Metadata : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1912. (39)

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II.  Schutzmaßregeln.
a)  Verfahren  nach  Feststellung  der  Seuche.
8  216  (204).

(1)  Der  Ausbruch  der  Pockenseuche  ist  von  der  Ortspolizeibehörde  auf  ortsübliche  Weise
und  von  der  Distriktspolizeibehörde  in  dem  für  ihre  amtlichen  Veröffentlichungen  bestimmten
Blatte  bekannt  zu  machen.

(2)  Die  Distriktspolizeibehörde  hat  auch  jeden  in  ihrem  Bezirke  festgestellten  ersten
Ausbruch  sofort  den  Distriktspolizeibehörden  —  für  außerbayerische  Gebietsteile  des  Deutschen
Reichs  den  Ortspolizeibehörden  —  aller  dem  Seuchenorte  benachbarten  deutschen  Gemeinden
mitzuteilen.  Diese  Polizeibehörden  haben  dafür  zu  sorgen,  daß  der  Seuchenausbruch  in  den
benachbarten  Gemeinden  ortsüblich  bekannt  gemacht  wird.

(3)  An  den  Haupteingängen  des  Seuchengehöfts  und  an  den  Eingängen  der  verseuchten
Ställe  oder  sonstigen  Standorte  sind  Tafeln  mit  der  deutlichen  und  haltbaren  Aufschrift
„Schafpocken“  leicht  sichtbar  anzubringen.  «

(4)  An  den  Haupteingängen  des  Seuchenorts  sind  Tafeln  mit  der  gleichen  Aufschrift
leicht  sichtbar  aufzustellen.  In  größeren  Orten  ist  die  Aufstellung  der  Tafeln  in  der  Regel
auf  einzelne  Straßen  oder  Teile  des  Ortes  zu  beschränken.

§  217  (205).

(1)  Sämtliche  Schafe  des  verseuchten  Gehöfts  sind  im  Stalle  unterzubringen,  und  der
Stall  ist  abzusperren  mit  den  aus  den  §§  218  bis  225  sich  ergebenden  Wirkungen.

(2)  Ausnahmsweise  können  die  Schafe  auf  der  Weide  belassen  werden,  wenn  die  Stallsperre
  besonders  schwere  wirtschaftliche  Schädigungen  im  Gefolge  hat  und  der  Weidegang
nach  amtstierärztlichem  Gutachten  eine  besondere  Gefahr  der  Seuchenverbreitung  nicht  bedingt.

8  218  (206).

(1)  Die  Schafe  dürfen  aus  dem  abgesperrten  Stalle  nicht  entfernt  werden.  Jedoch
kann  nach  der  amtstierärztlich  festgestellten  Abheilung  der  Pocken  in  dem  Bestande  der  Weidegang
  der  Schafe  unter  der  Bedingung  gestattet  werden,  daß  diese  keine  Wege  und  Weiden
betreten,  die  von  Schafen  aus  unverseuchten  Gehöften  benutzt  werden,  und  daß  sie  auf  der
Weide  sowie  auf  dem  Wege  dahin  nicht  in  die  Nähe  solcher  Schafe  kommen.  Erforderlichenfalls
  hat  die  Distriktspolizeibehörde  die  Hütungsgrenzen  für  die  letzteren  und  für  die  verseucht
  gewesenen  Bestände  festzusetzen.

(2)  Unter  den  gleichen  Bedingungen  kann  ausnahmsweise  der  Weidegang  schon  vor
erfolgter  Abheilung  gestattet  werden,  wenn  die  Voraussetzungen  des  §  217  Abs.  2  vorliegen.