Full text : Militär-Rechtliche und Militär-Ethische Abhandlungen.

38  Subordinations-Verletzung  durch  Herausforderung  zum  Zweikampfe.

der  militärischen  Auffassung  der  Standesgenossen  wird  das  Militär-Delict
  der  Subordinations-Verletzung  strenge  beurtheilt  werden,  da
die  Subordination  die  Lebenskraft  des  Heeres  ist.  Während  nach  rein
militärischer  Auffassung  der  Zweikampf  zwischen  Officieren  aus  privater
Veranlassung  nichts  Strafbares  enthält,  ist  die  Herausforderung  des
Vorgesetzten  im  Dienste  oder  aus  dienstlicher  Veranlassung  auch  nach
militärischen  Begriffen  strafbar.

V.





Unsere  weitere  Aufgabe  wird  nun  die  sein,  die  Voraussetzungen
näher  kennen  zu  lernen,  unter  welchen  die  Herausforderung  zum  Zweikampfe
  als  Subordinations-Verletzung  aufgefasst,  und  wie  dieselbe  bestraft
  wird.

Das  Gesetz  sagt  (§  155)¹):

„Wer  seinen  Vorgesetzten  im  Dienste  oder  aus  Anlass  eines  vorausgegangenen
  Dienstverhältnisses,  um  sich  für  ein  vermeintlich  erlittenes
Unrecht  Genugthuung  zu  verschaffen,  zum  Zweikampfe  oder  zu  einer
Schlägerei  auf  der  Stelle  (Rencontre)  herauszufordern  sich  erkühnt,  ist
schon  dieser  bloßen  Aufforderung  wegen,  wenn  es  auch  zum  Zweikampfe
  oder  zur  Schlägerei  nicht  gekommen  wäre,  mit  Kerker  von
einem  bis  zu  fünf  Jahren  zu  bestrafen.“

Aus  dem  Wortlaute  des  Gesetzes  ergibt  sich,  dass  folgende  Voraussetzungen
  vorhanden  sein  müssen,  damit  die  Herausforderung  zum  Zweikampfe
  als  Subordinations  -Verletzung  aufzufassen  ist:

1.  Die  Herausforderung  zum  Duell  oder  Rencontre  muss  an  einen
Vorgesetzten  gerichtet  sein.

Das  Dienst-Reglement  unterscheidet  zwischen  „Vorgesetzten“  und
„Höheren“.  Höherer  ist  jeder  in  Activität  befindliche  Angehörige  des
stehenden  Heeres,  der  Kriegsmarine  oder  der  Landwehr  allen  jenen
gegenüber,  welche  eine  geringere  Charge  (Diätenclasse)  einnehmen.  Es
sind  daher  der  Hauptmann  dem  Lieutenant,  dieser  dem  Feldwebel,  und
dieser  wieder  dem  Zugführer  gegenüber  Höhere,  ohne  Rücksicht  darauf
ob  sie  demselben  oder  verschiedenen  Truppenkörpern  angehören.  Vorgesetzter
  ist  eine  Person  des  Soldatenstandes,  wenn  und  inwieweit  sie
nach  der  Dienst-Ordnung  befugt  ist,  einem  anderen  Dienstbefehle  zu
ertheilen.  Gewöhnlich  wird  der  Vorgesetzte  ein  Höherer  oder  doch  dem

¹)  §  112  des  deutschen  Strafgesetzes  lautet:  „Wer  einen  Vorgesetzten  oder
einen  im  Dienstrange  Höheren  aus  dienstlicher  Veranlassung  zum  Zweikampfe  herausfordert,
  wird  mit  Freiheitsstrafe  nicht  unter  einen  Jahr,  und  wenn  der  Zweikampf
vollzogen  wird,  mit  Freiheitsstrafe  nicht  unter  drei  Jahren  bestraft;  zugleich  ist  auf
Dienstentlassung  zu  erkennen,  Gleiche  Strafen  treffen  den  Vorgesetzten,  welcher  die
Herausforderung  annimmt  oder  den  Zweikampf  vollzieht.“