Metadata : Blätter für Rechtsanwendung. LVI. Band. (56)

100  Wechselverjährung  und  deren  Würdigung  im  Prozesse.

Hiezu  kommt  nun  aber  noch  als  Hauptbedenken,  daß
die  Doktrin  bisher  nicht  im  Stande  war,  einen  allgemeinen
  leitenden  Gesichtspunkt  zum  sofortigen  Erkennen
des  Unterschiedes  der  beiden  Arten  von  Fristbestimmungen
darzubieten.  Grawein  selbst  hat  es  vermieden,  ein
solch'  allgemeines  Prinzip  aufzustellen;  er  hat  sich  darauf
beschränkt,  an  einer  Reihe  von  Fragen,  welche  bei  der
Verjährung  auftauchen,  den  Untersch  id
nachzuforschen  und  den  Unterschied  im  rechtspolitischen
Grunde  für  die  verschiedenen  Fristen  aufzusuchen.  Einzelne
  Resultate  seiner  bezüglichen  Prüfung  (in  Bezug  auf
Hemmbarkeit,  Unterbrechbarkeit  der  Fristen,  Ausschließung
und  Abänderung  der  Fristen  durch  Parteiwillen'),  Berücksichtigung
  des  Fristablaufs  von  Amtswegen,  Verzicht
auf  Geltendmachung  des  Versäumnisses,  Beweislast  hinsichtlich
  des  Offenseins  oder  Ablaufs  der  Frist,  Gesetzesanwendung
  bei  räumlicher  oder  zeitlicher  Kollision  verschiedener
  Gesetze  betreffs  der  Fristbestimmung)  wurden
von  der  Kritik  anerkannt,  andere  dagegen  lebhaft  bestritten.


Einige  (z.  B.  Strohal  a.  a.  O.  S.  66)  scheinen

verjährung?  Man  verglelche  die  verschiedene  Ausdrucksweise  in
den  8§8  31,  32  des  Finanzgesetzes  vom  28.  Dezember  1831,  Art.  1  u.  2
des  Gesetzes  vom  29.  September  1861,  Art.  274  des  Gebührengesetzes
  vom  18.  August  1879.  Offenbar  liegt  auch  hier  nur  modifizirte
  Anspruchsverjährung  vor.  S.  auch  v.  Völderndorff
in  Dollmann's  Gesetzgebung,  Abth.  I  Bd.  3  S.  373,  und
Seydel,  bayer.  Staatsrecht  Bd.  4  S.  6,  201.

*)  Nach  feststehender  Lehrmelnung  und  Praxis  können  dle
Fristen  echter  Verjährung  durch  Uebereinkunft  nicht  verlängert
werden  (ob  abgekürzt?  —  streitig),  während  bei  befristeten  Ansprüchen,
  beziehungsweise  bei  Präklusiofristen  deren  vertragsmäßige
  Erstreckung  statthaft  sein  soll.  (Grawein  a.  a.  O.
S.  134  ff.)  Was  solgt  hieraus  für  die  Natur  der  Wechselverjährung?
  S.  auch  Beyer,  a.  a.  O.  S.  83—84,  welcher  die
Kürzung  der  Fristen  der  88  77  ff.  der  WO.  durch  paotum  nicht
als  ausgeschlossen  erachtet  (7).