Das denische Reit und seine einzelnen Glieder. (Juni 24.) 131
daß unser Haus niedergerissen werde, und daß die Feinde in unserem Lande
herrschen. (Bravo! Zuruf links.) — Ich weiß nicht, was Sie sagen mit
Ihrem „Produzent“; ich produziere leider sehr wenig.
Meine Herren, ich glaube nun, nach den Zahlen, die ich Ihnen anegeben,
nach den Aeußerungen auch Sachverständiger, daß die geforderte
usgabe absolut notwendig ist, die unter allen Umständen wird gemacht
werden müssen, so schwer drückend sie auch wirkt; daß wir dafür aber auf
allen anderen Gebieten eine größere Sparsamkeit eintreten lassen müssen,
als fie bisher geübt worden ist. Bei der Vorlage über die Besoldungserhöhungen
haben wir ja, glaube ich, einen guten Anfang in der Hinsicht
gemacht. Es muß noch weiter gehen auf diesem Gebiet; und die Regierungen,
die sich ja recht bald mit der Aufstellung der verschiedenen Budgets zu beschäftigen
haben werden, mögen aus den bisherigen Verhandlungen entnehmen,
daß sie die Ausgaben auf das allerknappste einrichten müssen, und daß
keinerlei Luxusausgabe in dem Budget erscheinen darf.
Meine Herren, die Notwendigkeit der verlangten Weiterrüstung ist
von keinem bis jetzt bestritten worden. Es ist möglich, daß einzelne der noch
folgenden Redner dies thun werden, und ich glaube sogar, daß die Herren
von der Sozialdemokratie bereits in der Kommission die Notwendigkeit nicht
so voll anerkannt haben, wie das von unserer Seite geschehen ist. Aber alle
anderen Parteien haben die Notwendigkeit anerkannt. (Zuruf.) — Ja wohl!
den Herrn Kollegen Richter nehme ich gar nicht aus; und wenn er sich ausnimmt,
so setze ich ihm seinen Kollegen gegenüber, der noch heute die Notwendigkeit
an sich gar nicht bestritten hat, sondern nur an diese, von ihm
nach meiner Ansicht für notwendig anerkannte Bewilligung Bedingungen
knüpfen will, über die wir uns jetzt gleich weiter unterhalten werden.
Meine Herren, es ist ja traurig, daß wir zu solchen Militärrüstungen
gezwungen sind, daß die Menschheit anscheinend nur noch da ist, um immer
von neuem Soldaten zu bilden, um immer von neuem Waffen zu schmieden
und neue zu erfinden, die am leichtesten und raschesten die Menschen massenhaft
umbringen. In allen europäischen Staaten sehen wir diese Rüstungsvorbereitungen,
die gar nichts gutes bedeuten. Ich würde daher allerdings
glauben, daß wir bei Beratung der Forderung, die hier vor uns liegt, wohl
überlegen könnten, inwiefern Anträge auf Abrüstung am Platze sein dürften.
Wenn die Regierungen die Sachlage ruhig betrachten, so bin ich der Ausicht,
daß auch ihnen der Gedanke von der Notwendigkeit einer solchen Abrüstung
sich aufdrängen muß, und ich erwarte dann von dem Pflichtgefühl der Regierung,
daß sie überlegt, inwiefern sie dazu mitwirken könne. Und ich
nehme nicht Anstand, meine Herren, zu sagen, daß das mächtige Deutschland
in dieser Hinsicht in Europa wohl ein entscheidendes Wort sprechen
und vielleicht Einleitungen auf diplomatischem Wege machen könnte, welche
mehr, als es bis jetzt geschehen, auf die Abrüstung hinwirken. Ich muß
mit dem Abgeordneten Rickert anerkennen, daß der Antrag, welchen der Abgeordnete
Bonghi in Italien gestellt hat wegen eines internationalen Schiedsgerichts,
von uns nur mit der allerlebendigsten Sympathie begrüßt werden
kann. Und was meine Freunde und mich insbesondere betrifft, so können
wir uns nur glücklich schätzen, wenn das, was der heilige Vater bereits zu
wiederholten Malen verlangt hat, daß die Völker daran denken sollten, sich
im Frieden zu einigen, in dieser Weise nun endlich auch in der italienischen
Kammer zur Anerkennung gekommen ist. Ich würde, wenn wir eben nicht
so gedrängt wären in den Geschäften, meinesteils auch Anträge stellen, gerade
wie Bonghi sie gestellt hat; und ich zweifle nicht, für dieselben hier im
Hause die Majorität zu erlangen, obwohl ich anerkennen muß, daß die Ausführung
solcher Anträge nicht so leicht ist. Ja, meine Herren, daraus, daß
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