,  ging  der
allerlustigste  Ipehtakel  los,  den  man  sich  nur  denken  konnte.  Keiner
wußte  aber  auch  so  schöne  Duppen  aus  großen  gelben  Rüben  zu
machen  wie  hans.  Er  schnitt  ihnen  die  possierlichsten  Gesichter  aus,
stechte  ihnen  Hfefferkörner  als  Zugen  hinein  und  putzte  sie  mit  alten
Lappen  aufs  prächtigste  aus.  Das  allerschönste  aber  war,  wenn  er
die  Puppen  miteinander  sprechen  und  sich  zanken  ließ,  bis  ie  sich  zuletzt
  fast  immer  einander  den  gelben  Rübenkopf  abrissen.  „Blindekuh“,
„Kämmerchen  zu  vermieten“,  „Gänsedieb“  und  andere  lustige  Spiele
gingen  nur  gut,  wenn  hans  dabei  war.  Da  gab's  niemals  Sank  und
Streit.  Sankten  sich  wirklich  einmal  zwei  Kinder,  so  fuhr  mein  hans
dazwischen,  machte  jedem  ein  närrisches  Gesicht,  und  alles  mußte  lachen.
Beim  Soldatenspiel  hatte  er  immer  die  höchste  Hapiermütze,  den  schönsten
  Federbusch  daran  aus  Detersilienkraut  und  die  herrlichsten  Achselklappen
  von  weggeworfenen  Kpfelsinenschalen.  Und  keiner  wußte  die
Trompete  und  alle  Instrumente,  wie  sie  bei  den  Soldaten  vorkommen,
so  schön  mit  dem  Munde  nachzuahmen  wie  hans.

Dem  Dater  unsers  Hans,  der  auf  seine  alten  Tage  schon  etwas
grämlich  in  die  Welt  hineinsah,  wurden  die  Streiche  des  lustigen
Jungen  zuweilen  etwas  zu  bunt.  „Ein  Schuhmacher“,  brummte  er
dann,  „wird  aus  dem  Jungen  sein  Lebtag  nicht,  sonst  würde  er  hübsch
zur  Erde  und  den  Leuten  auf  die  Füße  sehen,  statt  daß  er  den  Kopf
wie  ein  Spatz  in  die  blaue  Luft  hineinftecht.“  ZKber  die  Mutter  beschwichtigte
  ihn  immer  und  sprach:  „Laß  den  Jungen  gewähren;  es
ist  ja  doch  besser,  obenhinaus  in  den  lichten  Himmel  als  auf  die  dunkle
Erde  zu  schauen;  dazu  hat  er  im  Alter  Seit  genug.“  Da  schmunzelte
dann  der  Vater  und  ließ  den  Knaben  gewähren.

Nun  kam  allmählich  die  Seit  heran,  wo  Hans  ein  handwerk
lernen  sollte.  Da  er  nach  des  Daters  Kusspruche  zum  Schuster  nicht
taugte,  so  sollte  er  das  Handwerk  seines  herrn  Haten  erlernen,  der
ein  braver  Schornsteinfegermeister  und  bei  allen  Leuten  in  der  nachbarschaft
  sehr  angesehen  war.