Inhaltsverzeichnis : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

Ich  folgte  mit  den  Offizieren  meines  persönlichen  Dienstes  am  3.  August,
bis  Jüterbog  begleitet  von  meiner  Frau  und  meinem  lieben  Jugendfreunde,
dem  Zauptmann  von  Wedel  vom  I.  Garde-Regiment  zu  Juß.  Der  Ab—
schied  war  kurz  und  fröhlich;  wollte  man  doch  zu  Welhnachten  wieder
zurück  sein!  VIur  Wedel  mußte  ich  durch  einen  ermunternden  Zuspruch
das  Scheiden  erleichtern.  Er  gehörte  zusammen  mit  dem  Zauptmann
Graf  Finckenstein  und  dem  Rittmeister  v.  Mitzlaff  zu  meinen  unzertrennlichen
  KRameraden  aus  frühester  Leutnantszeit  beim  I.  Garde-Regiment
und  zu  meinen  Begleitern  auf  vielen  Reisen,  Ritten  und  Jagden  im  Inund
  Auslande.  Der  grausame  Krieg  hat  diese  treuen  Freundschaftsbande
jäh  zerrissen.  Sie  sielen  alle  drei  für  Raiser  und  Reich  an  der  Westfront.

Die  deutschen  ##isenbahnen  als  wichtigste  Silfemittel  unseres  Generalstabes
  für  raschen  lückenlosen  Aufmarsch  arbeiteten  vollkommen  in  dessen
Dienst.  An  allen  lebenew'chtigen  Bauwerken,  Brücken  und  Bahnhöfen
sah  man  sichernde  Posten  und  Hatrouillen.  Die  im  sommerlichen  Erntesegen
  friedlich  prangenden  Fluren  der  deutschen  Seimat  standen  in  tiefem
Gegensatz  zu  dem  ungeheuren  Getriebe  auf  den  Schlenenwegen.  Je  näher
der  Grenze,  desto  mehr  formte  sich  aus  lieblichen  Friedensbildern  das
ernste  Gesicht  des  alles  in  seinen  Bann  ziehenden  Krieges.

Mein  persönlicher  Dlienst  bestkand  aus  den  Adjutanten  Major
v.  Müller,  bisher  im  Generalstabe  der  21.  J.  O.,  dem  später  gefallenen
Major  Edler  von  der  Hlanitz,  früher  im  1I.  Garde-Feldartillerie-Reglment,
  dem  Kammerherrn  Sauptmann  v.  Behr  und  dem  Oberstabsarzt
Dr.  Wiedenmann.

Nachdem  am  4.  August  früh  in  Frankfurt  a.  M.  der  Thef  des  Generalstabs
  der  5.  Armee,  Generalleutnant  Schmidt  v.  Nnobelsdorf,  zu  mir
getreten  war,  endete  die  Reise  in  Saarbrücken  mit  dem  Lmpfang  durch
den  Rommandierenden  General  des  XKI.  A.  R.,  General  der  Infanterte
v.  Below.  Die  betriebsame  Saarstadt  war  in  hellster  Aufregung.  Jatte
man  in  Berlln  nur  die  riesige  RKriegebegeisterung  aller  Bevölkerungekrelse
beobachten  können,  so  trat  hier  auch  die  leise  Sorge  hervor,  was  die
nächsten  Tage  der  Stadt  bringen  würden.  Um  so  wärmer  und  fröhlicher
wurde  die  Ankunft  des  Oberbefehlshabere,  so  kurz  nach  ausgesprochener
Mobilmachung,  von  den  Winwohnern  begrüßt.  #

Unmittelbar  vom  Bahnhof  führte  der  Weg  ins  Generalkommando
zu  einem  Vortrage  des  Rommandierenden  Generals  über  den  Grenzschutz

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